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Seefahrt : Auf den Weltmeeren ist die Hölle los

Still ruhen die Schiffe: Stau vor dem Hafen von Los Angeles. Nur eines von vielen Problemen in der Schifffahrt. Bild: Imago

Piraterie, gestrandete Frachter und Matrosen voller Heimweh: Die Weltmeere sind rau und Corona hat die Situation verschlimmert. Verstopfte Häfen scheinen dabei fast schon das kleinste Übel zu sein.

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          Al Hudaydah, Jemen, im Oktober. Im Roten Meer vor der Küste Jemens verrottet das Tankschiff FSO Safer. Forscher warnen jetzt in einem „Nature“-Aufsatz, dass der Tanker 1,1 Millionen Fass leichtes Rohöl geladen hat. Das ist viermal so viel wie die Exxon Valdez, die am 24. März 1989 ein Riff rammte, wodurch die Schiffshülle aufriss und 280.000 Fass Öl ins Meer vor Alaskas strömten. 2100 Kilometer Küste wurden damals mit Ölschlick verseucht, 250.000 Vögel starben, dazu Otter, Seelöwen und Wale. Bis heute findet man in Alaska Überreste des Ölschlicks. Die Exxon-Valdez-Katastrophe wirkt wie ein mittleres Unglück im Vergleich zu einer möglichen Havarie des Tankschiffs FSO Safer. Das Schiff wurde von seiner Mannschaft verlassen. Seit 2015, als Huthi-Rebellen den Tanker in ihre Gewalt brachten, wurde es nicht mehr gewartet. Es hat nur eine Außenhülle, deren Verrottung augenscheinlich ist.

          Winand von Petersdorff-Campen
          Wirtschaftskorrespondent in Washington.
          Martin Gropp
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neben einem Leck ist nach Expertenurteil auch das Auseinanderbrechen oder eine Explosion möglich, wenn auftretende Gase sich entzünden. Im „Nature“-Aufsatz spielen Forscher von Harvard, Stanford, Berkeley und Heidelberg die möglichen Folgen einer Ölpest durch, die mit jedem Tag wahrscheinlicher wird. Rund neun Millionen Menschen könnten ihre Frischwasserversorgung verlieren, zwei Drittel der Hilfsgüter aus aller Welt für die durch Bürgerkrieg leidende jemenitische Bevölkerung kommen über zwei Häfen, die durch eine Ölpest schwer zugänglich wären. Die Hälfte aller Jemeniten sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Land führt 90 Prozent seines Treibstoffes und seiner Lebensmittel ein. Die Autoren schätzen, dass eine Ölpest die Lebensmittelversorgung für viele Millionen Menschen gefährden würde.

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