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1000 Dollar für VW-Kunden : Gibt es bald Fahrverbote für Volkswagen in Amerika?

  • Aktualisiert am

Los Angeles Auto Show unter schwierigen Vorzeichen für VW Bild: AFP

Volkswagen versucht im Abgasskandal seine Kunden in Amerika zu besänftigen und verteilt 1000-Dollar-Gutscheine. Doch die Umweltbehörden stellt das mitnichten zufrieden. Im Gegenteil: Es drohen „drakonische Strafen“ bis hin zu Fahrverboten.

          In den Vereinigten Staaten haben nach Angaben von Volkswagen 120.000 Kunden die von dem Konzern im Zuge des Abgasskandals angebotenen Einkaufsgutscheine angenommen. Eine Teilnahme an dem Programm bedeute nicht, dass die Kunden auf ihr Klagerecht verzichten müssten, teilte Volkswagen of America am Mittwoch mit. Das Unternehmen hatte als Zeichen der Wiedergutmachung seinen Kunden in Amerika ein Paket angeboten, das Gutscheine im Wert von 1000 Dollar enthält. Anwälte sammeln derzeit Munition für Schadensersatzklagen.

          Derweil drohen dem VW-Konzern heftige Strafen in Amerika. Bald läuft im Zusammenhang mit dem Abgas-Skadal das Ultimatum der kalifornischen Umweltbehörde CARB ab - das erhöht den Druck auf Volkswagen. „Wenn sie keinen Plan vorlegen, der für uns und die EPA akzeptabel ist, dann stehen uns Strafen zur Verfügung - es geht nicht ewig so weiter, es gibt eine Deadline“, sagte CARB-Chefin Mary Nichols der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings werde man den Wolfsburgern noch etwas Zeit geben.

          Am Freitag läuft für VW eine erste Frist aus, innerhalb derer der deutsche Autobauer den amerikanischen Regulierern Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500.000 Diesel-Fahrzeugen unterbreiten muss, in denen die Schummel-Software („Defeat Device“) zur Manipulation von Emissionstests in den Vereinigten Staaten installiert wurde. Die Behörden haben dann 20 Geschäftstage Zeit, den Plan zu prüfen. „Danach könnten wir potenziell anfangen, Strafen zu verhängen“, so Nichols. Es gehe allerdings nicht darum, VW mit Strafen zu überziehen, sondern eine Lösung zu finden.

          VW-Amerika-Chef Michael Horn erhielt derweil auf der  Los Angeles Auto Show am Mittwoch einen kühlen Empfang. „Das mit dem Applaus werden wir nochmal üben müssen“, sagte er zur Begrüßung. Horn, der von zahlreichen Journalisten bedrängt wurde, entschuldigte sich abermals und erklärte: „Nichts ist für mich persönlich wichtiger als die Zufriedenheit der Kunden und es wieder gut zu machen für alle, die über die Jahre Vertrauen in Volkswagen hatten.“ Horn bestätigte, dass VW-Vertreter sich am Freitag zu Gesprächen mit den amerikanischen Behörden EPA und CARB treffen werden, wollte aber noch keine Details zum Rückrufplan verraten. „Es ist zu früh, und ich würde großen Ärger bekommen, wenn ich heute etwas dazu sage.“

          Die betroffenen Autos könnten sogar aus dem Verkehr gezogen werden

          CARB-Chefin Nichols übte derweil harsche Kritik am bisherigen Krisenmanagement des Unternehmens: „Am Anfang haben sie abgestritten, dass es überhaupt ein Problem gibt.“ Dann habe der Konzern zunächst Anwälte angeheuert und Pressemitteilungen verschickt, anstatt an einer Lösung zu arbeiten. „Sie waren offenbar mehr um ihren Aktienkurs und möglicherweise ihre Kunden besorgt, als um die Umweltschäden, die sie anrichten“, sagte die Vorsitzende der Institution, die im September gemeinsam mit der amerikanischen Umweltbehörde EPA die Affäre ins Rollen gebracht hatte.

          Sollte sich VW bei einem Rückruf nicht an die Vereinbarungen halten, gäbe es die Möglichkeit, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen, sagte Nichols. Bei der jährlichen Erneuerung der Registrierung würde dann die Fahrerlaubnis verweigert. „Dies sind drakonische Strafen, und es ist überflüssig zu sagen, dass wir nicht hoffen, sie verhängen zu müssen.“

          Doch die exzessive Luftverpestung durch die Fahrzeuge müsse gestoppt werden. „Wir warten noch immer darauf, wie das gelöst werden kann.“ Ein großes Problem beim Rückruf sei, so Nichols, dass Fahrer möglicherweise überhaupt kein Interesse daran hätten. Denn der Ausbau der Schummel-Software, die VW seit 2009 in diversen Diesel-Fahrzeugen installierte, ginge zu Lasten von Leistung und Spritverbrauch. „Wenn sich herumspricht, dass die Reparatur die Autos weniger spritzig fahren lässt und dadurch mehr Sprit bezahlt werden muss [...], werden Leute sich dagegen entscheiden.“

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