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Zugestellte Bürgersteige : Der Ärger über die Elektroroller wächst

Während immer mehr Menschen die angebotenen Roller per Smartphone buchen und nutzen, wächst die Kritik an den Gefährten. Bild: dpa

Die Rollerfahrer halten sich nicht an die Regeln: Sie fahren zu zweit auf dem Tretroller und sind häufig zu betrunken. Nun äußern sich Kommunen und Verkehrspolitiker zunehmend kritisch. Neue Richtlinien sollen weiterhelfen.

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          Seit gut anderthalb Monaten gehören elektrische Tretroller zum Straßenbild in vielen deutschen Städten. Während immer mehr Menschen die von Verleihsystemen wie Circ, Lime oder Tier angebotenen Roller per Smartphone buchen und nutzen, wächst die Kritik an den Gefährten. Wenn sie nicht vermietet sind, stehen sie mitunter Fußgängern im Weg, beklagen Kritiker. Zudem hielten sich manche Nutzer nicht an die Regeln, heißt es. Sie fahren auf dem Roller zu zweit statt allein, sie rollen über Gehwege, obwohl sie das nicht dürfen. Oder sie nutzen die Roller, nachdem sie zu viel Alkohol getrunken haben.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Martin Gropp

          Wie für andere Kraftfahrzeuge gilt auf den Tretrollern eine Grenze von 0,5 Promille Alkohol im Blut. Nun äußern auch Kommunalvertreter und Verkehrspolitiker verstärkt Skepsis an den Fahrzeugen. „Auch wir haben die Anfangsschwierigkeiten unterschätzt, es läuft noch nicht alles rund“, sagt Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags. „Es gibt viele Menschen, die die Fahrzeuge gerne nutzen, aber viele betrachten sie eher als Spielzeug denn als Verkehrsmittel. Wir brauchen klarere Spielregeln, die verbindlich sein müssen“, sagte Dedy den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

          Anbieter arbeiten an Richtlinien

          Laut Dedy müssen die Anbieter ihre Nutzer besser über die regelkonforme Nutzung aufklären. „Die Städte sollten mit den Verleihfirmen Vereinbarungen treffen, um die Anzahl der Tretroller, deren Abstellung im öffentlichen Verkehrsraum, deren Pflege und die Information ihrer Kunden über die Verkehrsregeln gemeinsam festzulegen“, forderte am Montag auch Matthias Gastel, Grünen-Politiker und Mitglied im Bundestagsausschuss für Verkehr und digitale Infrastruktur.

          „In einigen Städten zeigt sich in Form von wild auf Geh- und Radwegen abgestellten Tretrollern und durch Gehwegfahrten, dass die Städte und Kommunen den Dialog mit den Verleihfirmen dringend intensivieren sollten. So können Gefahren für andere Verkehrsteilnehmer zukünftig verringert werden.“ Die Rollerverleihbranche verweist derweil auf eine Vereinbarung, an der die Anbieter mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund sowie dem Deutschen Städtetag arbeiten.

          Städte sind kritisch

          Diese Absichtserklärung beinhalte konkrete Rahmenbedingungen, wie Anbieter ihre Kundschaft über die regelkonforme Nutzung aufklären können, teilte ein Sprecher des Rollerverleihers Tier mit. Auch für das richtige Abstellen der Fahrzeuge seien Richtlinien definiert worden. Zudem gehe es auch darum, zu ermitteln, wie groß der Bedarf für Roller in einer Stadt ist, oder wie diese in den öffentlichen Personennahverkehr eingebunden werden könnten. Während die Anbieter der Roller zuversichtlich sind, die Vereinbarung bald zu unterschreiben, äußerten sich Kommunalvertreter am Montag zurückhaltender. Das Papier sei definitiv noch nicht unterschriftsreif, hieß es.

          Ohnehin haben einige Städte schon jetzt eigene Regelwerke für die Anbieter der Elektroroller aufgestellt. Die Stadt Köln behandelt die Verleiher schon seit Juni wie Anbieter von Sharing-Fahrrädern. Damit dürfen die Roller zum Beispiel nicht rund um den Dom auf- oder abgestellt werden. Und Ende April veröffentlichte das Frankfurter Verkehrsdezernat „Anforderungen und Empfehlungen für Anbieter von Vermietsystemen für E-Tretroller“.

          Sie sehen unter anderem vor, dass die Anbieter die Nutzer ausführlich über die geltenden Fahrregeln informieren, zum Beispiel, dass sie nicht in Grünanlagen oder am Mainufer fahren dürfen. Begeistert ist die Stadt über die Roller indes nicht. Sie halte die Vermietsysteme für entbehrlich, heißt es in den Anforderungen. Die Regeln sollen aber Konflikte unter Verkehrsteilnehmern wenigstens minimieren.

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