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Abgas-Probleme : Deutsche Hersteller rufen 630.000 Autos zurück

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Nicht nur Volkswagen, auch andere deutsche Autobauer haben ein Abgas-Problem. Eine Prüfung auf Druck des Verkehrsministeriums führt zu einem großen Rückruf. Um illegale Manipulationen geht es zwar nicht, doch Zweifel an der guten Absicht der Hersteller gibt es schon.

          Nach den Abgas-Nachmessungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) rufen deutsche Autohersteller rund 630000 Fahrzeuge zurück. Dies gab am Freitag Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekannt. Davon betroffen sind in Europa Autos von Audi, Mercedes, Opel, Porsche und Volkswagen. Es handele sich ausschließlich um Autos, die ihre Zulassung in Deutschland erhalten hätten, sagte Dobrindt. Fahrzeuge mit einer „Abschalteinrichtung wie bei VW“ seien bei den Untersuchungen nicht identifiziert worden.

          Volkswagen hatte im September vergangenen Jahres zugegeben eine illegale Software einzusetzen, die Werte für den Ausstoß von Stickoxiden im Testbetrieb künstlich drückt, während die Autos auf der Straße deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen. Dobrindt hatte daraufhin Tests des KBA angeordnet. Die Fahrzeuge seien sowohl auf dem Rollenprüfstand – also quasi unter Laborbedingungen – getestet worden als auch unter realen Bedingungen auf der Straße, teilte Dobrindt mit. Für die Untersuchung wurden bei 53 Modellen 56 Messungen durchgeführt.

          Umstrittene „Thermofenster“: Filter arbeiten nur bei bestimmten Außentemperaturen

          Die Ergebnisse zeigten eine große Bandbreite, sagte Dobrindt. Es gebe drei Kategorien: Erstens Fahrzeuge, die ein unauffälliges Verhalten zeigten oder bei denen die Hersteller auffälliges Verhalten plausibel erklären konnten. In diese erste Kategorie fällt etwa der Autobauer BMW, dessen Autos nach Angaben des KBA keinerlei Besonderheiten zeigten. In die zweite Gruppe gehören Autos mit auffällig hohen Stickoxid-Werten, die technisch nicht ausreichend erklärbar sind. Darunter fallen Fahrzeuge, die „Thermofenster“ nutzen – eine Steuerung, die bei niedrigen Außentemperaturen die Abgasreinigung herunterfährt, damit der Motor keinen Schaden nimmt. Dies ist nach EU-Richtlinien legal, wurden aber laut Dobrindt überzogen genutzt. Von dieser Praxis betroffen sind 22 Modelle von Herstellern wie VW, Audi, Mercedes, Opel, aber auch ausländischen Autobauern wie Renault. In der dritten Kategorie sind ausschließlich Fahrzeuge von VW mit den Dieselmotoren der Generation EA 189. Bei diesen wurde die schon bekannte unzulässige Abschalteinrichtung gefunden.

          Aufgrund der Resultate sollen nun 247.000 Autos von Mercedes-Benz zurückgerufen werden, unter anderem die A-Klasse, B-Klasse und die V-Klasse. In die Werkstatt werden außerdem 32.000 Porsche Macans gerufen, 194.000 Volkswagen der Modelle Amarok und Crafter, 66.000 Audi-Fahrzeuge (Q5, A6, A8) und 90.000 Opel (Zafira, Insignia, Cascada). In die Werkstätten werden nicht nur Modelle gerufen, die von den Kontrolleuren bemängelt wurden, sondern auch baugleiche Autos, die nicht Teil der Prüfungen waren. Die meisten der Fahrzeuge sollen noch im Sommer umgerüstet werden. Für Wagen ausländischer Hersteller und für Autos deutscher Konzerne, deren Typenzulassung nicht vom KBA stammt, kann die Behörde nach eigenen Angaben keine entsprechende Aktion fordern. Es würden aber Gespräche mit den jeweils zuständigen Zulassungsbehörden in anderen europäischen Ländern geführt.

          Bosch gab Behörde Hinweis auf Fiat

          Im Zuge der Untersuchung wandte sich Dobrindt zufolge der Automobilzulieferer Bosch an das KBA mit einem Hinweis auf ein fragwürdiges „Abgasminderungssystem“ bei Fiat. Hierzu soll es nun weitere Prüfungen geben. „Bosch kooperiert in vollem Umfang mit den Behörden und beantwortet Anfragen“, teilte das Unternehmen mit, wollte jedoch nicht zum konkreten Fall Stellung nehmen. Dass die neue Untersuchung aufgrund des Verdachts bei Fiat auch auf andere Hersteller ausgeweitet wird, ist bisher nicht geplant. Der Autohersteller BMW freute sich natürlich nicht, zu den Verdächtigen zu gehören. Daimler teilte mit, dass die Abweichungen von den Grenzwerten – wie in anderen Untersuchungen auch – technisch plausibel erklärbar seien.

          Ein Fazit des Verkehrsministeriums ist, dass die Vorschriften der EU in Sachen „Thermofenster“ zu unbestimmt sind. „Das bedeutet eigentlich, dass der Hersteller mit dem schlechtesten Motor am meisten Schadstoff ausstoßen kann“, sagte Dobrindt. Deshalb solle nun auf europäischer Ebene auf eine Präzisierung hingewirkt werden. So solle künftig der Stand der Technik Maßstab sein. Die Typgenehmigung des KBA soll außerdem verschärft werden. Die Hersteller müssen künftig erklären, ob und warum sie das „Thermofenster“ nutzen und dies ausführlich begründen. Das KBA werde dann weitere Tests vornehmen.

          SPD, Grüne und Umweltschützer attackierten Autobranche und Regierung und kritisierten vor allem die Thermofenster. „Es ist unglaublich, dass fast alle deutschen Hersteller bei der Auslegung der europäischen Vorgaben für die Abgasreinigung getrickst und getäuscht haben“, sagte der SPD-Verkehrspolitiker Sören Bartol. Matthias Wissmann, Präsident des Verband der Automobilindustrie, sagte hingegen, dass die Ergebnisse zeigten, dass alle anderen deutschen Hersteller die für die Typgenehmigung vorgegebenen Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten. Der verkehrspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Ulrich Lange, lobte die „gründliche und schonungslose Prüfung“. Diese habe aber auch gezeigt, dass es offenbar schwerwiegende Unklarheiten im Regelungswerk der EU gebe. Diese sei daher nun gefordert, die Regelungen zu Abschalteinrichtungen unmissverständlich zu formulieren. „Es darf keine Umgehung der strengen Abgaswerte mehr geben!“

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