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Kampf gegen Sanierungsstau : Die Bahn baut so viel wie nie zuvor

  • -Aktualisiert am

Gleisarbeiten am Hauptbahnhof in Hamburg Bild: dpa

12,7 Milliarden Euro werden in das Schienennetz und die Bahnhöfe investiert. „Ein neues Netz für Deutschland“ sowie den „Grundstein für den Deutschlandtakt“ verspricht die Bahn – doch manche haben ihre Zweifel.

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          Mit Fahrgastrekorden kann die Deutsche Bahn in Pandemiezeiten nicht auftrumpfen, dafür mit einer Rekord-Bautätigkeit: 12,7 Milliarden Euro fließen 2021 in die Verbesserung der Infrastruktur. Diese Summe nannte der Konzern am Freitag in Berlin.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch nie zuvor wurde den Angaben zufolge so viel Geld für die Modernisierung, die Instandhaltung sowie für den Neu- und Ausbau des Schienennetzes und für die Bahnhöfe ausgegeben. Im vergangenen Jahr waren es 12,2 Milliarden Euro gewesen. „Wir bauen ein neues Netz für Deutschland und legen den Grundstein für den Deutschlandtakt“, sagte DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. Man erhöhe das Tempo für die Sanierung und sorge für mehr Kapazität im Schienennetz. 

          Die private Konkurrenz goss etwas Wasser in den Wein. Auch in diesem Jahr würden seitens der DB keine zusätzlichen Strecken fertiggestellt, bemängelte der Geschäftsführer des Netzwerks Europäischer Eisenbahnen, Peter Westenberger, in einer Stellungnahme für die F.A.Z. Solche Kapazitätserweiterungen würden aber für das Wachstumsprogramm des Bundes und der Branche eigentlich benötigt. 

          1900 Kilometer Gleise und 140 Brücken

          Im laufenden Jahr umfassen die Bauvorhaben in Deutschland nach Angaben der Bahn  mehr als 1900 Kilometer Gleise, mehr als 2000 Weichen, knapp 140 Brücken und rund 670 Stationen. Das Arbeitsprogramm „Neues Netz für Deutschland“ basiere auf vier Säulen, hieß es. Durch die Einstellung von Mitarbeitern, den verstärkten Einsatz von digitalen Bau- und Planungs-Werkzeugen, durch vorausschauende Instandhaltung und die Digitalisierung der Schiene werde „deutlich Tempo im Netz aufgenommen“. 

          Die Teams werden personell weiter aufgestockt, um alle Projekte umzusetzen: 2000 Ingenieure und Bauüberwacher sowie 1700 Instandhalter verstärken demnach die Personalreihen. Alleine für das Baumanagement moderner Bahnhöfe seien rund 20 Prozent mehr Mitarbeiter eingeplant. Damit  will die DB wichtige Großprojekte künftig um bis zu ein Viertel schneller realisieren und effizienter umsetzen. 

          Schnellfahrstrecken wie die Verbindung Hannover–Würzburg stattet der Schienenkonzern zusätzlich mit rund 1300 smarten Sensoren an den Weichen aus. „Mit dieser vorausschauenden Instandsetzung werden Weichen und Gleise frühzeitig instand gesetzt, bevor eine Störung auftaucht“, hieß es. Bereits im vergangenen Jahr habe man mit „smarter“ Technik fast 5000 Weichenstörungen vermieden.

          Erste vollautomatisierte S-Bahnen

          Auch sonst geht es mit der Digitalisierung des Schienenverkehrs voran. Im für den Güterverkehr sehr wichtigen Verkehrskorridor Rhein-Alpen werden erste Abschnitte mit dem modernen europäischen Zugleitsystem ETCS ausgestattet, wie die DB erläuterte. Im Oktober fahren den Angaben zufolge in Hamburg erste Fahrzeuge hochautomatisiert auf einem digitalisierten Abschnitt der S-Bahn. 

          Umfangreiche Bauaktivitäten hemmen üblicherweise den normalen Betrieb. Dem will der Verkehrskonzern mit besserer Planung und zusätzlicher Bauinfrastruktur wie Ersatzbrücken und Ausweichgleise entgegenwirken. All dies solle 2021 bewirken, dass sich Baustellen „weit weniger für die Kundinnen und Kunden bemerkbar machen“, versprach die DB. Generell seien Störungen im Netz heute schon auf dem niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Durch vorausschauende Instandhaltung würden Fehler frühzeitig erkannt und behoben, so die Begründung. 

          Zu den wichtigsten Bauvorhaben gehören nach Angaben der Deutschen Bahn in diesem Jahr:

          • Der Infrastrukturausbau auf den Strecken Nürnberg–Erfurt, Berlin–Dresden, Braunschweig–Wolfsburg (Weddeler Schleife) sowie im Knoten Köln
          • Die Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg im Abschnitt Kassel–Göttingen
          • Erneuerungsarbeiten auf der Strecke Hamburg–Berlin sowie zwischen Frankfurt am Main und Mannheim (Riedbahn)
          • Die Inbetriebnahme der elektrifizierten Strecke Ulm–Friedrichshafen

          In den Hauptbahnhöfen Frankfurt am Main, Stuttgart, Hannover und München realisiere man die größten Umbauarbeiten der Unternehmensgeschichte, hieß es. Kleine und mittlere Bahnhöfe sollen modernisiert und verschönert werden.

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