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Bahn baut Auslandsstrecken aus : Die Züge werden wieder voller

Fahrgäste am Frankfurter Hauptbahnhof Bild: dpa

Die Situation auf der Schiene normalisiert sich, das Abstandhalten wird deshalb schwieriger. Die Bahn-App soll deshalb warnen, sobald ein ICE zu mehr als 50 Prozent ausgelastet ist. Eine Reservierungspflicht soll es nicht geben.

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          Parallel zu den laufenden Corona-Lockerungen fährt die Deutsche Bahn ihr Verkehrsangebot weiter hoch. Zum anstehenden Pfingstwochende will der Schienenkonzern touristische ICE- und IC-Linien wieder aufnehmen und besonders nachgefragte ICE-Städteverbindungen verstärken. Das teilte der für den Personenverkehr zuständige Vorstand Berthold Huber am Montag in einer Telefonkonferenz mit. Dabei geht es um die Verbindungen München-Dortmund über Nürnberg beziehungsweise Stuttgart sowie Basel-Dortmund über Karlsruhe. Hier werden wieder Züge mit der doppelten Zahl an Sitzplätzen (Doppeltraktion) eingesetzt.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Die Nachfrage zieht langsam wieder an“, sagte Huber. Allerdings ist sie von Vorkrisenzeiten noch weit entfernt. Für das Pfingstwochenende rechnet der Schienenkonzern mit einem Fahrgastaufkommen in einer Größenordnung von etwas mehr als 50 Prozent des vergleichbaren Vorjahresniveaus. Über das Himmelfahrtwochenende in der vergangenen Woche zählte die DB im Fernverkehr 700.000 bis 750.000 Passagiere. Normal sind 1,5 Millionen Fahrgäste in diesem Zeitraum. Außer im Fernverkehr wird auch im Regionalverkehr das Fahrplanangebot wieder ausgeweitet. Im Bundesdurchschnitt erreichte es schon eine Quote von 95 Prozent. 

          „Absolut sicher“

          Deutschland brauche gerade in den Ferienmonaten ein breites Verkehrsangebot mit einer starken Schiene, betonte Vorstand Huber. Mehr Kapazität schaffe zugleich Platz für Abstand und sicheres Reisen. Zugfahren sei „absolut sicher“, sagte der Manager und verwies auf umfangreiche Reinigungsaktivitäten des Konzerns.

          Auch mit Blick auf die Klimaanlagen in den Zügen muss nach seiner Ansicht niemand Sorgen haben, im Gegenteil. Sie sorgten für einen intensiven Luftaustausch und dafür, dass eventuell virenbelastete Aerosole, also kleinste Tröpfchen, nicht lange in der Luft blieben. So sei etwa das Zugpersonal nicht krankheitsanfälliger, sondern habe signifikant geringere Krankheitsraten als vergleichbare Bevölkerungsgruppen. 

          Keine Reservierungspflicht

          Huber zufolge führt die Bahn von dieser Woche an eine neue Auslastungsanzeige ein. Kunden sehen dann auf der Internetseite bahn.de und in der Navigator-App des Konzerns, sobald ein Fernverkehrszug über Vorabbuchungen zu mehr als 50 Prozent ausgelastet ist. Die Zahl der Reservierungen werde begrenzt. Für Züge mit voraussichtlich sehr hoher Auslastung könne der Ticketverkauf zudem ausgesetzt werden.

          Eine von Befürwortern diskutierte Reservierungspflicht in deutschen Zügen lehnte Huber ab. Dies sei „nicht das Mittel der Wahl“. Stattdessen setze man auf eine kluge Auslastungssteuerung. In Befragungen hätten sich die Kunden überwiegend positiv zu den Maßnahmen der Bahn geäußert. 

          Zum Angebotsausbau gab die Bahn bekannt, dass die ICE-Sprinter-Züge zwischen Berlin und München „nachfrageorientiert“ zurückkehrten – der erste vom 2. Juni an, ein weiterer vom 14. Juni an. Urlaubern will die DB im Sommer zusätzliche Züge offerieren. Ein ICE wird erstmals Stuttgart über Berlin mit Binz auf Rügen verbinden.

          Auch die Verbindungen ins Ausland werden ausgebaut. Es soll eine Direktverbindung Berlin–Innsbruck geben. Nach Österreich und in die Schweiz wird seit Montag wieder annähernd mit einem Angebot auf Vor-Corona-Niveau gefahren. Auch zwischen Berlin und Prag rollten wieder erste Züge. Weitere Verkehre in die Nachbarländer folgen den Angaben zufolge in Abhängigkeit von den Grenzmodalitäten; Mitte Juni unter anderem in die Niederlande und nach Polen.

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