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VW-Abgasskandal : Volkswagen hält Aktionärsvorwürfe für unbegründet

Der Auspuff eines Skodas mit einem TDI Dieselmotor. Bild: dpa

Der Autokonzern Volkswagen reicht eine Erwiderung gegen die Klage seiner Aktionäre ein. Laut den Aktieninhabern wurde die Ad-hoc-Pflicht verletzt – das Unternehmen hat dazu eine andere Meinung.

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          Volkswagen hält die Klagen von Aktionären im Zusammenhang mit dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselmotoren für unbegründet. Das Unternehmen hat daher beim Landgericht Braunschweig Widerspruch gegen diese Aktionärsklagen erhoben, teilte VW am Mittwochabend mit. Die im Aktienrecht vorgeschriebene Pflicht, potentiell aktienkursbewegende Erkenntnisse zu veröffentlichen, die sogenannte Ad-hoc-Pflicht, sei nicht verletzt worden, weil dem Vorstand erst am 18.September 2015 – unmittelbar bevor der Skandal bekannt wurde – wesentliche Informationen rund um die Manipulation von Diesel-Motoren bekannt geworden seien, heißt es in der Erklärung. VW räumte aber auch ein, dass der frühere Vorstandschef Martin Winterkorn schon 2014 über Probleme auf dem amerikanischen Markt informiert worden ist. Offen ist, inwieweit die Dimension des Skandals aus diesen Informationen schon ersichtlich war.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Die Aktionäre machen vor Gericht geltend, VW habe zu spät über die Manipulationen informiert und damit die Ad-hoc-Pflicht verletzt. Am 18.September vergangenen Jahres hatte nicht VW, sondern die amerikanische Umweltbehörde EPA den Vorgang öffentlich gemacht. VW räumte erst zwei Tage später die Manipulationen ein, die rund um die Welt etwa elf Millionen Fahrzeuge betreffen. Die Abschätzung der konkreten Risiken habe einiger Tage bedurft „und wurde, als dann eine halbwegs belastbare, aber noch vorläufige Zahlenbasis ermittelt worden war, am 22.September sofort ad-hoc gemeldet“. Der Autokonzern stellt sich in der Erwiderung auf die Klage der Aktionäre auf den Standpunkt, VW habe bis zur Veröffentlichung erster Details durch die amerikanische Behörde am 18.September „keinerlei Anzeichen für börsenkursrelevante Informationen“ gehabt.

          „Herr Winterkorn forderte eine weitere Aufklärung des Sachverhalts.“

          Vielmehr sei das Unternehmen davon ausgegangen, dass die Probleme durch Offenlegung der Manipulationen, eine Vereinbarung „geeigneter Maßnahmen zur Wiederherstellung eines rechtmäßigen Zustands der Fahrzeuge sowie etwaige Bußgeldzahlungen im üblichen Rahmen gelöst werden könne“, heißt es. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass dies nicht der Fall ist, hatte VW am 22.September die Gewinnziele für das Jahr 2015 kassiert und bekannt gegeben, dass für die Aufarbeitung des Skandals, etwa für Rückrufe von Fahrzeugen, 6,5 Milliarden Euro zurückgelegt werden. Tags zuvor war der Kurs der im Dax notierte VW-Aktie um fast 20 Prozent abgestürzt, der Autokonzern verlor an der Börse zwölf Milliarden Euro an Wert. Zwei Tage später trat der damalige Vorstandschef Martin Winterkorn zurück.

          Winterkorn bekam erstmals eine Notiz über Unregelmäßigkeiten beim Abgasverhalten in seine Wochenendpost am 23.Mai 2014 gelegt. „Ob und inwieweit Herr Winterkorn von dieser Notiz damals Kenntnis genommen hat, ist nicht dokumentiert“, heißt es in der Mitteilung. VW berichtete weiter, dass einzelne Mitarbeiter das Thema Abgasprobleme in Amerika auch am Rande einer Besprechung am 27. Juli 2015 angesprochen haben. Neben Winterkorn sei auch der neue VW-Markenchef Herbert Diess dabei gewesen. Es sei aber nicht geklärt, „ob zwischen den Beteiligten bereits zu diesem Zeitpunkt ein Verständnis davon gegeben war, dass die Softwareveränderung gegen amerikanische Umweltvorschriften verstieß“, heißt es in der Mitteilung. „Herr Winterkorn forderte eine weitere Aufklärung des Sachverhalts.“ VW hat sich zu der überraschenden Mitteilung entschlossen, um zu vermeiden, „dass nunmehr auszugsweise über die Klageerwiderung berichtet wird“.

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