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VW sieht keinen Corona-Dämpfer : „Unsere Elektroautos sind derzeit ratzeputz ausverkauft“

ID.3-Fahrzeuge in Zwickau Bild: AP

Die Corona-Krise sollte die E-Mobilität befördern, hofft der Autohersteller. Großes Interesse an dem neuen ID.3 gibt es offenbar vor allem auf Märkten wie Norwegen oder Holland.

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          Volkswagen geht nicht davon aus, dass die Corona-Pandemie die Markteinführung des ersten reinen Elektromodells der Marke VW, des ID.3, im September bremst. „Corona dürfte die Wende zur Elektromobilität eher beschleunigen“, sagte die Vertriebs- und Marketingleiterin für Elektromobilität bei VW, Silke Bagschik, der F.A.Z. am Donnerstag. Das Bewusstsein für Umweltschutz und die Zukunft der Gesellschaft hätten sich durch die Pandemie verstärkt.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          „Unsere Elektroautos sind derzeit ratzeputz ausverkauft“, sagte Bagschik. Beim VW e-up gebe es fast ein Jahr Wartezeit. „Es ist weniger ein Nachfrage- als ein Angebotsproblem“, sagte sie: „Wir werden die Kapazitäten ausbauen, soweit das geht, und bauen, was zu bauen ist.“ Die VW-Managerin sieht deswegen auch gespannt auf den Montag.

          Dann können Kunden den ID.3 in mehreren europäischen Ländern erstmals im Handel bestellen. „Das Interesse ist groß, vor allem auf Märkten wie Norwegen oder Holland, wo Elektromobilität schon verbreiteter ist“, sagte Bagschik. Diese Märkte seien „unglaublich hungrig“ auf das Elektroauto, zumal es dort schon länger ideale Förderungsbedingungen beim Kauf eines E-Autos gebe.

          „Der Plan steht, die Nachfrage ist da“

          „In Deutschland war es anfangs nicht leicht“, sagte Bagschik. Inzwischen habe sich aber einiges getan: „Das Interesse an Elektromobilität wächst spürbar.“ Allerdings hätten vielen Menschen noch Ladeangst, anders als in Ländern wie Dänemark oder Holland, in denen genau ausgeschildert sei, wo Ladesäulen seien.

          Obwohl der ID.3 auch nach dem Bestellstart am Montag erst in nur wenigen Autohäusern zu sehen sein werde, merke man dort schon jetzt, dass das Thema Elektromobilität emotional anders wahrgenommen werde. Vom September an will VW den ID.3 zuerst an die Kunden ausliefern, die ihn vorbestellt haben. 36.000 seien dies gewesen, nur 10 bis 20 Prozent seien abgesprungen. Die Zahl werde aber durch Interessenten, die sich auf Wartelisten eingetragen hätten, problemlos aufgefüllt.

          VOLKSWAGEN VZ

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          Das Unternehmen geht trotz des mehrwöchigen Produktionsstopps wegen der Corona-Pandemie davon aus, annähernd die geplanten 100.000 ID zu bauen, vor allem den ID.3, der preislich auf dem Niveau des VW Golf liegt, von September an aber auch den ID.4 – den ersten vollelektrischen SUV von Volkswagen. „Der Plan steht, die Nachfrage ist da“, sagte Bagschik. Zuversichtlich ist VW wohl auch wegen der großzügigen Förderung – 9480 Euro beträgt der Höchstfördersatz für Elektrofahrzeuge.

          Probleme mit Digitalfunktionen

          „Die Autos werden dann alle auf dem neuesten Software-Stand sein, den wir bis dahin haben“, sagte die VW-Managerin. Die Software-Schwierigkeiten seien zum Teil auf die Pandemie zurückzuführen, weil die internationalen Teams von Volkswagen nicht arbeiten hätten können. Zwei Digitalfunktionen, die nicht rechtzeitig fertig geworden sind, sollen die ersten Kunden dann vom ersten Quartal 2021 an kostenlos aufspielen können.

          Dabei handelt es sich um „App-Connect“, eine Spiegelung der Smartphone-Benutzeroberfläche im Softwaresystem des Autos, sowie um eine Erweiterung der Navigationsanzeigen im Sichtfeld des Fahrers, das sogenannte Head-up-Display. „Das ist ja das Schöne bei der Software“, sagte Bagschik: „Wir können bis zur letzten Minute verbessern.“ Beim Smartphone kenne das jeder: „Updates werden auch beim Auto der Zukunft zur Normalität gehören.“

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