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Absatz von Volkswagen : Mehr Autos in Europa, weniger auf der Welt

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Vom Abgasskandal spürt Volkswagen (noch) nichts: In Europa sind im September deutlich mehr Autos verkauft worden. Bild: AP

In Europa sind im September deutlich mehr Autos zugelassen worden als im Vorjahr, auch von Volkswagen. Weltweit ging der VW-Absatz aber zurück. Über den Abgasskandal sagen die Zahlen noch wenig.

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          In Europa sind im September wieder deutlich mehr Fahrzeuge verkauft worden, auch von Marktführer VW. Insgesamt stiegen die Neuzulassungen im September im Vergleich zum Vorjahr um 9,8 Prozent, wie der Branchenverband Acea am Freitag in Brüssel mitteilte. In den ersten neun Monaten des Jahres legten die Verkäufe damit um 8,8 Prozent zu. Volkswagen mit Marken wie VW, Skoda, Seat und Audi steigerte die Verkäufe um 8,4 Prozent. Der Hersteller bleibt mit einem Marktanteil von 23,3 Prozent mit Abstand der Marktführer, auch wenn er im Vergleich zum Vorjahr 0,4 Prozentpunkte Marktanteil einbüßte.

          Dagegen schwächelt Volkswagen in den Schwellenländern weltweit. Insgesamt hat der Autobauer erneut weniger Autos verkauft als vor einem Jahr. Im vergangenen Monat seien 885.300 Fahrzeuge zu den Kunden gerollt, 1,5 Prozent weniger als vor Jahresfrist, teilte der Autobauer am Freitag mit. Seit Jahresbeginn schrumpfte der weltweite Absatz ebenfalls um 1,5 Prozent auf 7,43 Millionen Fahrzeuge. Auf dem mit Abstand wichtigsten Markt der Wolfsburger in China sanken die Auslieferungen in den ersten neun Monaten um fünf Prozent. In den Vereinigten Staaten stiegen sie dagegen um drei Prozent.

          Wegen der Schwäche im Reich der Mitte hat Volkswagen seine Verkaufsziele für das laufende Jahr bereits gekappt. Statt eines moderaten Wachstums rechnet der Konzern nur mit Auslieferungen in Vorjahreshöhe von etwas mehr als zehn Millionen Fahrzeugen.

          Auswirkungen des Abgasskandals werde es aufgrund zum Teil langer Lieferzeiten bei Neuwagen erst mit einer Verzögerung von mehreren Wochen oder gar Monaten geben, erklärte Autoexperte Peter Fuß von der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY). Er rechnet zwar nicht mit einer nachlassenden Nachfrage, sondern mit Folgen für die Preisgestaltung der Händler: Angesichts der aktuellen Verunsicherung vieler potenzieller Käufer könnten einige Hersteller „ihre Chance wittern, den eigenen Marktanteil zu steigern und noch aggressiver auf Rabatte zu setzen, was den Preiskrieg weiter anfachen könnte“.

          BMW und Daimler mit besonders großem Plus

          Die deutschen Hersteller BMW und Daimler legten im September in Europa besonders stark zu; BMW um 17,8 Prozent, Daimler um 18,6 Prozent. Insgesamt lieferten alle Hersteller im vergangenen Monat 1,36 Millionen neue Autos nach Europa aus. Der Absatz wuchs damit schon 25 Monate in Folge, wie EY betonte.

          In den ersten neun Monaten lieferten die Unternehmen laut ACEA mehr als zehn Millionen Neuwagen nach Europa aus. Dies sei aber immer noch weit unter der Marke, die 2007 vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht wurde - damals wurden in den ersten neun Monaten des Jahres fast zwölf Millionen Autos verkauft.

          Während der Autoabsatz in der EU insgesamt boomt und die deutschen Hersteller zulegen konnten, gehörte Deutschland unter den wichtigsten Absatzmärkten mit einem Plus von 4,8 Prozent im September zu den Schlusslichtern. Besonders kräftig stiegen die Verkäufe hingegen in Spanien (22,5 Prozent) und Italien (17,2 Prozent).

          Die Manipulation von Abgaswerten war Mitte September von der US-Umweltbehörde EPA öffentlich gemacht worden. Daraufhin hatte der Wolfsburger Konzern zugegeben, Diesel-Emissionen mit einer Software manipuliert zu haben. Das Kraftfahrtbundesamt ordnete daraufhin an, dass Volkswagen in Deutschland 2,4 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten beordern muss. Europaweit sollen 8,5 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen werden, weltweit sind bis zu elf Millionen Autos von Manipulationen betroffen.

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