https://www.faz.net/-gqe-9bd6d

Dieselaffäre : Automanager hinter Gittern – nun sind es fünf

Gitter sind vor den Fenstern der Zellen in der Justizvollzugsanstalt in Hannover zu sehen. Bild: dpa

Jetzt auch noch der Audi-Chef: Im Abgasskandal ermitteln die Staatsanwaltschaften mittlerweile gegen Dutzende Beschuldigte – wer steckt denn eigentlich nicht mit drin?

          2 Min.

          Rupert Stadler ist der prominenteste Automanager der zumindest vorübergehend hinter Gittern sitzt, aber nicht der einzige: Außer ihm sind in Sachen Abgasmanipulation noch zwei weitere Top-Manager aus dem VW-Konzern in Untersuchungshaft, zwei weitere wurden schon verurteilt.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Im vergangenen Jahr musste der Audi-Ingenieur Giovanni P. in Untersuchungshaft. Er lieferte den Ermittlern umfassendes Material und belastete unter anderem auch Rupert Stadler schwer. Nach viereinhalb Monaten kam er gegen eine Kaution von 80.000 Euro frei.

          Wolfgang Hatz, der frühere Leiter der Audi-Motoren-Entwicklung, sitzt von September 2017 ab in Untersuchungshaft. Hatz, der innerhalb des VW-Konzerns zum Entwicklungsvorstand von Porsche aufgestiegen war, wurde schnell beurlaubt, nachdem der VW-Skandal im Herbst 2015 ans Licht kam. Er weist alle gegen ihn gerichteten Vorwürfe zurück und ist mit Beschwerden wegen seiner Inhaftierung bis vor das Bundesverfassungsgericht gezogen.

          Lange Liste mit Beschuldigten

          Ende April 2018 wurde der Porsche-Motorenentwickler Jörg Kerner festgenommen. Sein Fluchtreflex am Tag einer Großrazzia bei Porsche war offenbar ziemlich eindeutig: Er fuhr gar nicht erst zur Arbeit, sondern machte kehrt, als er per Telefon erfahren hatte, dass auch sein Privathaus durchsucht werde. Im Gegensatz zu Hatz hat Kerner keine Haftprüfung beantragt. Theoretisch könnte es also sein, dass er jahrelang in Untersuchungshaft sitzt, weil sich die Ermittlungen im Dieselskandal hinziehen dürften. Doch die Strafprozessordnung sieht eine unabhängige Haftprüfung durch das Oberlandesgericht nach sechs Monaten vor.

          In Deutschland gibt es ansonsten einige Dutzend konkret Beschuldigte, bis in die Top-Etagen der Autokonzerne hinein. Der einzige deutsche Autohersteller ohne Justiz im Haus ist Opel. Dort hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein Vorermittlungsverfahren eingestellt.

          Die längste Liste mit Beschuldigten führt die Staatsanwaltschaft Braunschweig, die gegen 39 Personen wegen Manipulationen in Sachen Stickoxid-Ausstoß ermittelt, darunter gegen den früheren VW-Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn. In weiteren Verfahren geht es darum, dass zehn Beschuldigte (zum Teil die gleichen Personen) CO2-Werte geschönt und Daten gelöscht haben sollen.

          Auch Bosch steckt mit drin

          Die Staatsanwaltschaft München II hat 20 Beschuldigte im Zusammenhang mit dem Abgas-Affäre von Audi beschuldigt. Die Vorwürfe lauten Betrug, strafbare Werbung und Urkundenfälschung. Auch bei BMW wurde im März die Zentrale durchsucht und Ermittlungen wegen Betrugsverdachts eingeleitet. BMW-Chef Harald Krüger erklärte, es sei irrtümlich falsche Software aufgespielt worden.

          In Stuttgart gab es Razzien bei Daimler und Porsche. Konkret beschuldigt werden wegen Betrugs und strafbarer Werbung zwei namentlich benannte Personen bei Daimler und drei bei Porsche. Zudem wird gegen Unbekannt ermittelt. Mit einer ganzen Reihe von Verfahren ist der Bosch-Konzern konfrontiert, der fast alle Autohersteller mit Dieseltechnik beliefert.

          Ermittlungen wegen Beihilfe zum Betrug bei den Kunden VW und Chrysler gibt es gegen acht konkret benannte Beschuldigte, in der Zusammenarbeit mit Daimler und Audi wird gegen Unbekannt ermittelt. Vorermittlungen gibt es wegen Beihilfe im Zusammenhang mit Fiat-Motoren.

          Neben dem eigentlichen Dieselskandal klagen Anleger, sie seien nicht rechtzeitig über den Skandal informiert worden. Der Vorwurf der Marktmanipulation richtet sich gegen den früheren VW-Chef Martin Winterkorn sowie seine Nachfolger Matthias Müller und Herbert Diess sowie den VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch. In den Vereinigten Staaten wurden schon zwei Haftstrafen im VW-Skandal verhängt. Im August 2017 wurde Robert Liang zu 40 Monaten Haft und einer Geldbuße von 200.000 Dollar verurteilt, im Dezember 2017 Oliver Schmidt zu sieben Jahren Haft und 400.000 Dollar. Haftbefehle der amerikanischen Justiz gibt es gegen weitere deutsche Automanager, allen voran ist davon wiederum Martin Winterkorn betroffen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ist das Homeoffice Teil der „neuen Normalität“?

          Arbeiten nach der Pandemie : Präsenzkultur, ade!

          Die Corona-Krise hat in der Arbeitswelt einen Schub für die Digitalisierung ausgelöst. Viele Deutsche werden wohl auch danach im Homeoffice sitzen. Aber nicht alle finden das gut.
          Das Sicherheitsgesetz diene dazu, das Prinzip ‚ein Land, zwei Systeme‘ aufrechtzuerhalten, sagte Chinas Ministerpräsident Li Keqiang am Donnerstag.

          Volkskongress in Peking : China lässt alle Fragen offen

          Der Volkskongress bringt ein Sicherheitsgesetz für Hongkong auf den Weg. Doch was darin stehen soll, ist weiter unklar. Die Aktivisten in Hongkong sehnen eine Wirtschaftskrise als Druckmittel gegenüber Peking herbei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.