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Auswertung von Steuer-CD : CDU-Schatzmeister hortete Geld in Briefkastenfirma

  • Aktualisiert am

Helmut Linssen Bild: AP

Der CDU-Schatzmeister und frühere NRW-Finanzminister, Helmut Linssen, hat laut einem Medienbericht jahrelang Geld in einer Briefkastenfirma verborgen. Das soll bei der Auswertung einer Steuer-CD herausgekommen sein.

          Der Bundesschatzmeister der CDU hat laut einem Medienbericht jahrelang Geld in einer Briefkastenfirma in Mittelamerika verborgen. Im August 1997 zahlte er demnach insgesamt 829.322 Mark bei der Bank HSBC Trinkaus&Burkhardt International S.A. in Luxemburg ein. Das zeigen Recherchen des Magazins Stern.

          Mithilfe der Bank packte er das Geld zuerst auf einen Trust mit dem Namen „Longdown Properties Corp.“, der auf den Bahamas registriert war. 2001 wurde die Briefkastenfirma auf den Bahamas geschlossen und in Panama wieder eröffnet.

          Linssen schloss sein Trinkaus-Konto Ende 2004. Wenige Monate später wurde er Mitglied im Kompetenzteam von Jürgen Rüttgers, des CDU-Spitzenkandidaten im Landtagswahlkampf. Die letzte Auszahlung, die Linssen in Luxemburg bar entgegen nahm, betrug 141.113 Euro, wie das Hamburger Magazin in seiner am Donnerstag erscheinenden Ausgabe berichtet. Anschließend wurde der Trust in Panama geschlossen.

          Die Daten von Linssens Konto, bei dem auch seine Frau und seine Tochter zeichnungsberechtigt waren, fanden sich auf der CD mit Daten der HSBC Trinkaus&Burkhardt International S.A., die das Land Nordrhein-Westfalen 2010 kaufte. Das Geschäft mit dem Datendieb wurde im Oktober 2011 öffentlich bekannt. Verantwortlich für den Ankauf war Norbert Walter-Borjans (SPD), Linssens Nachfolger als Finanzminister in NRW.

          „Oh Gott. Oh Gott, oh Gott. In grauer Vorzeit. Tja.“

          Als der Stern Helmut Linssen vergangenen Sonntag mit seiner Briefkastenfirma und seinem Konto in Luxemburg konfrontierte, sagte der CDU-Schatzmeister zunächst: „Ich weiß nicht, wovon Sie reden.“ Als der Reporter in dem Gespräch dann jene 829.322 Mark auf dem Konto in Luxemburg erwähnte, erwiderte Linssen: „Oh Gott. Oh Gott, oh Gott. In grauer Vorzeit. Tja.“

          Gegen Linssen lief auch ein Strafverfahren. Das wurde aber 2012 eingestellt. Linssen musste aufgrund der Verjährungsfrist nur seine Zinserträge für die Jahre 2001 bis 2005 nachweisen. In dieser Zeit hatte er mit seinem Geld im Ausland jedoch keinen Gewinn gemacht. „Ich bin aus dem Verfahren makellos rausgekommen“, sagte Helmut Linssen dem Stern am gestrigen Montag. Woher das Geld stammte, mit dem Linssen sein Konto in Luxemburg bei der Eröffnung 1997 aufgefüllt hat, konnten die Finanzbehörden laut dem Bericht nicht klären.

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