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Inhaftierter Audi-Manager : Das ist Stadlers wichtigster Mann

Rupert Stadler auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) im September 2017 in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Seit Montag sitzt der beurlaubte Audi-Boss in Untersuchungshaft. Dort rausholen soll ihn ein Wirtschaftsstrafrechtler. Der könnte sich eine bewährte Strategie zurechtlegen.

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          Am Montagmorgen saß Rupert Stadler in Ingolstadt auf gepackten Koffern. Sein Ziel: die Aufsichtsratssitzung der Volkswagen AG in Wolfsburg. Bekanntlich trat der Audi-Manager seine Dienstreise nicht an. Ermittler der Staatsanwaltschaft München II nahmen Stadler in dessen Privathaus fest und überführten ihn in die Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen, eines der modernsten Gefängnisse im Freistaat. Die Untersuchungshaft wegen Verdunkelungsgefahr – Stadler soll womöglich in der Diesel-Affäre die Beeinflussung von Zeugen oder Mitbeschuldigten geplant haben – will der frühere Audi-Chef tunlichst hinter sich lassen.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Aus der Untersuchungshaft soll ihn nun Thilo Pfordte holen, Wirtschaftsstrafrechtler der Kanzlei Brehm & v. Moers aus München. Stadler hatte den Strafverteidiger schon im Frühjahr 2017 mandatiert. Das war unmittelbar nach der Razzia der Staatsanwälte in der Audi-Zentrale in Ingolstadt und Neckarsulm, die für den Automobilhersteller zur absoluten Unzeit kam: am Morgen der Bilanzpressekonferenz.

          Dass sich Stadler in räumlicher Nähe nach einem Strafverteidiger umschaut, liegt auf der Hand. Neben Pfordtes Erfahrung aus mehr als 30 Jahren vor deutschen Gerichten dürfte aber auch eine Rolle gespielt haben, dass sich zuvor schon viele Beschuldigte die Dienste bekannter Individual-Strafverteidiger gesichert hatten. Und ein Strafverteidiger kann in einem Verfahren nicht die Interessen von zwei Beschuldigten vertreten: Für Anwälte ist der Abgasskandal eine Goldgrube, insbesondere für Wirtschaftsstrafrechtler.

          Stadler hat Angaben gemacht

          Geld dürfte für den 60 Jahre alten Rheinländer Pfordte eine untergeordnete Rolle spielen. Das Mandat, Stadler zu verteidigen, ist eine der reizvollsten Aufgaben in der Bundesrepublik. Kurz nach Bekanntwerden der Vorwürfe in Amerika im Herbst 2015 soll sich der Leitende Staatsanwalt Dominik Kieninger eingehend mit der Verwicklung von Audi beschäftigt haben. Es folgten besagte Razzia, Verhaftung des Audi-Motorenentwicklers Giovanni P. und des früheren Porsche-Vorstands Wolfgang Hatz, der bis heute in Untersuchungshaft sitzt und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe bestreitet.

          Den Dienstag nutzte Pfordte, um sich in den umfangreichen Sachstand einzuarbeiten. Am Mittwoch dann stand er Stadler im Verhör bei. Die Vernehmung im Gefängnis Augsburg-Gablingen hat laut einer Sprecherin der Staatsanwaltschaft den ganzen Tag in Anspruch genommen, Stadler habe Angaben gemacht. Zum Inhalt äußerte sie sich nicht. Haftprüfung oder Haftbeschwerde habe er aber nicht eingelegt. Bislang seien keine weiteren Vernehmungen angesetzt, man gehe aber davon aus, dass es noch weitere Termine geben werde, sagte die Sprecherin am Donnerstag.

          Strafverteidiger Pfordte weiß, wie die Ankläger mit Giovanni P. umgegangen sind: Der Ingenieur gab den Kronzeugen – und konnte die Untersuchungshaft nach viereinhalb Monaten verlassen.

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