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Bilanz für 2020 : Mercedes schafft die Emissionsziele der EU

Der EQC auf der Automesse in Peking im September 2020 Bild: AFP

Wegen der Pandemie verkaufte Daimler weniger Autos. Verglichen mit anderen Herstellern hält sich der Rückgang aber noch in Grenzen – und Ola Källenius ist auch für 2021 optimistisch, was die CO2-Ziele angeht.

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          Noch ist es nicht amtlich – aber Daimler-Vorstandschef Ola Källenius ist sich sicher: Mercedes hat die EU-Vorgaben für den Emissionswert der Gesamtflotte eingehalten. Sofern die EU-Kommission die Berechnungen des Unternehmens bestätigt, ist damit auch klar, dass Strafzahlungen wegen zu hoher CO2-Emissionen nicht verhängt werden. Zahlreiche Studien hatten dagegen prognostiziert, dass Mercedes die Klimaziele nicht erreichen wird, das gleiche wurde für VW vorhergesagt. Von Milliardenstrafen war in beiden Fällen vielfach die Rede.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          VW-Vorstandschef Herbert Diess gab sich zuletzt zuversichtlich, dass die CO2-Ziele zumindest nicht gravierend verfehlt würden und mögliche Strafzahlungen damit keinesfalls in die Milliarden gehen würden. Für VW könnte es allerdings ein Problem sein, dass es Auslieferungsschwierigkeiten sowohl mit dem Audi Etron als auch mit dem VW ID.3 gab. Etwas klarer dürfte die Sache werden, wenn VW nächste Woche Absatzzahlen für 2020 veröffentlicht.

          „Wir hatten im vierten Quartal einen enormen Hochlauf unserer Autos mit Elektroantrieb“, sagte Ola Källenius in einer Telefonkonferenz mit Journalisten zu der unerwarteten Wendung in Sachen Klimaziele: „Die Verkäufe unserer Plug-in-Hybride und vollelektrischen Fahrzeuge konnten wir mehr als verdreifachen.“ Verglichen mit dem Gesamtabsatz sind die Zahlen allerdings immer noch gering. So verkaufte Mercedes gut 115.000 Autos als Plug-in-Hybrid und rund 20.000 Modelle des rein elektrisch angetriebenen Mercedes-EQC.

          Der Start dieses ersten EQ-Modells sei just in die Corona-Pandemie gefallen, gab Källenius zu bedenken, mittlerweile laufe der Absatz des EQC gut. Der Anteil der Autos mit Elektroantrieb am Gesamtabsatz stieg laut einer Mitteilung von Daimler von 2 auf 7,4 Prozent. Für dieses Jahr ist ein Anteil von 13 Prozent geplant. Dazu sollen auch vier neue Mercedes-EQ-Modelle beitragen, darunter als Top-Modell der EQS. „Nach aktuellem Stand erwarten wir, dass wir die CO2-Ziele in Europa auch im Jahr 2021 erfüllen werden“, erklärt Källenius zuversichtlich.

          Elektro-Smarts helfen Daimler

          Wie viel CO2 die Mercedes-Autos im Durchschnitt nun ausstoßen, hat Daimler noch nicht mitgeteilt. Die in der Öffentlichkeit häufig genannten 95 Gramm Kohlendioxid je Kilometer als EU-Grenzwert für die Autoflotte sind nämlich nur die Basis für einen komplizierten Rechenprozess. Je schwerer ein Auto ist, desto stärker darf es nämlich von dem Wert abweichen. Bei Daimler wurde zuletzt mit einem Flottenwert in der Größenordnung zwischen 105 und 107 Gramm kalkuliert. Im Geschäftsbericht, der Mitte Februar veröffentlicht wird, wird der CO2-Ausstoß noch auf Basis der eigenen Berechnungen stehen. Die Bestätigung der EU-Kommission, die ihrerseits auf die Daten der nationalen Zulassungsbehörden zurückgreift, wird erst für den Sommer erwartet. Zum Erreichen des Klimaziels haben auch staatliche Förderprogramme für die Elektromobilität beigetragen. So hat Daimler beispielsweise einen verhältnismäßig guten Absatz von Elektro-Smarts in Deutschland registriert.

          Insgesamt hat Mercedes im vergangenen Jahr 2,16 Millionen Autos verkauft, das waren 7,5 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Verglichen mit anderen Autoherstellern hält sich der Rückgang damit noch in Grenzen. Das sei auch den kreativen, digitalen und kontaktlosen Beratungs- und Verkaufsangeboten der Händler zu verdanken, lässt sich Daimler-Vertriebsvorstand Britta Seeger in einer Mitteilung des Konzerns zitieren. Einen wichtigen Effekt hat auch der Erfolg im größten Automarkt China, wo Mercedes den Absatz um fast 12 Prozent auf 774.000 Autos steigerte. In Deutschland, dem zweitgrößten Mercedes-Markt, ging der Absatz um 10 Prozent auf 286.000 Autos zurück, in den Vereinigten Staaten wurde ein Minus von 13 Prozent auf 275.000 Autos verbucht.

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