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Rückrufe stehen an : Audi-Chef: „Die Diesel-Krise ist noch nicht vorbei“

  • Aktualisiert am

Eine Abgas-Untersuchung am A4 Bild: dpa

In der Diesel-Affäre sagt selbst der Audi-Chef: Es können noch mehr Autos zurückgerufen werden. Unterdessen beschwert sich der Beauftragte der Bundesregierung über die Grenzwerte der EU.

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          Audi-Chef Rupert Stadler schließt im Diesel-Abgasskandal weitere Rückrufe nicht aus. „Die Diesel-Krise ist noch nicht vorbei“, sagte der Vorstandschef des Ingolstädter Autobauers der „Augsburger Allgemeinen“ (Samstag). Durch eine lückenlose Aufklärung stoße Audi immer noch auf Auffälligkeiten. Diese würden unverzüglich den Behörden gemeldet. „Neue Rückrufe sind nicht die Folge von Untätigkeit, sondern im Gegenteil das Ergebnis konsequenter Aufklärung“, sagte der Audi-Chef.

          Stadler forderte in der Debatte um Fahrverbote eine bundeseinheitliche Regelung: „Wir müssen verhindern, dass wir in Deutschland einen Flickenteppich an Regelungen bekommen, wo hier diese und dort jene Straße für bestimmte alte Diesel-Fahrzeuge gesperrt ist.“ Er plädiert zugleich für einen neuen Dieselgipfel von Bund und Kommunen: „Das wäre auch sinnvoll, um das Thema zu versachlichen.“

          Stadler ist umstritten, weil er in der Affäre um manipulierte Motorsoftware immer wieder belastet wird. Innerhalb des VW-Konzerns gehört Audi zu den verantwortlicheren Teilen. Jetzt lehnte Stadler abermals einen Rücktritt ab: „Ich bin nicht der Typ, der die Flinte ins Korn wirft“, sagte er dem Blatt. Bemerkenswert ist allerdings, dass Stadler jetzt von „Diesel-Krise“ spricht. Im VW-Konzern ist das Wort „Dieselthematik“ eigentlich beliebter.

          Das Bundesverkehrsministerium kritisierte die Aufklärungsarbeit der Autohersteller: „Es sollte nicht so ein, dass immer wieder erst durch Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamts Missstände bekannt werden“, sagte der parlamentarische Staatssekretär Steffen Bilger (CDU) der „Stuttgarter Zeitung“ und den Stuttgarter Nachrichten (Samstag). Vielmehr müssten die Hersteller von sich aus offenlegen, wo noch Nachbesserungen erforderlich sind.

          VOLKSWAGEN VZ

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          Bundesregierung rechnet nicht mit schnellen Erfolgen

          In dieser Thematik geht es auch darum, dass die Luft an einigen Messstationen in Deutschland weniger Stickoxide (NOx) enthalten soll, denn Deutschland wird wegen Überschreitung der Grenzwerte von der EU-Kommission verklagt. Der Sonderbeauftragte der Bundesregierung, Siegfried Balleis, rechnet allerdings nicht mit kurzfristigen Erfolgen. Die Maßnahmen des von ihm betreuten „Sonderprogramms Saubere Luft 2017-2020“ würden wahrscheinlich frühestens 2020 greifen, sagte er der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg. Dann erwartet er aber erste greifbare Erfolge bei der Schadstoff-Senkung.

          Besonders schwierig sei die Lage in stark belasteten Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt. Dort wird es nach Balleis’ Einschätzung auf die Schnelle „keine durchschlagenden Erfolge“ geben. Auch auf mittlere Sicht werde es nicht gelingen, den Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft zu unterschreiten – dazu sei die Verkehrsdichte auf den am stärksten belasteten Straßen zu hoch.

          Allerdings ist die Luft in Deutschland in den vergangenen Jahren schon ohne das Sonderprogramm immer besser geworden. Derzeit sind zudem Dieselmotoren in der Entwicklung, die zwar teuer sind, aber den Stickoxid-Ausstoß auf Bruchteile des alten Wertes reduzieren. Balleis sieht den von den EU festgelegten Grenzwert für Stickoxid-Belastungen (NOx) von 40 Mikrogramm kritisch. An vielen Arbeitsplätzen sei die NOx-Belastung um ein Vielfaches höher. Die Festlegung der Schwelle hält Balleis zudem für intransparent. „Das Zustandekommen des Grenzwerts hat bisher keiner kritisch überprüft“, betonte er. Auch die von EU-Umweltkommissar Karmenu Vella genannte Zahl von 400.000 Menschen, die jährlich wegen zu hoher Luftschadstoffbelastung sterben sollen, hält der Sonderkoordinator für unseriös. Dafür gebe es keine stichhaltigen Belege, sagte Balleis unter Berufung auf die Deutsche Gesellschaft für Umweltmedizin.

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