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Digitalisierungsvorhaben : Bahn verspricht nahtloses W-Lan

Ein ewiges Streitthema: Der W-Lan-Empfang im Zug. Bild: Picture-Alliance

Die Deutsche Bahn verspricht: Weder auf freier Strecke noch beim Umsteigen soll die Verbindung mit dem Internet abreißen. Rund zwei Milliarden Euro will die Bahn in den nächsten vier Jahren in Digitalisierungsprojekte investieren.

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          Die Deutsche Bahn kennt die Klage. Die Fahrgäste beschweren sich über schlechte Mobilfunkverbindungen und schwaches W-Lan auf Zugfahrten. Internet ist kein Luxus mehr, die Reisenden betrachten ihren Platz in der Bahn längst als zweites Wohnzimmer oder Büro. Und den wachsenden Ansprüchen auf Reisen will die Bahn künftig genügen. „Wir wollen unseren Kunden nahtloses Surfen ermöglichen – in den Zügen und an den Bahnhöfen“, sagte Sabina Jeschke, Bahnvorstand für Digitalisierung und Technik, vor Journalisten in Berlin.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Das bedeutet: Der Fahrgast wählt sich am Startbahnhof ein, bleibt im Netz während der Fahrt, am Umsteigebahnhof, während der Weiterfahrt und am Zielbahnhof, ohne sich ständig neu einloggen zu müssen. Erste Pilotversuche seien erfolgreich, sagte Jeschke. Bald werde man die Bahnhöfe nennen, auf denen „nahtlose Verbindungen“ im Laufe des Jahres möglich würden.

          In den nächsten vier Jahren will die Bahn rund zwei Milliarden Euro in zentrale Digitalisierungsvorhaben investieren – der Ausbau des kostenlosen Internets ist ein Teil davon. So testet die Bahn gerade den Einbau frequenzdurchlässiger Fensterscheiben, die den Einbau von Repeatern im Zug ersetzen könnten. In der Schweiz funktioniert diese Idee schon seit mehreren Jahren.

          Für das störungsfreie Surfen und Telefonieren genügen aber nicht Änderungen an Wagen. Als entscheidend gilt ein flächendeckendes Mobilfunknetz. Vom Bund haben die Mobilfunkanbieter im Zuge der 5G-Versteigerung die Auflage übernommen, die weißen Flecken in der Versorgung entlang der Bahnstrecken zu beseitigen. Jeschke ist zuversichtlich, dass diese Auflage zügiger angepackt wird als früher. Gemeinsam mit den Telekomunternehmen werde die Bahn für eine „bessere Ausleuchtung“ der Strecken sorgen, verspricht sie. Bis Ende 2022 sollen alle Strecken, auf denen täglich mehr als 2000 Passagiere befördert werden, mit mindestens 100 Mbit je Sekunde versorgt sein – und bis 2024 dann alle Bahnstrecken.

          Durchschnittsalter der Züge beträgt mehr als 20 Jahre

          Gerade hat die Bahn ihr Glasfasernetz geöffnet, Telekomanbieter können die freien Kapazitäten der Bahn-Datenleitungen nutzen. Die Bahn bietet zudem die Nutzung ihres Stromnetzes sowie Grundstücke, etwa für die Aufstellung von Funkmasten. Jeschke betonte, mit 5G lasse sich ein vollbesetzter ICE gut versorgen „für die Anwendungen, die wir heute kennen“. Der schrittweise Ausbau des 5G-Standards sei außerdem die Basis für mehr Kapazität auf der Schiene und mehr Qualität im Betrieb, weil nur so mehr Künstliche Intelligenz genutzt werden könne – etwa zur Übermittlung von Sensordaten in Echtzeit an die Werkstätten der Bahn.

          Zu Jeschkes Ressort gehört seit Jahresbeginn auch die „schwere Fahrzeuginstandhaltung“ mit 7500 Mitarbeitern in zwölf Werken. Die Bahn und ihre Kunden leiden darunter, dass Züge oft nicht schnell genug verfügbar seien. Das gilt vor allem für ältere Fahrzeuge; das Durchschnittsalter der Züge beträgt mehr als 20 Jahre. Aber auch bei jungen Zügen machen sich Kinderkrankheiten bemerkbar: Gerade mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug ICE 4 hat die Bahn nach Jeschkes Angaben Probleme; sie stehen länger in den Werkstätten als erwartet.

          Um die Qualität zu verbessern und die Pünktlichkeit zu erhöhen, hat sich die Bahn deshalb vorgenommen, ihre Werkstattkapazitäten zu erhöhen. Ein Engpass seien, so Jeschke, immer wieder die Ersatzteile für die vielen verschiedenen Zugmodelle verschiedener Hersteller. Das soll sich ändern. Alle Teile, bei deren Fehlen der Zug stillsteht, sollen künftig auf Lager gehalten werden. Außerdem sollen bis zum nächsten Jahr rund 10.000 verschiedene Ersatzteile über das 3D-Druckverfahren zu fabrizieren sein. In Pilotprojekten testet die Bahn überdies den Einsatz von Reserveteams sowie einen Dreischichtbetrieb in Werkstätten, in Nürnberg und Krefeld läuft er schon. Die Idee, die Instandhaltung künftig den Herstellern wie Siemens oder Bombardier zu überlassen, lehnt Jeschke indes kategorisch ab.

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