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Australien hart getroffen : „Coronavirus könnte zerstörerischer sein als Weltfinanzkrise“

Ein Mann trägt vor dem Opernhaus in Sydney eine Atemschutzmaske. Bild: EPA

Der australische Ministerpräsident warnt vor den Folgen der Krankheit, während Konzernchefs Chancen wittern. Billiges Geld werde es nach wie vor geben.

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          Der australische Ministerpräsident Scott Morrison warnt, die Auswirkungen des Coronavirus könnten „möglicherweise größer sein als diejenigen der Weltfinanzkrise 2008“. Dank der Nachfrage Chinas konnte Australien selbst in jenen Jahren eine Rezession vermeiden. Nun aber droht Australiens Wirtschaft im ersten Quartal zu schrumpfen und, wenn sich das auch im zweiten Quartal fortsetzt, seine erste Rezession seit 28 Jahren zu durchlaufen. Morrison erklärte, die Regierung habe in guten Zeiten für solche gespart, wenn Geld dringend benötigt werde: „Diese Zeiten sind jetzt angebrochen.“

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Die Rohstoffriesen des Landes sehen in der Krise Chancen: „Ich bin mir nicht sicher, ob es nun zu Gelegenheiten kommen wird, aber wenn, dann sind wir jederzeit bereit zu handeln”, sagte Ken MacKenzie, der Verwaltungsratsvorsitzende des Marktführers BHP, mit Blick auf mögliche Zukäufe. Der Konzern hatte seine Bilanz in den vergangenen drei Jahren gestrafft und sitze nun auf „14 Milliarden Dollar Bargeld“, wie MacKenzie sagte.

          Vergebliche Beschwichtigung

          Am Dienstagmorgen verlor der australische Aktienmarkt weitere 3,8 Prozent, erholte sich aber, nachdem die Verringerung der Lohnsteuern in Amerika bekannt wurde. Kevin Hassett, der frühere Chef-Wirtschaftsberater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, hatte diesen Weg zuvor in Sydney als „eine sehr spürbare Erleichterung“ gelobt. „Wir werden sehr wahrscheinlich eine weltweite Rezession durchleben, aber sie wird nicht lange währen.“ Der Markt in Sydney hat seit seinem Allzeithoch am 20. Februar nun fast ein Viertel seines Wertes eingebüßt.

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          Morrison hatte zuvor vergeblich versucht, die Märkte zu beruhigen: „Das Virus ist ein Störfaktor für Gesundheit, kein Störfaktor für die Finanzmärkte“ umschrieb der Ministerpräsident die unterschiedlichen Ausgangslagen zwischen der globalen Finanzkrise 2008 und der heutigen Coronavirus-Krise auf dem Wirtschaftsgipfel des Australian Financial Review. Es ist eine der ganz wenigen Wirtschaftskonferenzen, die derzeit nicht abgesagt werden.

          Der frühere Schatzkanzler Australiens, Peter Costello, der heute den Zukunftsfonds des Landes mit einem Volumen von 168 Milliarden Dollar führt, ging mit den Notenbanken und ihrer Reaktionskraft hart ins Gericht: „2008 hatten wir einen Leitzins von gut sieben Prozent und kürzten ihn um vier Prozentpunkte. Heute hatten wir 0,75 Prozent und nehmen 25 Basispunkte zurück – das damals war ein Stimulus, die Bewegung heute aber ist keiner.“ Allerdings erwarte er aufgrund des globalen Niedrigzinses eine schnelle Erholung der Märkte, wenn die derzeitige Krise erst ausläuft: „Ist sie vorüber, werden wir immer noch billiges Geld haben. Vielleicht sogar billigeres als jemals zuvor.“

          Morrison erklärte in einem Sieben-Punkte-Programm, schnell und entschieden auf das Virus reagieren zu wollen, sich aber nicht zu strategischen Änderungen seiner Politik provozieren zu lassen. Es wird erwartet, dass die Regierung ihr Versprechen, das Land zurück zu einem Haushaltsüberschuss zu führen, nach den Großfeuern und dem Covid-19-Ausbruch nicht einhalten kann. Morrison bedrängte Konzerne gerade, die Wirtschaft dadurch zu stützen, Rechnungen ihrer Lieferanten sofort zu bezahlen und ihre Mitarbeiter unbedingt zu halten. Ähnlich wie bei Klimafragen betonte er mehrfach, Australien müssen sich auf nationale Folgen der Coronavirus-Krise fokussieren und könne nicht die Welt retten.

          Die Chefs der insbesondere für Australien so wichtigen Bodenschatzindustrie mahnten zur Ruhe: „Für uns ist es mehr oder weniger ein normales Geschäft“, sagte Elizabeth Gaines, die Vorstandsvorsitzende der Fortescue Metals Group, in Perth. „Die chinesischen Hochöfen arbeiten. Nach einer Erholung wird die Nachfrage in der Bauindustrie vielleicht sogar wachsen.“ Angesichts von Preisen von 90 Dollar je Tonne Eisenerz und Förderpreisen von nur noch 13 Dollar je Tonne verdienen die Konzerne weiter gutes Geld. „Das Geschäft besitzt große Widerstandskraft. Preise und Volumen sind stabil. Kupfer spiegelt eher die aktuelle Lage einer Volkswirtschaft wider, aber auch dort sind die Preise noch in Ordnung“, sagte MacKenzie. Gleichwohl hat BHP in den vergangenen Tagen fast ein Viertel seines Wertes verloren. Am Dienstag legte die Aktie um 3,3 Prozent zu.

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