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Abgasskandal : Volkswagen bricht jetzt doch der Absatz weg

In Reih und Glied: VWs warten vor einem Autohaus auf Käufer Bild: dpa

Die Nachrichten um die Manipulations-Software in Dieselmotoren ließ die VW-Kunden noch kalt. Doch die gefälschten CO2-Werte verschrecken nun viele Käufer. Betroffen sind 130 Fahrzeugvarianten.

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          Volkswagen leidet nun doch unter deutlich sinkenden Verkäufen. Ein Händler sagte der F.A.Z., „das Geschäft ist mausetot. Und das ist nicht nur bei uns so.“ Auslöser ist allerdings nicht der seit September schwelende Skandal um manipulierende Software in nicht mehr verkauften Dieselmotoren. Nach Bekanntwerden der Manipulationen hatten die Kunden zunächst weiter zugegriffen. Das ist seit Bekanntwerden falsch angegebener Verbrauchs- und CO2-Werte vor drei Wochen anders. In der Folge bleiben offenbar viele Kunden den Autohäusern fern.

          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Am 3.November hatte Volkswagen mitgeteilt: „Es ist bei der Bestimmung des CO2-Wertes für die Typzulassung von Fahrzeugen zu Unregelmäßigkeiten gekommen. Rund 800.000 Fahrzeuge könnten betroffen sein. Die wirtschaftlichen Risiken werden in einer ersten Schätzung auf rund zwei Milliarden Euro beziffert.“

          Besonders besorgniserregend ist eine Teilmenge daraus, die Volkswagen am 13.November beziffert hat. „Für das Modelljahr 2016 sind konzernweit rund 430.000 Fahrzeuge betroffen.“ Die meisten dieser Autos sind noch nicht ausgeliefert, stehen im Handel und erweisen sich derzeit als nahezu unverkäuflich. Weil es sich um Modelle im Kern der Produktpalette handelt, werden die Auswirkungen intern als „gravierend“ bezeichnet. Wie gravierend, bleibt ungewiss. Die eigens für die Marke Volkswagen zuständige Pressestelle beantwortet Anfragen nicht. Die stets ansprechbare Stelle des Konzerns möchte keine Auskunft zum Umfang geben. An diesem Samstag ist Volkswagen dem Bericht entgegen getreten: „Wir stehen im engen und transparenten Austausch mit allen Handelspartnern. Die Rückmeldungen, die uns aus vielen Gesprächen mit Vertretern unterschiedlicher Handelsbetriebe im gesamten Bundesgebiet erreichen, sowie die uns  vorliegenden Zahlen zeigen ein anderes Bild von der Situation im deutschen Handel."

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          Betroffen sind nach Informationen der F.A.Z. 130 Fahrzeugvarianten. Die Zahl ergibt sich aus dem Modell, der Motorisierung und der Art des Getriebes. Es handelt sich um die Baureihen Audi A1, Seat Ibiza, Seat Toledo, Seat Leon, Škoda Fabia, Škoda Rapid, Škoda Yeti, Skoda Octavia, Skoda Superb, VW Polo, VW Tiguan, VW Jetta, VW Scirocco, VW Golf Cabriolet, VW Golf, VW Touran, VW CC, VW Passat, VW Caddy und VW T6. Welcher Typ genau betroffen ist und welcher nicht, sollte der Händler beantworten können. Doch zu dieser Frage kommt es oft gar nicht mehr. Obgleich den meisten Interessenten klar sein müsste, dass die Fahrzeuge verkehrssicher sind und die falschen Angaben auf den tatsächlichen Verbrauch im Alltagsbetrieb kaum oder keine Auswirkung haben, unterschreiben sie keine Aufträge.

          Volkswagen hat dem Kraftfahrt-Bundesamt Vorschläge unterbreitet, wie die CO2-Werte neu und korrekt festgelegt werden können. Die Entscheidung steht aus. Eine Sprecherin der Behörde sagte auf Anfrage: „Wir prüfen und können noch nicht sagen, wie lang unsere Prüfung dauern wird.“ Bis dahin wird sich der Verkauf von VW-Fahrzeugen wohl kaum beleben.

          Bemerkenswert ist indes, dass die potentielle Kundschaft offenbar nicht zu Wettbewerbern überläuft. Stichpunktartige Umfragen bei Ford, Opel oder Renault fördern nahezu gleichlautende Antworten zutage. Der Anteil an verkauften Dieseln sei stabil und seit Ausbruch des Skandals quasi unverändert. Und leider stürmten keine frustrierten VW-Kunden in die eigenen Händlerbetriebe. Das mag an den aggressiven Konditionen liegen, die VW derzeit offeriert. Oder an nahezu unerschütterlichem Markenvertrauen. Noch scheinen jene, die mit dem Kauf eines Volkswagens liebäugeln und nicht sofort ein neues Auto brauchen, ihre Entscheidung aufzuschieben und auf eine Lösung zu warten. Doch was geschieht in den Fabriken? Können die produzierten Autos nur noch auf Halde geschoben werden, wird in Wolfsburg vermutlich bald das Gespenst der Kurzarbeit umgehen.

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