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Auslandstochter Arriva : Bahn legt Milliardendeal wohl auf Eis

Ein Arriva-Zug, der Auslandstochtergesellschaft der Deutschen Bahn, in Dänemark Bild: obs

Die Bundesregierung will offenbar Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll zum Rücktritt bewegen. Jetzt wird auch klar, warum: Denn eines seiner Hauptprojekte wird wohl gleich mit beerdigt. Für die hoch verschuldete Bahn, die sich einen milliardenschweren Erlös erhofft hatte, sind das keine gute Nachrichten.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Der Verkauf des Bus- und Bahngeschäfts im Ausland sollte Geld in die klamme Bahnkasse bringen und zeigen: Die Eisenbahn in Deutschland steht wieder im Mittelpunkt. Doch der Verkauf der Tochtergesellschaft Arriva lief nicht wie erhofft: Deshalb stoppt die Deutsche Bahn nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur vorerst den geplanten milliardenschweren Verkauf der Auslandsverkehrstochter.

          Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es am Donnerstag im Umfeld des Konzerns zur Begründung. Aufsichtsrat und Vorstand wollten am Nachmittag bei einer Sondersitzung des Kontrollgremiums darüber beraten. Der Konzern hatte monatelang einen Käufer gesucht und parallel auch einen Börsengang als Plan B vorbereitet.

          Ungewiss ist damit die Zukunft des zuständigen Finanzvorstands Alexander Doll. Konzern- und Aufsichtsratskreisen zufolge soll er noch am Donnerstag aus dem Amt gedrängt werden. Aufsichtsratschef Michael Odenwald habe Stunden vor der am Nachmittag geplanten Sondersitzung des Gremiums Doll zum freiwilligen Rückzug aufgefordert, sagten mit der Personalie Vertraute. Ein Bahnsprecher wollte sich dazu nicht äußern.

          Odenwald handele dabei auch auf Wunsch von Verkehrsminister Andreas Scheuer, der den Finanzvorstand am Mittwoch einbestellt hatte. Doll wird vorgeworfen, den Aufsichtsrat und die Regierung zu spät und unzureichend über Probleme beim Verkauf von Arriva informiert zu haben. Doll bestreite dies und habe bislang eine Aufgabe des Amts abgelehnt, hieß es. Das Verkehrsministerium wollte sich vor Ende der Aufsichtsratssitzung nicht äußern.

          Finanzvorstand Alexander Doll (links) im Gespräch mit Bahn-Chef Richard Lutz

          Doll hat Rückendeckung

          Abberufen werden könnte Doll schon bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstagnachmittag. Allerdings hat er erhebliche Unterstützung im Arbeitnehmerlager und auch bei einzelnen Vertretern der Eigentümerseite des Staatskonzerns. Beide Seiten wollten sich noch zu Beratungen treffen.

          In Aufsichtsratskreisen hieß es, es sei noch unklar, ob Odenwald in seinem Gremium eine Mehrheit organisieren könne. Doll werde von vielen als Reformer im Unternehmen gesehen, sagten Konzernvertreter. Als seine Gegenspieler gelten Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla und Bahnchef Richard Lutz.

          Bahn braucht frisches Geld

          Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, macht aber gut 60 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien, wo es auch seinen Sitz hat. Ein Börsengang birgt daher Risiken, weil nicht sicher ist, wann und wie Großbritannien wie geplant aus der EU austritt.

          In Medienberichten war von einem möglichen Erlös von bis zu vier Milliarden Euro die Rede. Davon müssten aber noch Schulden von mehr als eine Milliarde Euro Schulden und Pensionsverpflichtungen abgezogen werden.

          Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem der geplante Verkauf sich hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen.

          Güterverkehr bleibt Krisensparte 

          In der Sitzung sollte eigentlich die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, zum Vorstand für Güterverkehr berufen werden. Doll, der die Krisen-Sparte bislang mitführte, wollte diese abgeben. Damit wollte er einen neuen Impuls zur Sanierung des Unternehmenszweigs geben, der immer tiefer in die Verlustzone fährt.

          Nikutta, die früher für DB Cargo gearbeitet hatte, war in der Vergangenheit schon für diesen Posten im Gespräch gewesen. Aufsichtsräten zufolge war ihre Berufung aber am Widerstand von Lutz und Pofalla zunächst gescheitert. Dass der Personalausschuss des Aufsichtsrats sich vergangene Woche nun für Nikutta ausgesprochen hatte, galt als Niederlage für beide. Doll habe Nikutta dagegen befürwortet.

          Die hoch verschuldete Deutsche Bahn und Konzernchef Richard Lutz stehen trotz milliardenschwerer Finanzzusagen des Bundes unter Druck. Scheuer hatte Lutz ein Ultimatum bis 14. November gesetzt, um ein schlüssiges Konzept für Verbesserungen bei der Bahn und vor allem beim Güterverkehr vorzulegen. Geplante Gehaltserhöhungen für die Vorstandsmitglieder wurden nach Informationen der „Rheinischen Post“ schon am Donnerstagmorgen kassiert.

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