https://www.faz.net/-gqe-9qaz9

Australischer Milchkonzern : Das weiße Gold

Milch von A2 Bild: Reuters

Der australische Konzern A2 will Chinas Babys ernähren und rechnet sich große Chancen auf dem asiatischen Milchmarkt aus. Doch die Erwartungen an der Börse holen ihn ein. Ist alles vielleicht doch nur heiße Luft?

          Schon sprechen sie vom „weißem Gold“: Im Land der Bodenschätze, der Erz- und Kohleminen, wo nach Kupfer und Nickel geschürft und Öl und Gas gefördert werden, feiert ein uraltes Lebensmittel Urständ: Milch.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der jüngste Milchkonzern, der von Australien aus gesteuert wird, hat nun erstmals die Hürde des Milliardenumsatzes genommen. Im vergangenen Geschäftsjahr (30. Juni) nahm A2 dank eines Zuwachses von gut 41 Prozent 1,3 Milliarden Neuseeland Dollar (752 Millionen Euro) ein. Der Gewinn stieg um 47 Prozent auf 288 Millionen Neuseeland Dollar. Trotz der enormen Zuwächse straften die Aktionäre ihr Unternehmen ab – denn es blieb hinter den enormen Erwartungen zurück. An der Börse in Sydney verlor die Aktie fast 16 Prozent. Der Wert des 2003 zusammengebrochenen und dann neu geformten Unternehmens übertrifft nun 10 Milliarden Dollar.

          Attraktiv auf dem asiatischen Markt

          A2 Milk macht sein Geld mit hochklassigen Milchprodukten, insbesondere für Babys und Kleinkinder. Das Besondere: Die Milch enthält nur ein bestimmtes Protein und ist damit für solche Menschen gut zu verdauen, die eigentlich eine Milchallergie haben. Das macht die A2-Milch attraktiv insbesondere für Asiaten. Deshalb ist das Geschäft im vergangenen Jahr allein im chinesischen Markt um fast 50 Prozent gestiegen.

          Inzwischen haben die großen Lebensmittelkonzerne die Chancen erkannt. Nestlé etwa arbeitet sich mit einem eigenen Produkt in den selben Markt vor. Die Gefahr, dass Peking das Vordringen eines ausländischen Milchkonzerns im für die Chinesen so wichtigen Markt für Baby-Milch ausbremsen wird, um eigene Hersteller zu fördern, hatte A2 in den vergangenen Monaten heruntergespielt.

          Im Juni hatte die Regierung erklärt, 60 Prozent des Marktes für heimische Unternehmen sichern zu wollen. Die Aktie von A2 verlor daraufhin gut 10 Prozent ihres Wertes. Der Markt für Babymilch in China liegt bei rund 22 Milliarden Dollar. A2 hat inzwischen 6 Prozent davon erobert. Längst investieren auch australische Rohstoffbarone wie die Multimillardärin Gina Rinehart oder Andrew Forrest in Milch und Rindfleisch.

          Für die Frau an der Spitze von A2 war der Mittwoch trotz des deutlichen Einbruchs an der Börse ein Feiertag. Jayne Hrdlicka führt das Unternehmen erst seit einem Jahr. Die Amerikanerin hatte zuvor die Billigfluglinie Jetstar unter dem Dach von Qantas geleitet – und viele glauben, die frühere Bain-Beraterin werde eines Tages Qantas-Vorstandschef Alan Joyce folgen, wenn der denn gehe und sie A2 zum Erfolg führe. „Glücklicherweise sind unsere Ergebnisse unterlegt von einer wachsenden Bekanntheit unserer Marke und einer besseren Distribution in unseren beiden wichtigsten Regionen, in China und Amerika. Wir haben uns darauf konzentriert, unsere Kunden und unsere Verkaufskanäle dort besser kennenzulernen“, sagte die neue Chefin bei ihrer ersten Bilanzvorlage.

          Abschied vom britischen Markt

          Auch weil der chinesische und der amerikanische Markt so stark sind und sich A2 auf sie konzentrieren will, verabschiedet sich A2 nach sechs Jahren aus dem britischen Markt. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen allein seine Präsenz in Mutter-und-Kind-Läden in China um gut 60 Prozent auf 16.400 Geschäfte ausgebaut. Im für A2 neuen Markt Amerika stieg der Umsatz um 160 Prozent auf knapp 35 Millionen Neuseeland Dollar, wird aber noch übertroffen von den Kosten des Aufbaus des Geschäfts.

          Gut 10 Prozent seines Umsatzes pumpt A2 in Marketing. Am Ende des Tages ist der Milchkonzern nichts anderes als ein Vermarkter: Die Milch wird in Neuseeland gekauft und von dritten verpackt. A2 steuern am Ende des Tages rund 200 Mitarbeiter in Australien und in seinen großen Märkten. Weil sie ein zu enges Produktportfolio, einen zu riskanten Markt in China und zu viel heiße Luft in den Marketing-Anstrengungen von A2 sehen, bezeichnen einige Fonds-Manager die Aktie als die „meistgehasste in Australien“. Trotz des Einbruchs am Mittwoch ist ihnen damit in den vergangenen Jahren viel Geld verloren gegangen. In fünf Jahren legte das A2-Papier von 66 Cent auf 13,66 Australische Dollar am Mittwoch zu.

          Weitere Themen

          Diplomatisches Inselhüpfen

          China und Taiwan : Diplomatisches Inselhüpfen

          Die Salomonen brechen die Beziehungen zu Taiwan ab und erkennen China an. Kritiker sagen, das Land sei „erpresst“ worden. Und Abgeordnete warnen vor den Folgen für die Demokratie.

          Topmeldungen

          Series 5 im Test : Wie gut ist die neue Apple Watch?

          Am Freitag kommt die neue Smartwatch von Apple in den Handel. Die dunkle Anzeige im Ruhemodus ist damit Vergangenheit. Das Display der Series 5 ist immer eingeschaltet. Aber es gibt ein Problem.
          Hefte raus, wir schreiben Abitur: Gymnasium im oberbayerischen Kirchseeon

          Bildungspolitik : Das Abi ist ungerecht

          Jedes Land hat seine eigenen Aufgaben für die Prüfungen. Aber für alle Schüler gilt an der Uni der gleiche NC. Da muss sich was ändern.
          Der Softwarehersteller SAP ist zunehmend mit der Kritik von Kunden konfrontiert.

          Konzern in der Kritik : „SAP muss gewaltig aufpassen“

          Der Verband der SAP-Nutzer bemängelt Lücken in der Software und die schlechte Integration der Programme. Zudem verliert der Konzern viele qualifizierte Mitarbeiter – die Kunden äußern Kritik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.