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Deutsche Bahn : Baumaßnahmen und Investitionspläne für das nächste Jahr

Stuttgart: Ein Reisender mit Mund- und Nasenschutz sitzt in einem Zug der Deutschen Bahn. Bild: dpa

Zu den größten Infrastrukturvorhaben für 2021 zählen Baumaßnahmen zur Entlastung des Bahnknotens Köln und die Sanierung der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel – mit einer Vollsperrung.

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          Die Deutsche Bahn könnte wegen ihrer Milliardenverluste im Corona-Jahr bei der Investitionsplanung für 2021 in Bedrängnis geraten. In Anbetracht  eines negativen Ergebnisses von rund 5,6 Milliarden Euro im laufenden Jahr könnte die Überweisung der Dividende von 650 Millionen Euro an den Bund 2021 ausfallen. Dann fehlte dieser Betrag im Etat von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der nach dem „Finanzierungskreislauf Schiene“  sofort in Investitionen in die Infrastruktur zurückfließt.

          Bahn-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gibt sich dennoch zuversichtlich, dass eine Lösung zur Überbrückung der möglichen Finanzierungslücke gefunden werde. „Der Aufsichtsrat der Bahn hat der Investitionsplanung des Vorstands am Mittwoch zugestimmt. Die Bundesvertreter kennen die dahinter stehenden Zahlen“, sagte Pofalla am Donnerstag der F.A.Z. in Berlin. „Nach unseren Vorstellungen – und politisch ist das ja mit der Regierung auch abgestimmt – halten wir an allen geplanten Investitionen in die Infrastruktur fest.“

          In Scheuers Etat steigen die Mittel

          Im Bahn-Aufsichtsrat ist eine Entscheidung zum Umgang mit einer Finanzlücke auch deshalb noch nicht gefallen, weil dazu erst der endgültige Jahresabschluss feststehen muss. Die Dividende werde nur dann nicht gezahlt, wenn dies rechtlich nicht möglich sei, hieß es. Die aktuelle Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung zwischen Bund und Bahn (LuFV III) sieht bei einem Ausfall der Dividende vor, „dass davon unabhängig durch die Bahnseite alle Qualitätsversprechen der LuFV III hinsichtlich der Verbesserung der Schieneninfrastruktur zu erfüllen sind. Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Klaus-Dieter Hommel, fordert indes, der Bund müsse diesen Betrag ausgleichen. In Scheuers Etat steigen die Mittel für die Schiene nächstes Jahr von 7,6 Milliarden auf 8,5 Milliarden Euro. Hinzu kommen Eigenmittel der Bahn.

          Pofalla sagte, für 2021 könne er noch keine genaue Zahl nennen, weil abzuwarten sei, ob nicht verbrauchte Mittel auf das nächste Jahr übertragen werden müssten, sagte Pofalla. Er erwarte aber für 2021 „ein Investitionsvolumen oberhalb von 12,2 Milliarden Euro“. Diesen Betrag hat die Bahn dieses Jahr in die Infrastruktur investiert – trotz der erschwerten Bedingungen unter Corona eine neue Rekordsumme. Im 33.000 Kilometer langen Schienennetz sind nach Bahnangaben dieses Jahr 1500 Kilometer Gleise und 1500 Weichen erneuert, 100 Brücken saniert und 620 Bahnhöfe modernisiert worden. Mit  ihrem Konjunkturpaket vom Juni hatte der Bund noch einmal 500 Millionen extra für die Schiene freigegeben.

          Vollsperrung zwischen Göttingen und Kassel

          Zu den größten Infrastrukturvorhaben im kommenden Jahr zählen Baumaßnahmen zur Entlastung des Bahnknotens Köln und die Sanierung der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel mit einer Vollsperrung vom 24. April bis zum 16. Juli. Durch die Sperrung sind viele wichtige ICE- und Intercity-Linien beeinträchtigt. Pofalla versicherte, die Bahn wolle möglichst kundenfreundlich bauen und Zugausfälle vermeiden. Notwendige Umleitungen werden die Fahrzeiten auf der Strecke aber um bis zu 40 Minuten verlängern.

          Außerdem beginnt im neuen Jahr der „Planungsdialog“ für den Ausbau der Strecke Hannover-Bielefeld, das Schlüsselprojekt des künftigen „Deutschland-Takts“ mit verlässlichen Verbindungen und Anschlüssen. Dadurch soll sich etwa die Fahrzeit zwischen Berlin und Bonn um 39 Minuten auf vier Stunden verringern.

          Die über Jahre frustrierende Bilanz der Bahn zur Pünktlichkeit im Fernverkehr fällt in diesem Jahr besser aus. Voraussichtlich werden „deutlich mehr als 80 Prozent“ aller ICE und IC pünktlich angekommen sein. Pofalla sagte: „Wir sind pünktlicher – und zwar nicht nur wegen Corona.“ Denn abgesehen von den Lockdown-Monaten März und April seien in diesem Jahr – in Kilometern gerechnet – nicht weniger Fernzüge unterwegs gewesen als in den Vorjahren, sondern eher mehr.

          Die Bemühungen um mehr Pünktlichkeit im Ablauf zahlten sich also aus. Allerdings stiegen wegen der deutlich geringeren Zahl an Fahrgästen auch weniger Menschen an den Stationen ein und aus, sagte Pofalla. Dies erleichtere die Einhaltung der Haltezeiten auf Bahnhöfen. „Unser eigentlicher Zielwert bleibt 85 Prozent“, sagte er. Dann könnten  Reisende  beim Umsteigen alle Anschlusszüge erreichen. Die Bahn lässt die Auswirkungen von Corona auf die Pünktlichkeit gerade wissenschaftlich überprüfen; die Ergebnisse sollen im Frühjahr vorliegen.

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