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5,6 Milliarden : Bahn fährt Rekordverlust ein

Infolge der Pandemie fahren die Züge der Deutschen Bahn oftmals nur mit wenigen Passagieren. Bild: dpa

Wegen Corona sitzen in den Zügen derzeit nur wenige Passagiere. Doch das Rekordminus kann die Bahn nicht ausschließlich mit der Pandemie begründen. Auf Hilfen muss der Konzern indes weiter warten.

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          In der zweiten Corona-Welle fahren immer weniger Menschen mit den Zügen der Deutschen Bahn. Die Fernzüge sind zurzeit im Schnitt nur noch zu 20 Prozent ausgelastet, die Regionalzüge zu 55 bis 60 Prozent. Damit fällt die Bahn nach der kurzen Erholung im Sommer wieder stark zurück. Ihre wirtschaftliche Lage verschärft sich zunehmend: Der bundeseigene Konzern steuert dieses Jahr auf einen Rekordverlust von 5,6 Milliarden Euro zu. Das geht aus den Unterlagen für die Aufsichtsratssitzung am 9. Dezember hervor.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Zum Halbjahr hatte die Bahn ein Minus von 3,7 Milliarden Euro ausgewiesen. In der mittelfristigen Finanzplanung kalkuliert sie jetzt in den nächsten fünf Jahren mit einem Verlust von bis zu 11 Milliarden Euro. Im Januar und Februar hatte die Bahn noch ein Rekordplus bei Fahrgästen und Ergebnis erreicht.

          Um die Verluste auszugleichen, hat die Bundesregierung der Bahn im Konjunkturpaket vom Juni eine Aufstockung des Eigenkapitals um 5 Milliarden Euro versprochen. Das Geld kann allerdings erst fließen, wenn die EU-Kommission zustimmt. Bahn-Chef Richard Lutz und Finanzvorstand Levin Holle, der im Februar aus dem Bundesfinanzministerium zur Bahn wechselte, hatten die Hoffnung geäußert, dass die Mittel in diesen Wochen freigegeben würden.

          Nun mehren sich aber die Zeichen aus Brüssel, dass mit einer raschen Entscheidung in der Beihilfenprüfung nicht zu rechnen ist und das Geld nicht bis Silvester fließen wird. Angeblich erwägt die Kommission, nur einen Teil der in Aussicht gestellten Hilfen zu genehmigen. Außerdem sollten sie an Auflagen geknüpft werden.

          Bahn-Konkurrenten kritisieren Bevorzugung des Staatskonzerns

          Gedankenfutter für die Kommission liefern auch die Bahn-Konkurrenten, die in den Zusagen eine unzulässige Bevorzugung des Staatskonzerns sehen. Die Schienenverbände Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) und Mofair kritisieren in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel, die geplanten Hilfen würden den Wettbewerb zusätzlich verzerren. Sie fordern, das Geld stattdessen „in wettbewerbsneutrale Hilfen wie Trassenpreissenkungen zu leiten“. Sonst sei die Angebotsvielfalt auf der Schiene gefährdet.

          Auch die nicht zum Bund gehörenden Bahnunternehmen seien „systemrelevant“, schließlich hielten sie mehr als 50 Prozent der Marktanteile im Güterverkehr und etwa 40 Prozent im Personennahverkehr. Es müsse deutlich unterschieden werden, welche Konzernverluste Folge der Pandemie seien und welche die Folge von Managementfehlern.

          Tatsächlich kann die Bahn das Rekordminus nicht ausschließlich mit der Pandemie begründen. Zwar schlagen die Umsatzrückgänge wegen Corona im Fern-, Regional- und Güterverkehr in Anbetracht der hohen Fixkosten fast eins zu eins auf das Konzernergebnis durch. Hinzu kommt eine hohe Sonderabschreibung bei der Tochtergesellschaft DB Arriva, in der das Auslandsgeschäft im Nahverkehr gebündelt ist, von mindestens 1,4 Milliarden Euro. Ferner muss die Bahn noch eine halbe Milliarde Euro Verlust aus einer weiteren Sonderabschreibung sowie Zinsen verdauen.

          DB Cargo rutscht weiter ins Minus

          Immer mehr ins Minus rutscht die seit Jahren schwächelnde Güterbahn DB Cargo. Dort war schon zur Jahresmitte der für 2020 geplante Verlust von 350 Millionen Euro erreicht; die Negativentwicklung hat sich fortgesetzt. Einen unerwartet positiven Ergebnisbeitrag liefert die Logistiksparte DB Schenker, die in der Corona-Krise vor allem von höheren Luftfrachtraten profitiert. Dies kann die Entwicklung in den anderen Sparten aber nicht kompensieren.

          Obwohl Brüssel (noch) keine Zusage für die Staatshilfen gegeben hat, muss die Bahn die Eigenkapitalspritze noch nicht abschreiben. Zwar würde der Bundesfinanzminister das Geld lieber noch dieses Jahr auszahlen, als die ohnehin angespannte Etatplanung 2021 damit zu belasten. Indes enthält der Haushaltsentwurf von Olaf Scholz für die Bahn einen Posten von 7,125 Milliarden Euro.

          Neben der Eigenkapitalspritze von 5 Milliarden ist darin jeweils 1 Milliarde Euro enthalten, die der Bund der Bahn schon im Klimapaket vom September 2019 zugesagt hatte. Auch hier ist der Betrag für das Jahr 2020 wegen der fehlenden Freigabe aus Brüssel noch nicht geflossen. Außerdem sind die Haushälter, wie aus ihren Kreisen zu hören ist, nun bereit, die schon ausgeschöpfte Verschuldungsgrenze der Bahn von gut 25 Milliarden Euro jetzt auf 33 Milliarden Euro zu erhöhen.

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