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Autohandels-Verbandschef : Ohne Nachrüstungen droht Autohäusern die Insolvenz

  • Aktualisiert am

Prozentzeichen kleben in einem Autohaus in Stuttgart auf einer Scheibe eines Autos. Bild: dpa

Mit Rabatten wollen Autohersteller den Absatz von Dieselfahrzeugen ankurbeln, doch der Plan scheint nicht aufzugehen. Alles wartet auf die Nachrüstungen – und für manch einen Händler wird es eng.

          Der baden-württembergische KfZ-Verbandspräsident mahnt im Streit um Nachrüstungen zur Eile. „Wenn nicht bald eine Lösung für Nachrüstungen kommt, sehe ich eine gewisse Insolvenzquote auf uns zulaufen“, sagte Verbandspräsident Michael Ziegler. Die Gefahr sieht er vor allem bei mittelgroßen Händlern mit einem hohen Anteil am Flottengeschäft.

          Bei ihnen drohe Wertberichtigungsbedarf, der sich bei einigen Autohäusern erst bei der Erstellung der Bilanzen im Frühjahr oder Frühsommer zeigen dürfte. Beim BMW-Händlerverband sieht man das ähnlich: Euro 4 und Euro 5 Diesel müssten in jedem Fall durch solide Rückstellungen abgesichert werden, heißt es dort.

          Besonders die sogenannten Leasingrückläufer aus Firmenflotten werden mehr und mehr zum Problem: Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) rechnet im Schnitt mit Verlusten von 25 Prozent für ältere Diesel. In Hamburg hat das schon Folgen gezeigt: Das Hamburger Autohaus Willy Tiedtke stellte jüngst einen Insolvenzantrag. Laut „Hamburger Abendblatt“ hatte das Autohaus, die Nummer 3 unter den VW-Händlern in Hamburg, Probleme mit Verlusten beim Verkauf von Leasing-Autos.

          Neuer Dieselgipfel soll Finanzierung für Nachrüstungen lösen

          Die zweite Runde der Rabatte für Diesel-Neuwagen ist gerade angelaufen – mit bis zu 10.000 Euro Nachlass werben manche Hersteller. Doch die Reaktionen auf die Rabatte sind verhalten. Zwar verleiteten die Nachlässe den ein oder anderen zum Kauf eines Neuwagens, wo ansonsten nur ein
          Gebrauchter drin gewesen wäre, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter der Hamburger Autohaus-Gruppe Dello, Kurt Kröger. „Das sind aber nicht so viele, wie man immer glaubt“, ergänzt er. „Ich gebe zu, das ist wirtschaftlich kein sehr attraktives Geschäft.“

          Denn die Margen im Autohandel sind ohnehin dünn. Nur ein bis zwei Prozent vom Umsatz bleiben bei den Händlern als Gewinn hängen. „Die Prämien gehen großteils einher mit dem Wegfall der normalen Rabatte“, sagt Ziegler. Laufen die zum Jahresende aus, werde es schwierig, von diesen hohen Nachlässen wieder wegzukommen. „Das macht die Lage im Autohandel nicht einfacher.“

          Denn die Händler haben noch ein ganz anderes Problem: Die Höfe stehen voll mit gebrauchten Diesel-Fahrzeugen, die keiner kaufen will. „Die Gebrauchtwagen auf dem Hof tun uns deutlich mehr weh, als der kleine Nutzen im Neuwagengeschäft ausgleichen könnte“, so Laumann. Derzeit haben die Autohändler nach Verbandsangaben mehr als 350.000 Euro-5-Diesel-Fahrzeuge auf ihren Höfen stehen – mit steigender Tendenz.

          Die beste Chance, diese Fahrzeuge noch zu verkaufen, seien Hardware-Nachrüstungen, also Umbauten am Motor. Diese Möglichkeit ist Teil des neuen Maßnahmen-Pakets der Koalition, um Diesel-Fahrverbote zu verhindern. Bislang fehlt es aber an Vorgaben seitens der Bundesregierung. Die Hersteller weigern sich, die vollen Kosten für die Nachrüstungen zu übernehmen, wie die Regierung es fordert. Kommende Woche ist deshalb ein weiteres Treffen von Bundesregierung und Autoherstellern geplant.

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