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Bahnverkehr : Das Gedrängel auf der Schiene wird größer

Kein Platz mehr: Ein Güterzug mit Containern fährt auf der Schiene südöstlich von Nürnberg. Bild: dpa

In den vergangenen 15 Jahren ist das Bahnnetz in Deutschland geschrumpft - obwohl es mehr Verkehr gibt. Kritiker befürchten eine Kollaps, wenn nicht ausgebaut wird. Die Bahn setzt unterdessen auf mehr Technik.

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          Immer mehr Verkehr und immer weniger Platz: Die Rede ist nicht von Deutschlands Autobahnen oder Innenstädten, sondern vom deutschen Bahnnetz. „Das Gedrängel auf den Schienen wird immer größer“, beklagt das Verkehrsbündnis Allianz pro Schiene und belegt dies anhand von Langzeitdaten. In einer Bilanz stellt die Organisation fest: Die Eisenbahnen hierzulande müssen eine wachsende Verkehrsleistung auf weniger Gleisen bewältigen. Demnach ist zwischen den Jahren 1995 und 2019 das Netz um fast 15 Prozent geschrumpft. Gleichzeitig wuchsen der Personenverkehr um 41 Prozent und der Güterverkehr um 83 Prozent.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Auf dem deutschen Schienennetz wird es immer enger. An neuralgischen Punkten ist das Gedrängel längst unerträglich“, sagt Geschäftsführer Dirk Flege. Ohne eine rasche Erweiterung drohe eine „Verstopfung“ auf den Gleisen, wenn die Wirtschaft nach dem Ende der Corona-Krise wieder auf Touren komme. Von den Verkehrsrückgängen während der Pandemie solle man sich nicht täuschen zu lassen, warnt Flege.

          Vor zwei Wochen hatten die Deutsche Bahn und ihr Eigentümer, der Bund, neue Rekordinvestitionen in die Infrastruktur angekündigt. In diesem Jahr fließen 12,7 Milliarden Euro in deren Verbesserung. Das ist so viel Geld wie noch nie für Modernisierung, Instandhaltung sowie für den Neu- und Ausbau des Schienennetzes und für die Bahnhöfe. „Wir bauen ein neues Netz für Deutschland und legen den Grundstein für den Deutschlandtakt“, hatte der für Infrastruktur zuständige DB-Vorstand Ronald Pofalla betont. Tatsächlich sind die Planungen für das Jahrzehnt ambitioniert: Bis 2030 soll sich im Personenfernverkehr die Zahl der Fahrgäste verdoppeln, der Marktanteil des Güterverkehrs soll deutlich steigen.

          In diesem Jahr keine zusätzliche Strecke fertig

          Damit wird es tendenziell auf den Schienen noch enger. Nicht nur die Allianz pro Schiene ist darüber besorgt. Auch das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen, ein Verband der DB-Konkurrenten, beklagt, dass etwa in diesem Jahr seitens der Deutschen Bahn keine zusätzlichen Strecken fertiggestellt würden. Solche Kapazitätserweiterungen würden jedoch für das Wachstumsprogramm des Bundes und der Branche benötigt, glaubt Geschäftsführer Peter Westenberger.

          Die Allianz pro Schiene lobt zwar grundsätzlich, dass die Bundesregierung in den vergangenen Jahren die Schienenetats erhöht hat. Doch dienten die Mittel vor allem dazu, das bestehende Netz zu sanieren und zu erhalten; beim Neu- und Ausbau halte sich der Bund dagegen zurück. „Mit den geltenden Haushaltsplänen kann die Schrumpfung des Schienennetzes gestoppt, aber nicht umgekehrt werden. Beim Neu- und Ausbau brauchen wir eine Investitionsoffensive, um die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren“, sagt Geschäftsführer Flege. Gefordert wird ein „zügiger Hochlauf auf mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr“. Der erste Schritt sei mit den Investitionen in das bestehende Schienennetz gemacht, doch nun müsse ein zweiter Schritt folgen. „Nur mit einem Neu- und Ausbau der Schienenwege kann der Bund das Ziel erreichen, die Fahrgastzahlen zu verdoppeln und den Marktanteil der Güterbahnen auf über 25 Prozent auszubauen“, sagt Flege.

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