https://www.faz.net/-gqe-9v7g0

Deutsche Luxus-Autohersteller : Daimler verteidigt Spitzenposition

Ein Mitarbeiter des deutschen Automobilherstellers Mercedes Benz montiert Räder in der Produktion des Daimler-Werks in Rastatt Bild: Reuters

Mercedes glänzt mit dem höchsten Autoabsatz der Unternehmensgeschichte. Aber auch BMW und Audi haben rekordverdächtig viele Fahrzeuge verkauft.

          2 Min.

          In Stuttgart lässt man keinen Zweifel daran aufkommen, wer die Führungsrolle unter den deutschen Luxus-Autoherstellern besitzt: „Mercedes-Benz bleibt die Nummer 1 unter den Premium-Automobilmarken“ heißt es in der Überschrift des Konzerns zu den Absatzzahlen des vergangenen Jahres, und man nimmt es ganz genau: 2.339.562 Personenwagen der Marke Mercedes-Benz seien ausgeliefert worden – 1,3 Prozent mehr als im vorigen Jahr, der höchste Absatz der Unternehmensgeschichte.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Auf den ersten Blick scheint das so gar nicht zu passen zu dem, was BMW gestern überraschend früh im Jahr über den Nachrichtendienst Twitter verlauten ließ: 2,52 Millionen Autos, so viel wie nie, seien voriges Jahr abgesetzt worden. Und Vertriebsvorstand Pieter Nota gab zu Beginn des Jahres die Richtung vor. „Wir blicken mit Zuversicht auf das neue Jahr und streben 2020 erneut einen Absatzzuwachs an“, twitterte der Holländer in Diensten der Bayern.

          Der Widerspruch ist aber keiner, denn die von Nota verkündete Zahl beinhaltet nicht nur Autos der Marke BMW, sondern auch die Verkäufe von Mini und Rolls-Royce. An der alten Rangfolge – Mercedes vor BMW – wird sich also tatsächlich nichts geändert haben. Auch wenn die detaillierten Zahlen von BMW noch einen Tag auf sich warten lassen, steht fest, dass die Marke BMW ohne die Kleinwagen von Mini deutlich unter 2,2 Millionen Fahrzeugen liegen dürfte. Denn vom Mini hat der Konzern bis November vorigen Jahres schon 319.000 Autos verkauft, im Dezember dürften noch etliche tausend dazugekommen sein. Die Luxus-Marke Rolls-Royce ist da vernachlässigbar.

          In allen Märkten geht es wieder aufwärts

          Dass das Duell zwischen Daimler und BMW zu einem Dreikampf wird, das ist die Aufgabe des neuen Managements bei Audi. Im April übernimmt mit Markus Duesmann ein früherer BMW-Manager den Vorstandsvorsitz bei der VW-Tochtergesellschaft in Ingolstadt. Am Donnerstag gab noch der alte Vorstand um den scheidenden Audi-Chef Bram Schot eine Erfolgsmeldung heraus. „Trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen“ könne „eine positive Bilanz für das Jahr 2019“ gezogen werden, hieß es zu den fast 1,85 Millionen Auslieferungen der Marke mit den vier Ringen.

          Bei Audi schnellten die Absatzzahlen erst am Jahresende nach oben. Der Grund liegt in den Versäumnissen des Vorjahres: Damals waren die Verkaufszahlen eingebrochen, weil mehreren Audi-Modellen die Zulassung nach dem neuen Abgasstandard WLTP gefehlt hatte. Jetzt geht es für die vom Diesel-Skandal geplagten Ingolstädter in allen Märkten wieder aufwärts. Die von Januar bis einschließlich Dezember verkauften Fahrzeuge sind gleichbedeutend mit einem leichten Plus von 1,8 Prozent.

          Als Pionier für nachhaltigen Luxus

          Alle drei Hersteller eint die hohe Nachfrage nach Stadtgeländewagen, den sogenannten SUV. Der Trend hält entgegen allen Diskussionen um zu hohe Verbrauchswerte dieser Fahrzeuggattung weiter an. Für Daimler-Vorstandschef Ola Källenius zeigen die hohen Verkaufszahlen hingegen, „wie stark nachgefragt die Fahrzeuge von Mercedes-Benz auch in Zeiten des tiefgreifenden Wandels der Mobilität sind.“ Auch wenn die kommenden Jahr mehr denn je von der Transformation der Branche geprägt seien, wolle das Unternehmen den Absatz weiter steigern.

          „Durch Investitionen in neue Technologien und profitables Absatzwachstum ebnen wir den Weg, um mit Mercedes-Benz als Pionier für nachhaltigen Luxus den globalen Premiummarkt auch in der Ära der CO2-neutralen Mobilität anzuführen.“ BMW hat vor drei Jahren die Führungsrolle an Mercedes verloren. Doch auch wenn sich der seit Mai amtierende Daimler-Chef Källenius siegesgewiss gibt: Unter dem ebenfalls neuen BMW-Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse wollen die Münchner wieder an den Stuttgartern vorbeifahren. Und wer weiß, vielleicht kann auch Audi unter einem neuen Chef wieder mitmischen. Der Optimismus ist offenbar zurückgekehrt, in einer Branche, die im vergangenen Jahr mehr mit Stellenabbau und Sparplänen von sich Reden gemacht hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Miteinander kochen und Gesellschaftsspiele machen: Isolation ist auch Zeit für Nähe.

          Corona-Krise : Soziale Isolation als Chance

          Ja, man kann nicht shoppen oder in den Club gehen. Aber die soziale Isolierung durch Corona sollte man nicht nur als negativ begreifen – sondern auch als einzigartige Chance. Dann wäre viel gewonnen für Krisen, die noch vor uns liegen.
          Kann eine Tracking-App gegen das Virus helfen?

          Apps zur Virusbekämpfung : Mit Technik gegen die Seuche

          Im Kampf gegen Corona gelten Südkoreas digitale Werkzeuge als Vorbild. Doch Apps wie in Asien sind in Deutschland unvorstellbar. Nur Systeme, die die Bürger nicht durchleuchten, können jetzt helfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.