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Bessere Steuerung notwendig : Wenn Millionen Autos Strom tanken

Elektroauto-Tankstelle in Peking in China Bild: Picture-Alliance

Der Erfolg der E-Mobilität hängt daran, dass es genug Lademöglichkeiten gibt. Die Energiebranche verspricht: Es ist genug Strom für alle da. Und fordert dennoch größere Anstrengungen.

          Für die Energiewirtschaft verspricht der Umstieg der Autofahrer auf die Elektromobilität ein großes Geschäft zu werden. Die Branche steht aber auch vor großen Herausforderungen, wenn sich Prognosen bewahrheiten und im Jahr 2030 bis zu zehn Millionen Elektroautos verlässlich mit Strom versorgt werden sollen. Reicht der Strom dann für alle?

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Der Branchenverband BDEW weist die Befürchtung zurück, dass das nicht der Fall sein könnte oder die Netzinfrastruktur nicht ausreiche. „Die reine Strommenge ist nicht das Problem“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer am Dienstag in Berlin. Der Strom sei auch „grün“ genug, im ersten Quartal habe der Anteil der Erneuerbaren am Strommix schon bei 40 Prozent gelegen, und er steige weiter. In den nächsten drei bis vier Jahren seien die Stromnetze noch ausgelegt für den langsamen „Hochlauf“ bei den Elektroautos. Dann seien aber größere Anstrengungen nötig beim Ausbau der Ladeinfrastruktur, vor allem von Schnellladestationen.

          Bessere Steuerung durch die Politik

          Um die Gefahr staatlicher und privater Fehlinvestitionen in die Ladeinfrastruktur zu minimieren, empfiehlt der Verband eine bessere und effizientere Steuerung der Netzbelastung durch ein besseres „Lademanagement“, gemeint ist damit etwa die Stromversorgung der Autos zu versetzen Uhrzeiten im Laufe der Nacht.

          Kapferer betonte, der Gesetzgeber müsse dafür jetzt die Voraussetzungen schaffen. „Zuallererst muss dafür gesorgt werden, dass die privaten Ladeeinrichtungen die technische Fähigkeit für intelligentes Lademanagement aufweisen“, sagte Kapferer. „Hier kann die angekündigte Förderung für private Ladeinfrastruktur ein starker Hebel sein.“ Zudem sollten im Energiewirtschaftsgesetz mehr Anreize geschaffen werden, damit Kunden sich am intelligenten Lademanagement beteiligten; reduzierte Netzentgelte reichten nicht aus.

          Kapferer forderte überdies Änderungen im Miet- und Wohneigentumsrecht, mit denen eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe seit Monaten nicht vorankomme. Dabei geht es unter anderem darum, Mietern oder Wohnungseigentümern die Einrichtung von Ladestationen in Tiefgaragen zu ermöglichen, wenn sie sie denn finanzieren, selbst wenn Vermieter oder Miteigentümer sich dagegenstellten.

          Testregion bei Stuttgart

          Die ENBW-Tochtergesellschaft Netze BW verfügt derweil inzwischen über Erfahrungen mit dem Ladeverhalten von E-Auto-Fahrern in der Testregion „E-Mobility-Allee“ in Ostfildern bei Stuttgart. Martin Konermann, technischer Geschäftsführer, berichtete über eine bessere Speicherung der Energie an der Ladestation. Durch ein gutes Lademanagement könne vermieden werden, dass es Leistungsengpässe gebe, wenn nach 17 Uhr alle Anwohner gleichzeitig ihre Autos aufladen, kochen und waschen wollten. Denn für diese hohe Belastung sei das Netz „nicht gebaut“.

          Über die Zeit des Pilotprojekts habe sich das Ladeverhalten der Anwohner geändert, sagte Konermann. Die „Reichweiten-Angst“ habe nachgelassen. So würden die Fahrzeuge jetzt nur noch ein- bis zweimal in der Woche aufgeladen; zu Beginn sei es viermal gewesen. Die Notfall-Schnellaufladung sei nur in den ersten Wochen genutzt worden.

          Die Investitionskosten für eine „bedarfsgerechte Netzverstärkung“ für E-Mobilität bezifferte Konermann auf 500 Millionen Euro zusätzlich bis 2025. Netze BW plant in den nächsten Monaten weitere Pilotprojekte, unter anderem in einem großen Wohnhaus mit Tiefgarage.

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