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Exklusive Umfrage : Verkehrswende ja – Autoverzicht nein

Auto oder Bus? Die Mehrheit der Deutschen ist in ihrer Auswahl eindeutig. Bild: dpa

Die Deutschen sind sich der Gefahr fürs Klima bewusst. Wie eine neue Studie zeigt, fahren die meisten dennoch weiter Auto – so lange der öffentliche Nahverkehr nicht besser ausgebaut wird.

          Sophie Doll ist Tierärztin im nordwestlichen Niedersachsen. Ländlich ist es dort, ungefähr auf halber Strecke zwischen Osnabrück und Oldenburg, andere würden sagen: Es ist die Definition von Provinz. Die acht Kilometer zu der Pferdeklinik, in der sie arbeitet, fährt sie jeden Tag mit dem Rad. Sie tut das, weil sie und ihr Hund Lotte so jeden Tag Sport machen. Aber neben ihrem Auto hätte sie auch keine andere Möglichkeit – denn eine regelmäßige Busverbindung oder ein anderes öffentliches Verkehrsmittel gibt es nicht. „Wenn ich hier keinen Führerschein hätte, hätte ich ein echtes Problem“, sagt die 29 Jahre alte Tierärztin.

          Bastian Benrath

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Will sie den Zug nehmen, muss sie erst eine Viertelstunde mit dem Auto zum nächsten Bahnhof fahren. Auch zum Einkaufen ist sie auf ihr Auto angewiesen. Ähnlich wie ihr geht es vielen Menschen in Deutschland, vor allem auf dem Land. Das Auto ist das am meisten genutzte Verkehrsmittel in Deutschland. 53 Prozent der Bundesbürger nutzen es täglich, weitere 21 Prozent mehrmals in der Woche. Das hat eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach herausgefunden, die an diesem Montag in Berlin vorgestellt wird und FAZ.NET vorab vorlag. Zugleich geht aus der Umfrage aber hervor, dass auch die Sorge um den Klimawandel auf einem Höchststand ist. Fast zwei Drittel der Bevölkerung (61 Prozent) machen sich seinetwegen „große Sorgen“.

          Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich, dass die Deutschen sich Sorgen ums Klima machen, während sie zugleich weiter Auto fahren. Doch es ist nicht so, als wären die Menschen ignorant: Knapp die Hälfte der Deutschen (46 Prozent) sind überzeugt, dass im Bereich Mobilität und Verkehr ein grundsätzliches Umdenken notwendig ist.

          Weitere 43 Prozent halten zumindest Korrekturen in einigen Bereichen für notwendig – dass sich gar nichts ändern muss, glauben gerade einmal 3 Prozent. Stattdessen scheinen oft eher die Alternativen zum Auto zu fehlen – wie bei Sophie Doll. Das Fahrrad, das sie nutzt, ist das am zweithäufigsten gefahrene Verkehrsmittel in Deutschland, wenn auch mit weitem Abstand hinter dem Auto.

          Die Studie zeigt, dass auf dem Land am meisten Auto gefahren wird. Während 63 Prozent der Bewohner von Gemeinden unter 5000 Einwohnern (Dorf) jeden Tag oder sogar mehrmals täglich das Auto nutzen, sind es in Großstädten nur 39 Prozent. Doch es sind auch die Dorfbewohner, die mit dem öffentlichen Nahverkehr in ihrem Ort am unzufriedensten sind: Sechs von zehn Menschen dieser Gruppe sind mit ihren Bussen und Bahnen weniger oder gar nicht zufrieden, während sieben von zehn Großstädtern mit dem Angebot bei ihnen zufrieden oder sehr zufrieden sind.

          „Wenn es eine Busverbindung gäbe, würde ich sie benutzen, zumindest bei schlechtem Wetter“, sagt die Tierärztin. Dass der öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird, ist auch in der Umfrage der am meisten geäußerte Wunsch, knapp 60 Prozent bringen ihn vor.

          Entsprechend stellen Busse und Bahnen in Deutschland inzwischen seit 21 Jahren jedes Jahr einen neuen Fahrgastrekord auf – stoßen aber inzwischen zielstrebig an ihre Belastungsgrenze. „Das Wachstum ist schon deutlich gebremster als im Vorjahr: Die Busse und Bahnen sind voll“, kommentierte ein Sprecher des Verkehrsbetriebe-Verbands VDV die jüngsten Zahlen.

          Notwendig sind sowohl der Bau neuer Strecken als auch die Ertüchtigung alter Infrastruktur. Mehr noch als fehlendes Geld sind schleppende Genehmigungsverfahren der größte Hemmschuh des Ausbaus. Während bei der Diskussion darüber häufig die Ballungsräume im Fokus stehen, erscheint es im Lichte der Umfrage allerdings sinnvoll, auch den ländlichen Raum nicht aus dem Blick zu verlieren.

          Generell blicken die Deutschen beim Thema Mobilität nicht gerade optimistisch in die Zukunft. Vier von zehn Bundesbürgern sind überzeugt, dass es künftig mehr Vorschriften für die Mobilität geben wird, auch wenn sie das ablehnen. Mehr als sieben von zehn glauben, dass von A nach B zu kommen für den Verbraucher in Zukunft teurer wird.

          Und es gibt eine große Nachfrage nach pragmatischen Lösungen für die Probleme, die ihnen am nächsten sind: Die meisten Befragten nennen als drängendstes Verkehrsproblem „zu viele Staus“ und der nach dem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs am zweitmeisten geäußerte Wunsch sind intelligente Ampelschaltungen, die für flüssigen Verkehr sorgen.

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