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Auto-Neuzulassungen : „Die Talfahrt des Pkw-Marktes hat sich verschärft“

Neuwagen von Volkswagen werden auf einem Güterzug transportiert. Bild: dpa

Wegen des Chipmangels laufen aktuell deutlich weniger Fahrzeuge vom Band. Die Neuzulassungen sanken im Oktober um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Beim Anteil der Elektrofahrzeuge gab es jedoch einen Rekord.

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          Weil die Lieferfristen für Neuwagen immer länger werden, ältere Leasingfahrzeuge nicht durch Neuwagen ersetzt werden und daher auch nicht auf den Gebrauchtwagenmarkt kommen, haben die Preise für gebrauchte Autos im Oktober einen Sprung nach oben gemacht. Nach Angaben von Autoscout24 lag nach dem hauseigenen Preisindex der durchschnittliche Gebrauchtwagenpreis im Oktober bei 24.502 Euro, gegenüber 23.728 Euro im September dieses Jahres und Werten um 20.800 Euro jeweils im Oktober 2019 und 2020.

          Tobias Piller
          Redakteur in der Wirtschaft.

          So wird spürbar, dass wegen der langen Lieferfristen die Verkäufer von Neuwagen und damit auch diejenigen für Gebrauchtwagen keinen Rabatt mehr geben. Kaufinteressenten finden sich einem schrumpfenden Angebot gegenüber. Die Auswertung von Autoscout24, nach eigenen Angaben mit 1,5 Millionen Fahrzeuginseraten und 43.000 Händlerkunden Europas größter Marktplatz für Gebrauchtwagen im Internet, ist bei besonders gefragten Modellen das Angebot deutlich geschrumpft: Für den Volkswagen Golf wurden im Oktober 2019 noch mehr als 33000 Angebote gezählt, im Oktober 2020 nur noch gut 23.000.

          Bis Januar 2020 war das Angebot wieder auf mehr als 25.000 Golfs gewachsen, derzeit sind es weniger als 21.000. Für den Audi A6 wurden im Oktober 2019 noch mehr als 10.000 Angebote gezählt, im Oktober 2020 wenig mehr als 9000, nun sind es nur noch 6447. Hier wirkt sich offenbar besonders stark aus, dass A6-Fahrer mit Leasingvertrag ihr altes Auto weiterfahren, bis ein neues ausgeliefert wird. Damit fehlt dann der sogenannte „Rückläufer“ auf dem Gebrauchtwagenmarkt.

          Preise für Gebrauchtwagen steigen

          Die Gebrauchtwagenpreise entwickelten sich nach Angaben von Autoscout24 in den verschiedenen Preissegmenten sehr unterschiedlich. Nur in der Oberklasse sei der Durchschnittspreis mit 56.853 Euro in etwa stabil geblieben. Bei Kompaktautos gab es die höchste Preissteigerung gegenüber dem Vorjahr, um 4,5 Prozent auf durchschnittlich 19.353 Euro. Mittelklasseautos und Kleinwagen verteuerten sich um durchschnittlich 4 Prozent. Damit wird spürbar, dass die Autohersteller ihre Produktion auf die hochwertigen Autos mit hohen Preisen und Margen konzentrieren und die knappen Chips in diese Modelle einbauen, während die Käufer von kleinen und kompakten Modellen immer länger auf ihr Auto warten müssen.

          Diese Marktentwicklung spiegelt sich auch in den Daten für die Zulassungen von Neuwagen wieder. Die sinken selbst im Vergleich mit dem Krisenjahr 2020 immer weiter in die Tiefe. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes wurden im Oktober 2021 nur rund 179.000 Neuwagen zugelassen, 35 Prozent weniger als im Vorjahr. „Die Talfahrt des deutschen Pkw-Marktes hat sich im Oktober weiter verschärft“, hieß es vom Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller. Bei Volkswagen ergab sich ein Rückgang von 40 Prozent. Die Zahl der Audi-Zulassungen sank gegenüber Oktober 2020 um fast 58 Prozent. Bei BMW waren die Verluste mit 16 Prozent geringer, bei Mercedes betrugen sie immer noch 45 Prozent.

          Offenbar auch wegen einer Umverteilung von Chips und Aggregaten im Konzern mussten die Volumenhersteller im VW-Konzern, Seat und Skoda, Rückgänge von fast 49 und 55 Prozent verkraften. Auch im Stellantis-Konzern ist die Zuteilung der Chips offenbar sehr unterschiedlich: Die gut laufende Marke Jeep machte ein Plus von 4,5 Prozent, die marginale Premiummarke DS kam auf ein Plus bei den Zulassungszahlen von 1,1 Prozent. Peugeot verlor nur 15,7 Prozent, Fiat 19,9 Prozent, Opel 27,6 Prozent, während die Billigmarke Citroen einen Rückgang von 37,8 Prozent zu verkraften hat.

          Einen Lichtblick in der Zulassungsstatistik bieten die Daten für die Zulassungen von Elektroautos. Die nahmen im Oktober im Jahresvergleich um 13 Prozent auf 54.400 zu. Weil die Auslieferungen von Verbrennerautos stocken, stellten Elektroautos im Oktober 30 Prozent aller Neuzulassungen.

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