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Wie aus Müll Rohöl wird : Benzin aus Plastikbechern

Logo von Austrian Airlines am Flughafen Wien-Swechat Bild: AP

Aus Müll wie Trinkbechern wollen Austrian Airlines und eine österreichische Mineralölgesellschaft Rohöl gewinnen. Kann sich das Projekt überhaupt lohnen?

          1 Min.

          Eine Fluggesellschaft und ein Rohstoffkonzern gehen in Österreich gemeinsam außergewöhnliche Wege im Recycling und Umweltschutz. Die zur Lufthansa-Gruppe gehörenden Austrian Airlines und die Mineralölgesellschaft OMV sorgen dafür, dass aus den in Flugzeugen genutzten Einwegbechern Kraftstoffe werden.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Dazu sammeln die Flugbegleiter seit Januar die Trinkgefäße am Flughafen Wien-Schwechat ein, lassen sie reinigen, zerkleinern und an die nahegelegene OMV-Raffinerie liefern. Dort wird aus dem Plastik in einer „Re-Oil“ genannten Pilotanlage synthetisches Rohöl gewonnen.

          Wie ein OMV-Sprecher sagte, entsteht aus 180 Bechern, die ein Kilogramm wiegen, ein Liter Öl. Dieses könne in Schwechat zu jeder beliebigen Fraktion raffiniert werden, also etwa zu Benzin oder Diesel.

          Auch ließen sich wieder neue Kunststoffe produzieren – und zwar weitgehend rückstandsfrei: „Praktisch gewinnt man den Tropfen Öl, aus dem der Becher entstanden ist, wieder zurück.“ Das Besondere der Anlage sei, dass sie die bei der Kunststoffherstellung aufgespaltenen Kohlenwasserstoffe chemisch wieder zu Öl zusammensetze. Und das, anders als die Konkurrenzverfahren, ohne Rußbildung.

          Finanziell interessant ist die Aktion noch nicht. Bisher haben die Stewardessen und ihre Kollegen etwa eine Million Becher zusammengetragen. Daraus können 5000 Liter Öl werden, die beim gegenwärtigen Ölpreis einen Wert von 2360 Dollar haben. Noch arbeitet Re-Oil nicht kostendeckend, den Aufwand für das Projekt teilen sich OMV und Austrian; die Flugbegleiter helfen ehrenamtlich.

          Doch falls sich das Verfahren bewährt, will die OMV die Wiedergewinnung im industriellen Maßstab betreiben. In die Pilotanlage, die seit 2018 läuft, sind zunächst 10 Millionen Euro geflossen.

          Die OMV-Strategie sieht vor, bis 2025 rund 500 Millionen Euro in derlei „nachhaltige Technik“ zu investieren. Der größte Teil könnte in das Re-Oil-Verfahren fließen. „Bis dahin muss das nicht nur technisch funktionieren, sondern natürlich auch wirtschaftlich sein“, sagte der Sprecher.

          Aus nahezu allen Kunststoffen lasse sich synthetisches Öl gewinnen, das sogar reiner als der Ausgangsstoff sei. Die OMV habe sich verpflichtet, ihren Kohlendioxidausstoß zwischen 2010 und 2025 um 19 Prozent zu senken. Synthetisches Öl erzeuge in der Raffinerie 45 Prozent weniger Treibhausgase und nutze 20 Prozent weniger Energie als klassisches Öl.

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