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Flottenfahrzeuge : Die Dieseldebatte lässt Leasing-Anbieter kalt - noch

Dutzende aussortierte Leihwagen stehen auf dem Parkplatz eines Gebrauchtwagenhändlers. Bild: dpa

Gut 80 Prozent der Flottenfahrzeuge in Deutschland fahren mit dem Diesel. Für die Leasinggesellschaften ist er eine wichtige Brückentechnologie.

          Die andauernde Debatte um den Dieselantrieb hat auf dem Neuwagenmarkt Spuren hinterlassen. Zwischen Januar und Juli vergangenen Jahres ließen die deutschen Behörden noch rund 944.000 neue Dieselautos zu. Im selben Zeitraum dieses Jahres waren es etwa 854.000 Fahrzeuge und damit 90.000 Einheiten weniger. Die Frage, wie es mit dem Diesel weitergeht und welche Restwerte Dieselautos bei drohenden Fahrverboten noch haben werden, treibt nicht nur Privatkäufer um. Sie hat auch die Leasing-Gesellschaften erreicht, die ihr Geschäft mit der Langzeitvermietung von Autos verdienen. Das zeigt eine Umfrage dieser Zeitung unter verschiedenen Leasing-Anbietern. Der Tenor: Die Stimmung ist noch gelassen, allerdings beobachten die Verpächter die Debatte um den Diesel besonders aufmerksam.

          Das liegt an der hohen Zahl der Dieselfahrzeuge, die sich in den Flotten befinden. Bei den meisten Anbietern dürfte der Anteil oberhalb der 80-Prozent-Marke liegen. Das im Juli veröffentlichte Dieselbarometer des Gebrauchtfahrzeugmarktforschers Deutsche Automobil Treuhand (DAT) kommt auf Grundlage von Befragungen von Flottenbetreibern gar auf einen Dieselanteil von 86 Prozent. Zwei Drittel dieser Fahrzeuge entsprechen der moderneren Abgasnorm Euro 6, der Rest sind ältere Dieselautos, die von möglichen Fahrverboten betroffen wären.

          Gleichzeitig zeigt die DAT-Erhebung die Herausforderung auf, vor der Dieselbesitzer generell stehen. Zwischen Januar und Juni sind die Restwerte von drei Jahre alten Dieselautos von 56 Prozent des Listenneupreises auf 54,9 Prozent gefallen – ein Rückgang um 1,1 Prozentpunkte. Im Vorjahreszeitraum war der Rückgang indes mit 0,8 Prozentpunkten noch geringer ausgefallen.

          Handel sendet negative Signale

          Zwar ist eine fallende Tendenz über den Jahresverlauf nicht ungewöhnlich, doch sanken die auf Gebrauchtwagenpreisen beruhenden Restwerte von Benzinautos dabei weniger stark, was auf eine höhere Nachfrage schließen lässt. Der Handel sendet zudem negative Signale aus: Gebrauchte Dieselfahrzeuge stünden bei einer Mehrzahl der von ihr befragten Händler inzwischen länger auf dem Hof als vergleichbare Benziner, sagt die DAT. Die Leasinggesellschaften geben sich dennoch gelassen.

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          „Wir beobachten die Entwicklungen bezüglich der Diskussion um Fahrverbote von Dieselfahrzeugen sehr genau“, heißt es etwa bei Sixt Leasing. „Da wir bisher keinen negativen Trend bei der Restwertentwicklung und unseren eigenen Verwertungsergebnissen erkennen, hat sich auch an den geschäftlichen Planungen nichts grundlegend geändert.“

          Sixt Leasing analysiere die Restwerte auf Basis jedes einzelnen Fahrzeugs quartalsweise anhand interner und externer Daten. „Hat sich vor diesem Hintergrund die Restwerterwartung eines bestimmten Fahrzeugs verringert, nehmen wir eine entsprechende Sonderabschreibung vor“, heißt es. Pauschale Sonderabschreibungen auf die Dieselflotte habe das Unternehmen aber bisher nicht vorgenommen. Zudem nehme der Anteil der älteren Euro-5-Dieselfahrzeuge an der gesamten Sixt-Flotte kontinuierlich ab. Nichtsdestoweniger arbeitet das Leasingunternehmen daran, unabhängiger vom Diesel zu werden. „Grundsätzlich kaufen und verleasen wir die Fahrzeuge, die unsere Kunden bestellen. Trotzdem versuchen wir gerade in unserer Funktion als Flottenmanager aktiven Einfluss zu nehmen, um gezielt Motoren mit niedrigeren Emissionswerten und Elektrofahrzeuge in die Flotten einzusteuern.“

          „Kurzfristig fehlt es ohnehin an wirtschaftlich sinnvollen Alternativen.“

          Ähnlich sieht es Michael Velte, der Geschäftsführer des Flottengeschäfts der Deutschen Leasing AG. „Selbstverständlich beobachten wir die aktuellen Entwicklungen zum Thema Dieselfahrzeuge und überlegen genau, welchen Einfluss dies auf unsere Finanzierungsangebote im Fuhrparkmanagement nehmen könnte“, sagt Velte. Angesichts der weiter laufenden Debatten sei es aktuell allerdings verfrüht, mögliche konkrete Auswirkungen auf das aktuelle Geschäft zu benennen. „Eine Abkehr vom Diesel sehen wir langfristig durchaus, dies gilt ebenso für Benzinmotoren, da alternative Antriebstechniken von 2025 an sicherlich einen signifikanten Anteil einnehmen werden.“ Mittelfristig werde der Diesel aber weiter als Brückentechnologie seine Bedeutung haben, sagt Velte. „Kurzfristig fehlt es ohnehin an wirtschaftlich sinnvollen Alternativen.“

          „Dieselfahrzeuge bilden nach wie vor den Löwenanteil in der Nachfrage im klassischen Fahrzeugflottenbereich“, sagt auch Karsten Rösel, Geschäftsführer der Auto Leasing D GmbH (ALD). „Die Fahrzeuge, die wir an unsere Kunden ausliefern, sind Euro-6-Norm Zulassungen. Durch die in der Regel kurzen Leasinglaufzeiten fahren unsere Kunden stets die aktuellen Modelle mit den neuesten Technologien.“ Zusätzlich nehme die Entwicklung alternativer Antriebstechnologien immer mehr Fahrt auf, so dass Rösels ALD ihren Kunden mehr und mehr entsprechende Fahrzeuge anbieten können. Das Flottengeschäft sei aber durchaus von der wachsenden Verunsicherung betroffen und das habe Folgen: „Wir beraten unsere Kunden stärker in Bezug auf die Einbindung aller verfügbaren Antriebsarten und Hersteller und Marken in ihren Fuhrparks.“

          Fachleute wie Stefan Bratzel vom Zentrum für Automobilmanagement in Bergisch Gladbach stellen sich derweil die Frage, ob sich die Dieseldebatte nicht doch noch stärker als bisher auf die Restwertberechnungen der Leasing-Gesellschaften auswirken könnte. „Ein Wertverlust würde sich dann auch in Form von Abschreibungen bemerkbar machen“, sagt Bratzel. Setzt sich die Dieseldebatte fort und kämen sogar Fahrverbote, geht er davon aus, dass sich der zusätzliche Wertverlust zwischen 5 und 15 Prozent bewegt.

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