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Ausstieg aus Paris-Abkommen : Glaubt Trump an den Klimawandel?

Ein wahrer Umweltschützer? Donald Trump im Oval Office Bild: AFP

Trump hat den Ausstieg Amerikas aus dem Pariser Klimaabkommen verkündet. Eines wurde aber bei seiner Rede nicht klar: Wie hält er es mit dem Klimawandel? Hinweise geben seine Mitstreiter, darunter die UN-Botschafterin des Landes.

          Knapp 31 Minuten nahm sich Donald Trump Zeit, um zu begründen, warum Amerika sich aus dem „sehr unfairen“ Pariser Klimaabkommen zurückziehen werde. Das Abkommen sei ein Komplott gegen Amerika, es schade der Wirtschaft des Landes und ohnehin seien die Vereinigten Staaten ein Vorreiter, was den Schutz der Umwelt angehe. Die übrigen Staaten hätten sich deshalb so gefreut, als Amerika dem Abkommen zugestimmt habe, weil es den Vereinigten Staaten einen riesengroßen, wirtschaftlichen Nachteil beschere, sagte Trump im Rosengarten des Weißen Hauses.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          China und Indien dürften ihre Emissionen weiter steigern, während in Amerika Kohleminen schließen müssten. „Als jemandem, dem die Umwelt sehr am Herzen liegt, kann ich nicht guten Gewissens einen Deal unterstützen, der Amerika abstraft“, so Trump. Er wolle nun einen neuen Deal verhandeln, der fair sei. „Wenn das geht, dann ist es großartig; wenn nicht, ist es auch gut.“

          Allerlei wirtschaftliche Gründe also, die Trump für seinen Schritt anführte. Über einen zentralen Aspekt verlor er allerdings kein Wort und zwar, ob er die Erderwärmung denn überhaupt als eine Gefahr, beziehungsweise, ganz grundlegend, den Klimawandel, als „real“ ansehe. Diesem Thema mussten sich im Nachgang an Trumps Rede andere widmen. Eine Antwort konnten aber auch sie nicht geben. Sein Sprecher Sean Spicer sagte auf die Reporterfrage, ob der Präsident den an den vom Menschen gemachten Klimawandel glaube: „Ganz ehrlich, ich habe ihn nie gefragt.“ Beraterin Kellyane Conway erklärte schlicht, das solle man den Präsidenten selbst fragen, während ein anderer Berater sagte, dass Trump überhaupt neu verhandeln wolle, beantworte die Frage doch schon.

          „Die Eisbären-Population war nie größer. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“

          Der Chef der Umweltbehörde (EPA), Scott Pruitt, ein entschiedener Gegner des Pariser Abkommens, erklärte am Freitag, bei allen Unterredungen über den Klimapakt sei es ausschließlich darum gegangen: Ist Paris gut für Amerika oder nicht?  Wie Trump zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimawandel stehe, sei hingegen nie Thema gewesen, so Pruitt.

          Tatsächlich hat Trump in der Vergangenheit in Sachen Klimawandel einen wahren Zick-Zack-Kurs hingelegt. 2009 unterschrieb er mit anderen Geschäftsleuten einen gemeinsamen Brief an Obama, der als ganzseitige Anzeige in der „New York Times“ erschien. Die Botschaft: Der Präsident solle Investitionen in erneuerbare Energien fördern und die Welt im Kampf gegen den Klimawandel anführen. Drei Jahre danach klang das allerdings anders. Da schrieb Trump nämlich auf Twitter, die Erkenntnisse zur Erderwärmung basierten auf manipulierten Daten.

