https://www.faz.net/-gqe-89d05

Abgasskandal : Bosch-Chef fordert Klarheit bei Abgastests

  • Aktualisiert am

Bosch-Chef Volkmar Denner will den Ruf des Diesels retten. Bild: dpa

Volkmar Denner fordert eine rasche Einigung über neue Regeln für Abgastests – auch um den Ruf des Diesels zu schützen. Beim aktuellen Strommix in Deutschland sei der weniger klimaschädlich als Elektroautos.

          2 Min.

          Bosch-Chef Volkmar Denner fordert eine schnelle Einigung auf neue Regelungen für Abgasmessungen bei Autos. „Wir müssen uns schnell mit Brüssel über den neuen, weltweit einheitlichen Testzyklus WLTP und die Real Driving Emissions, also die Emissionen im realen Fahrbetrieb einigen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Bis Ende dieses Jahres sollte das gelingen.“

          Nach dem Skandal um die Manipulation von Messwerten schädlicher Stickoxide bei Dieselfahrzeugen von Volkswagen ist die Diskussion um diese Tests erneut in Gang gekommen. Die Werte werden in der Regel auf Prüfständen ermittelt, die keine realen Fahrbedingungen abbilden. Auch ohne Manipulation kommen also Unterschiede zustande. Umweltverbände kritisieren dieses Vorgehen seit langem. Am kommenden Mittwoch sollen in Brüssel voraussichtlich erste Vorentscheidungen über neue Abgastests getroffen werden.

          Die Aufgabe für Zulieferer und Hersteller sei ganz klar, die derzeitige Differenz zwischen realen Emissionen und den Grenzwerten im Testzyklus zu verringern, sagte Denner. „Anspruchsvolle Grenzwerte für die Realemissionen forcieren die technische Weiterentwicklung, sie müssen aber technisch und wirtschaftlich erreichbar sein.“

          Effizienter als E-Autos

          Auch die Grundsätze für CO2-Regelungen von Autos für die Zeit nach 2020 gehören nach Meinung von Denner noch in diesem Jahr diskutiert. „Vorstellbar wäre, dass künftig die gesamte CO2-Emission sowohl vom Fahrzeug als auch vom Energieträger in die CO2-Bilanz einbezogen wird, also beispielsweise auch, wie der Treibstoff bzw. der Strom erzeugt wird“, sagte Denner. Der Diesel sei beim aktuellen deutschen Strommix CO2-effizienter als elektrisch angetriebene Autos. Ein Großteil der deutschen Stromversorgung kommt aus klimaschädlichen Kohlekraftwerken.

          Gleichzeitig warb Denner für eine Kampagne für Dieselmotoren: „Wir können nicht warten, bis die Verbraucher noch verunsicherter sind.“ Das Vertrauen könne vor allem mit Fakten wieder hergestellt werden. Aus diesem Grund befürwortet der Bosch-Chef auch die Einführung regelmäßiger und unabhängiger Kontrollmessungen auf Basis zertifizierter Messmethoden.

          Komponenten für VW-Motoren

          Bosch verkauft unter anderem Komponenten für Dieselfahrzeuge. Der Konzern hatte auch Bauteile für die Autos geliefert, in denen VW bei Abgastests geschummelt hat. Medienberichten zufolge hatte Bosch seinen Kunden Volkswagen schon 2007 gewarnt, dass der kommerzielle Einsatz der Software illegal wäre. Dazu lehnt der Konzern aber jede Stellungnahme ab.

          Bei Bosch argumentiert man, dass sauberere Diesel und Benziner notwendig sind, bis die Batterietechnologie für Elektroautos soweit ist, dass sie sich an breiter Front durchsetzt. In Bezug auf CO2-Emissionen und Partikelausstoß seien die Werte moderner Dieselmotoren inzwischen „hervorragend“. „Die aktuelle Herausforderung sind die Stickoxide, das müssen wir lösen.“

          Lösungen dafür gebe es. „Die Technik gilt es nun, in die Breite zu bringen und dazu auch kostengünstige Lösungen zu entwickeln.“ SCR-Katalysatoren, die den Stickoxid-Ausstoß verringern, verteuerten beispielsweise Fahrzeuge um mehrere hundert Euro. Er sei zuversichtlich, sagte Denner, dass es gelinge, beim Thema Stickoxide einen breiten Konsens unter den europäischen Herstellern und Zulieferern zu erzielen.

          „Wenn der Verbrenner, also Benzin- und Dieselfahrzeuge, jetzt zu Unrecht in Misskredit gerät, stellt das die deutsche und europäische Automobilindustrie vor immense Herausforderungen“, warnte Denner. Tausende Arbeitsplätze hingen an der Entwicklung und der Fertigung von Verbrennungsmotoren. Zu den möglichen wirtschaftlichen Folgen für Bosch selbst wollte Denner sich nicht im Detail äußern.

          Weitere Themen

          Anti-Diesel-Politik ohne Nutzen

          Fahrverbote in Rom : Anti-Diesel-Politik ohne Nutzen

          Während in Deutschland noch gestritten wird, macht die Bürgermeisterin von Rom Nägel mit Köpfen: Sie verhängt Fahrverbote für Diesel. Echte Umweltsünder dürfen dagegen weiter in die Stadt.

          DNA-Chips und Europa ohne Croissants Video-Seite öffnen

          Digitalkonferenz DLD : DNA-Chips und Europa ohne Croissants

          Das F.A.Z.-Digitec-Podcast-Team auf der Digitalkonferenz DLD in München: Alexander Armbruster und Carsten Knop sprechen über die Möglichkeiten von Quantencomputern, die Grenzen von Moore’s Law - und warum es irgendwann DNA-Chips geben muss.

          Topmeldungen

          Eine hochschwangere Frau fasst sich mit beiden Händen an ihren Bauch.

          Zukunft von Femtech : Von Frauen für Frauen

          Gründerinnen aus aller Welt mischen die Technikwelt mit Produkten und Dienstleistungen für die weibliche Gesundheit auf. Was ist davon zu halten? Auch die sogenannte Femtech ist vor einer altbekannten Diskussion nicht gefeit.
          Mietwohnungen sollen in Zukunft erschwinglicher werden.

          Entwicklung in den Städten : Neue Hoffnung für Mieter

          Es zeichnet sich ein Wandel ab: Der Zuzug in die Städte lässt nach. Die Mieten steigen kaum noch und die Löhne wachsen. Wer hätte das gedacht! Trotzdem profitieren längst nicht alle davon.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.