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Geschichte einer Manipulation : Die Lehren aus dem Diesel-Skandal

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Freie Fahrt – aber nicht für alle: An der Hamburger Max-Brauer-Allee wurden ältere Dieselfahrzeuge ausgesperrt. Bild: Reuters

Ein Gewirr aus skandalösem Betrug und Regulierungsversagen hat zu den Problemen mit der Dieseltechnologie geführt. Ein Lehrstück darüber, warum eine vermeintlich gut geeignete Regulierung zu einer Einladung zur Manipulation wurde – und was daraus folgt. Ein Gastbeitrag.

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          Der „Diesel“ hält Deutschland seit drei Jahren in Atem. In diesen Tagen eskaliert aufgrund von Entscheidungen der Verwaltungsgerichte die Debatte abermals und besonders intensiv, denn jetzt geht es final um den Wiederverkaufswert jedes einzelnen Fahrzeuges. Zuvor schon war es ein Millionen-Bußgeld für BMW und wiederum kurz davor traf es den Daimler-Konzern, der auf Anordnung des Kraftfahrt-Bundesamtes einige 100.000 Fahrzeuge zurückrufen und nachrüsten muss. Seit dem Jahr 2015 wirbelt ein permanentes Gewitter durch Deutschlands Autowelt und die Politik. „Alles kapitalistische Betrüger“, so lautet der wohlfeile Schlachtruf. Aber die Antwort ist zu bequem. In Wahrheit ist es ein Gewirr aus skandalösem Betrug und Regulierungsversagen. Die Unterscheidung ist von größter Bedeutung, will man wirklich Lehren aus dem Fall ziehen.

          Über den Betrug muss die Justiz urteilen, und sie wird am Ende eine Managergeneration zu Fall gebracht haben. Dabei ist die Automobilindustrie eigentlich nie als besonders gesetzesuntreu angesehen worden und man wird auch sagen dürfen, keiner der heute betroffenen Manager hatte sich jemals vorstellen können, in eine solche persönlich schwierige Situation zu geraten. Ich will mich daher hier nicht mit den Manipulationen von Motoren, die bei Erkennung von Testsituationen falsche Daten generieren, beschäftigen. Das ist „normale Kriminalität“, sie war in der Automobilindustrie nach allen heutigen Erkenntnissen nicht die Regel.

          Das Problem ist größer als ein einzelnes Unternehmen

          Die Krise kam langsamer, vermeintlich harmloser, aber eben nicht ohne Vorboten daher. Deshalb stehen die Autokonzerne Europas heute weit über die strafrechtliche Frage hinaus im Feuer. Es handelt sich um ein Industrie-, nicht um ein Unternehmensproblem. Es gibt systemische Ursachen, und die können nicht losgelöst von der Qualität oder besser den Schwächen des regulatorischen Rahmens gesehen werden. Daraus können und müssen Lehren weit über das Thema Schadstoff-Regulierung am Auto hinaus gezogen werden.

          Am Anfang der Entwicklung, die zu einer schiefen Ebene geführt hat, stand die Einführung von verpflichtenden Abgasnormen für Kraftfahrzeuge. Diese Normen sind schon lange an der oberen Grenze des technisch Machbaren, und das sollten sie auch sein. Sie waren für die Industrie allein durch Reduzierung des Kraftstoffverbrauchs nicht erreichbar und führten zur Entwicklung zusätzlicher Abgasreinigungssysteme, die wir im Allgemeinen als Katalysatoren kennen.

          Die Politik stand seit einer Verordnung der Europäischen Union aus dem Jahre 2007 vor der Herausforderung, die Anforderungen so zu formulieren, dass sie trotz unterschiedlichster Motoren, Entwicklungskonzepten und Nutzungsanforderungen allgemeingültig, umsetzbar und nachprüfbar sind. Der Ausstoß an Schadstoffen ist eben in jedem Betriebszustand eines Autos anders, ob beim kalten Start, bei schneller Beschleunigung, am Berg, auf der Autobahn, im Winter oder im Sommer. Es kam hinzu, dass zu dem damaligen Zeitpunkt ein wie auch immer gearteter Nachweis nur auf Prüfständen unter Testbedingungen ermittelbar war. Die Überprüfung unter realen Fahrbedingungen ermöglicht erst die allerneueste Technik, die in diesen Monaten unter großen Anwendungsproblemen umgesetzt wird.

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