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Abgasskandal : Staranwalt will für Tausende VW-Kunden in Europa klagen

  • Aktualisiert am

Volkswagen muss mit einer Sammelklage von Kunden in Europa rechnen. Bild: dpa

Nach dem Ablauf eines Ultimatums für eine gütliche Einigung bereitet Anwalt Michael Hausfeld eine Klage gegen Volkswagen vor. Er will für Tausende Kunden in Europa eine Entschädigung wegen der Abgasmanipulation erstreiten.

          Nach Verstreichen einer 14-tägigen Frist für Gespräche über eine gütliche Einigung steuert Volkswagen laut einem Zeitungsbericht auf einen kostspieligen Rechtsstreit mit dem amerikanischen Staranwalt Michael Hausfeld zu. VW habe die Chance vertan, „eine rasche Einigung mit vielen Kunden außerhalb der Gerichte zu erzielen“, sagte der Statthalter von Hausfelds Kanzlei in Deutschland, Christopher Rother, der „Süddeutschen Zeitung“.

          Der Konzern hatte demnach auf ein in der Nacht zum Freitag ausgelaufenes Ultimatum nicht reagiert. Damit rücke eine Konfrontation mit der auf Sammelklagen spezialisierten Washingtoner Kanzlei näher, schreibt die „SZ“.

          Hausfelds Kanzlei plane im Namen europäischer VW-Kunden bereits juristische Schritte. „Für die Vorbereitung der ersten Klagen werden wir ein halbes Jahr brauchen. Im Oktober oder November könnte es so weit sein“, sagte Rother der Zeitung.

          Bis zu zehn Prozent des Kaufpreises

          Die Kanzlei wolle „Schadenersatz direkt bei VW geltend machen“. Der Anspruch der Kunden könne je Fahrzeug bei fünf bis zehn Prozent des Kaufpreises liegen. Damit könnte es angesichts von mehr als zwei Millionen betroffenen Kunden allein in Deutschland insgesamt um Milliardenwerte gehen.

          Die Kanzlei Hausfeld vertritt nach eigenen Angaben hochkarätige Mandanten auf verschiedenen Gebieten, wie es in dem „SZ“-Bericht heißt. Dazu gehörten etwa Betreiber von VW-Flotten, die teilweise tausende von betroffenen Fahrzeugen im Bestand haben oder hatten. Zudem repräsentiere die Kanzlei nach eigenen Angaben tausende private VW-Besitzer. Sie wolle in den kommenden Wochen eine Registrierungskampagne im Internet starten, um in Europa weitere Mandanten im großen Stil zu gewinnen.

          Bislang ist VW nur in den Vereinigten Staaten bereit, Kunden eine Entschädigung von 1000 Dollar (880 Euro) zu zahlen. Deutsche Kunden sollen hingegen bei der Entschädigung leer ausgehen.

          In einem neuen Schreiben an VW-Chef Matthias Müller legt die Kanzlei Hausfeld nun noch mal nach: „Wir bedauern zutiefst, dass Sie sich entschieden haben,... die Diskussion nicht mit uns zu führen“, zitierte die „SZ“ aus dem Schreiben von Hausfeld und Rother, in dem diese auch weitere Informationen anforderten.

          Unter Konzernen gilt der Washingtoner Anwalt Hausfeld laut „SZ“ als ausgesprochen harter Gegner. Er hat sich auf Sammelklagen spezialisiert und sowohl die Zwangsarbeiter der Nazizeit, die Opfer einer Ölpest und Kläger gegen die Zigarettenindustrie vertreten und jeweils Milliardensummen für die Klienten erstritten.

          2,4 Millionen Fahrzeuge in Deutschland betroffen

          Volkswagen hatte im September nach US-Ermittlungen eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Software eingesetzt zu haben, die den Messwert bei Emissionstests künstlich drückt. In Deutschland sind rund 2,4 Millionen Fahrzeuge betroffen, in den USA fast 600.000.

          In den Vereinigten Staaten sieht sich der deutsche Autokonzern wegen der Affäre bereits mit hunderten Klagen in Amerika konfrontiert, darunter von Autobesitzern und Händlern. Auch das amerikanische Justizministerium hatte bereits im Januar im Auftrag der Umweltbehörde EPA gegen den Konzern geklagt.

          Volkswagen drohen damit Straf- und Schadenersatzzahlungen in zweistelliger Milliardenhöhe. Das Unternehmen strebt eine außergerichtliche Einigung mit den Klägern an, um die finanziellen Lasten möglichst weit zu begrenzen.

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