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Diesel-Affäre : Winterkorn ist von seiner Unschuld überzeugt

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Schon lange weg, aber wohl noch nicht raus: VWs ehemaliger Konzernchef Martin Winterkorn. Bild: dpa

Ermittlungen in Deutschland und Amerika, sogar ein Haftbefehl gegen den ehemaligen VW-Chef liegt vor. Trotzdem ist Martin Winterkorn von seiner Unschuld überzeugt. Und geht jetzt einen möglicherweise riskanten Schritt.

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          Der ehemalige Konzernchef von VW Martin Winterkorn will im Fall möglicher Schadenersatz-Ansprüche gegen ihn ein weiteres Jahr lang keine Verjährung geltend machen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verlängerte er unlängst den sogenannten Verjährungsverzicht bis Ende Mai 2019. Nach Angaben des niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann, der auch im Volkswagen-Aufsichtsrat sitzt, sind eventuelle Schadenersatz-Ansprüche im Abgasskandal ein laufendes Anliegen des Kontrollgremiums.

          Laut Aktiengesetz verjähren Ansprüche bei Gesellschaften, die zum Zeitpunkt einer Pflichtverletzung börsennotiert sind, zehn Jahre nach der Pflichtverletzung. Damit könnte VW seinen ehemaligen Chef derzeit regulär für Verstöße bis zurück ins Jahr 2008 haftbar machen. Bereits vor drei Jahren hatte es aber Berichte gegeben, dass die Entscheidung zum Einbau der Manipulations-Software in Diesel-Fahrzeugen bereits in den Jahren 2005 und 2006 fiel, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale in Wolfsburg. Bis heute ist unklar, wann genau der Betrug seinen Anfang nahm.

          Winterkorn war im September 2015 von seinem Amt als VW-Chef zurückgetreten, kurz nachdem der Skandal mit, wie später bekannt wurde, weltweit Millionen manipulierter Dieselautos von amerikanischen Behörden und Forschern aufgedeckt worden war. Winterkorn hatte stets betont, sich keines Fehlverhaltens bewusst zu sein.

          VW: Orientieren uns „einzig und allein“ am Unternehmenswohl

          Volkswagen teilte mit: „Der Aufsichtsrat prüft fortlaufend, ob Schadensersatz-Ansprüche gegen ehemalige oder amtierende Vorstandsmitglieder gesichert und gerichtlich geltend gemacht werden.“ In dieser Frage orientiere sich der weltgrößte Autokonzern „einzig und allein“ am Unternehmenswohl. Mögliche Ansprüche würden vorbehaltlos und ohne Ansehen der Person geprüft.

          Die amerikanische Justiz will Winterkorn wegen Betrugs in der Abgasaffäre zur Rechenschaft ziehen, in den Vereinigten Staaten gibt es bereits einen Haftbefehl gegen ihn. Außerdem werfen ihm die Ankläger dort Verschwörung zum Verstoß gegen Umweltgesetze und zur Täuschung der Behörden vor.

          Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen ihn, wie auch gegen den neuen VW-Konzernchef Herbert Diess und Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. Die Untersuchungen laufen wegen möglicher Marktmanipulation, gegen Winterkorn zusätzlich wegen Betrugs.

          Im VW-Konzern gibt es nach früheren Informationen aus Aufsichtsratskreisen keine zeitlichen Festlegung, bis wann man den Diesel-Skandal aufgearbeitet haben will. Althusmann sagte aber dem Wirtschaftsausschuss des niedersächsischen Landtags, er hoffe, dass die Aufklärung der Abgasaffäre noch im laufenden, spätestens aber Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen werde.

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