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Deutsche Bahn : Arriva-Verkauf geht in die heiße Phase

Ein Zug des britischen Verkehrsunternehmens Arriva passiert den Bahnhof in Abergele. Bild: dpa

Die Deutsche Bahn hat Pläne für ihre britische Tochtergesellschaft Arriva. Finanzvorstand Alexander Doll sagte der F.A.Z., dass ein Börsengang weiter möglich ist.

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          Die Deutsche Bahn schließt einen Börsengang ihrer britischen Tochtergesellschaft Arriva weiter nicht aus. Das bekräftigte Finanzvorstand Alexander Doll in einem Gespräch mit der F.A.Z. „Wir haben immer gesagt, dass wir parallel zum Verkauf auch alternativ einen Börsengang vorbereiten. Dies ist weiterhin eine realistische Option.“ Beide Möglichkeiten werden dem Vernehmen nach mit gleicher Intensität verfolgt.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der Schienenkonzern will sich von seiner eigentlich sehr erfolgreichen und in 14 europäischen Ländern aktiven Bus- und Bahnsparte trennen, weil er investieren und zugleich seinen hohen Schuldenstand verringern muss. Das bundeseigene Unternehmen schrammt finanziell an der Grenze dessen, was die Politik zu ertragen bereit ist: rund 21 Milliarden Euro betragen die Schulden nach bisheriger Rechnungslegung, rund 25 Milliarden Euro nach dem neuen Standard IFRS 16, in dem der Bereich Leasing strenger verbucht wird. Arriva soll Schätzungen zufolge 3,5 bis vier Milliarden Euro einbringen. Das dürfte die Finanzlücken nicht komplett schließen. Neben Arriva erwägt die Bahn auch den Verkauf von Teilen ihres Logistikablegers DB Schenker.

          Konkret geht es derzeit um Arriva: Ende April dieses Jahres hatte die DB den geplanten Verkauf mit einer Zeitungsanzeige offiziell gemacht. Vier Monate später läuft der Prozess nach Angaben Dolls „nach Plan“. Der Bahnvorstand zeigte sich optimistisch, Arriva entweder über einen Verkauf oder einen Börsengang erfolgreich zu veräußern: „Ich bin zufrieden mit dem aktuellen Stand.“ Man sei in Gesprächen mit mehreren Interessenten. „In Kürze erwarten wir als nächsten Schritt bestätigende Angebote mehrerer Parteien.“

          Viele Angebote für Arriva

          Um wen es sich handelt, mag die Bahn nicht sagen. In der Vergangenheit war über einige Namen spekuliert worden. Genannt wurden die Private-Equity-Gesellschaften Apollo, Carlyle und Lone Star sowie die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank, DWS. Neben diesen Finanzinvestoren gibt es auch sogenannte strategische Interessenten aus der Branche. Dazu soll unter anderem die Tochtergesellschaft der französischen Staatsbahn SNCF, Keolis, gehören. Die Verkehrsunternehmen ComfortDelGro, Go-Ahead, Stagecoach und Transdev haben den Gerüchten zufolge Angebote für Teile von Arriva abgegeben. Im August war in Medienberichten noch von mehr als zehn Interessenten die Rede. Diese Zahl dürfte im Verlauf des Verfahrens auf weniger als die Hälfte geschrumpft sein.

          Auf der Aufsichtsratssitzung der Bahn Mitte September soll Arriva zu den wichtigsten Themen gehören. Mit einer Entscheidung der Kontrolleure ist dann jedoch noch nicht zu rechnen. Das Gremium wird voraussichtlich nur über den aktuellen Sachstand informiert. Das mehrstufige Verkaufsverfahren von anfänglichen Interessenbekundungen bis zu ausführlichen definitiven Offerten braucht seine Zeit. Zudem liegt es im Interesse des Verkäufers, den Prozess bis zum Schluss offenzuhalten, um nicht den Eindruck eines Notverkaufs zu erwecken und die Erlöschancen zu mindern. Wie lange das Ganze auch mit Blick auf einen möglichen Börsengang noch dauert, wollte Finanzchef Doll zeitlich nicht genauer beziffern. Er betonte nur: „In den kommenden Wochen und Monaten werden wir gemeinsam mit dem Aufsichtsrat in Ruhe entscheiden, welcher Weg beim Verkauf von DB Arriva der beste ist.“

          Die britische Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn betreibt 17000 Busse und 1100 Züge im europäischen Ausland. In Großbritannien gehört das Personenverkehrsunternehmen mit einem Anteil von 21 Prozent zu den Marktführern. Im vergangenen Jahr erzielte Arriva einen Umsatz von 5,4 Milliarden Euro, einen Betriebsgewinn (Ebit) von 300 Millionen Euro und beschäftigte 53000 Mitarbeiter (Vollzeit). Die Bahn hatte Arriva 2010 für rund 2,8 Milliarden Euro übernommen. „Weil manche tolle Braut nur einmal im Leben vorbeikommt“, habe man die Gelegenheit ergriffen, sagte der damalige Konzernchef Rüdiger Grube. Tatsächlich gehört Arriva zu den wenigen Ertragsperlen des Schienenkonzerns.

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