          Vier Tage darauf twitterte er dann, der Klimawandel finde nicht statt, sondern sei bloß eine chinesische Erfindung mit dem Ziel, die amerikanische Industrie in die Knie zu zwingen. Und einen Tag später, am 7. November 2012, legte er noch nach: „Es friert und schneit in New York, wir brauchen die Erderwärmung!“ Ähnliche Tweets lassen sich in den darauffolgenden Jahren finden. Eindeutig klingt auch einer aus Oktober 2014. Da hieß es: „Die Polkappen sind so hoch wie nie, die Eisbären-Population war nie größer. Wo zum Teufel ist die Erderwärmung?“

          Zu Beginn des Wahlkampfes positionierte er sich in einer Radiosendung dann scheinbar ganz klar: Nein, er glaube nicht an die menschengemachte Erderwärmung. In seinen Reden inszenierte er sich in der Folge gerne als Beschützer der Kohlekumpel, deren Arbeitsplätze er retten werde, indem er die Umweltschutzvorschriften von Barack Obama aufzuheben gedenke. Auch der Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen war eines seiner Wahlversprechen. Als seine Herausforderin Hillary Clinton ihn in der Folge mit seinen Äußerungen konfrontierte und ihm vorwarf, er bestreite den Klimawandel, antwortete er hingegen schlicht, nein, das stimme nicht.

          Wilbur Ross: Trump ist ein Naturschützer

          Wenige Tage nach seinem Wahlsieg war der Klimawandel auch ein Thema beim viel beachteten Interview mit der von ihm im Wahlkampf (und auch weiterhin) oft geschmähten „New York Times“. Hier gab er zu Protokoll, es gebe eine „gewisse Verbindung“ zwischen menschlichen Aktivitäten und der Erderwärmung. In der Folge fokussierte er sich allerdings wieder darauf, den „Krieg gegen die Kohle“ zu beenden. „Wir werden die Vorschriften stoppen, welche die Zukunft und die Existenz unserer großartigen Kohle-Bergmänner bedroht“, sagte er Ende Februar in seiner Rede vor dem Kongress.

          Im März 2017 unterzeichnete er ein Dekret, das darauf abzielte, die von Obama festgesetzten Auflagen für die Emissionen von Kohlekraftwerken zu kippen. Nicht zuletzt war auch die Ernennung von Scott Pruitt als neuer Leiter der Umweltbehörde EPA ein deutliches Zeichen. Als Generalstaatsanwalt im Öl- und Gasstaat Oklahoma hat dieser die EPA mehr als ein Dutzend Mal verklagt. In einem Interview mit NBC erklärte er kürzlich obendrein, er halte Kohlendioxid nicht für einen Hauptverursacher der Erderwärmung, womit er sich im fundamentalen Gegensatz zu den meisten Klimaforschern befindet.

          Von sich selbst sagt Präsident Donald Trump derweil gerne, er liebe die Umwelt. Saubere Luft und sauberes Wasser lägen ihm sehr am Herzen. Als Beweis führt er bisweilen die Umweltpreise an, die sein Unternehmen eingeheimst habe. Nach seiner Rede von Donnerstag hielt er sich allerdings bedeckt. Als er freitags bei einem Termin darauf angesprochen wurde, überging er das Thema Klimawandel einfach. Er witzelte lediglich mit Blick auf die Reaktionen aus der ganzen Welt, seine Entscheidung habe für „Kontroversen“ gesorgt.

          In die Bresche sprang sein Handelsminister Wilbur Ross, der ihn gegenüber NBC sogar einen „Naturschützer nannte. Er kenne ihn schon sehr lange und Trump sei „sehr für die Umwelt“. Trump sage ja auch gar nicht, er werde nicht versuchen, das Klima zu verbessern, so Ross weiter. Im gehe es vielmehr darum, klar zu machen, dass das Pariser Abkommen dem Wirtschaftswachstum schade. Das wiederum dürfte schon am Donnerstag bei jedem angekommen sein.

          Zumindest eine klare Aussage dazu, wie es Trump denn nun mit dem Klimawandel halte, gab es aus den Reihen der Regierung dann allerdings doch noch, wenn auch erst am Samstagabend deutscher Zeit. UN-Botschafterin Nikki Haley war es, die gegenüber CNN erklärte: „Präsident Trump glaubt, dass sich das Klima ändert, und er glaubt, dass Schadstoffe Teil der Gleichung sind“. Er wisse, dass sich das Klima ändere und dass sich Amerika verantwortlich verhalten müsse. Den Austritt aus dem Abkommen verteidigte aber auch sie - mit dem vielfach gehörten Argument: Es habe amerikanische Firmen benachteiligt.

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