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Aussteiger : Wir tauschen Uckertaler

Hof in Grünz, günstig wie eine Garage in Frankfurt. Bild: Jan Grossarth

In der Uckermark stehen für wenig Geld alte Bauernhöfe zum Verkauf. Das lockt Aussteiger aus Berlin, sie leben als Selbstversorger und entdecken die Tauschwirtschaft neu. Erinnerung an eine Reise ins einfache Leben.

          In Ostvorpommern war das Leben nicht leicht, es gab Landflucht und Arbeitslosigkeit, aber das konnte ein Nährboden für neues Leben sein, das freiwillig einfach war. Die verlassenen Höfe mussten Menschen anziehen, die wieder von der freien Feldarbeit träumen, die hierhergezogen waren, um ihren flachen Fernseher, ihre goldene Verbeamtungsurkunde und ihre Zahnzusatzversicherung wegzuwerfen. In Ostvorpommern gab es mittlerweile Bauernhöfe für fünfundzwanzigtausend Euro, dazu so viel Land, wie es ein Mensch benötigt, um sich selbst zu versorgen. In Frankfurt kostete eine Autogarage so viel.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Das Taxi von Prenzlau nach Grünz an der polnischen Grenze fuhr durch ein weites Rapsfeld. Es war der Beginn einer Reise zu Aussteigern von Vorpommern bis Turin, einen Sommer lang, in Ökodörfer, zu einem Waldmenschen oder in ein Kloster. Hier vor Grünz zeigte sich die Energiewende gelb blühend, und die Rapsfelder erinnerten daran, dass das Erdöl nicht ewig sein würde, auch wenn das die Zivilisationsskeptiker schon seit Jahrzehnten sagten. Windräder warfen ihre Schatten auf die Felder, das Taxi überquerte die Gaspipeline Nord Stream. Hier und da standen, zwanzig Jahre danach, immer noch sozialistische Betonruinen. Sie waren von guter Qualität.

          Grünz bestand aus einer Allee und einer Straße. Die führte zu einem See bergab. Es wäre möglich, sein Reihenhaus im Westen für zweihunderttausend Euro abzugeben, hier einen Hof zu kaufen und von Gartenarbeit und vom Aldi bis zum Tod zu leben. "Sorgenfrei", "ausgesorgt" - zwei Lebensziele, die weit oben standen in der bürgerlichen Agenda.

          Thomas und Sabine: „Wir haben hier eine gute Überlebenschance”

          An einer Hofeinfahrt stand eine Frau, die eine Weste aus Wolle trug und Arbeitskleidung. Sie trug auch eine Brille, ihr Haar war lang und grau. "Was suchen Sie?", fragte sie. "Wahrscheinlich Sie." "Mich?" Der Backsteinhof war liebevoll hergerichtet mit Möbeln vom Flohmarkt aus hundert Jahren, er stand in einem wilden, weiten Garten. Im Wohnzimmer kochte ihr Mann den ersten Spargel. Die beiden lebten hier seit fast 15 Jahren. Sie waren Wendeverlierer, als Berlin frei wurde, mussten sie aus der Stadt herausziehen, weil die Mieten schneller stiegen als ihre Einkommen. Statt Plattenbauten wählten sie Grünz. "Ich wollte mich lösen von den Dingen, die alle taten. Von der rasanten Anpassung", sagte Sabine.

          Da hier im Kreis Uecker-Randow viele Zugezogene lebten, fanden die beiden schnell Anschluss, erzählten sie. Für ihre Kinder konnten sich Sabine und Thomas hier mehr leisten als in Berlin, denn die Zugezogenen hatten einen Tauschring gegründet, den es heute noch gibt. Der Tauschring in der Uckermark war eine interessante Konstruktion für eine Welt, in der das Geld knapp war: Ein Bekannter hatte neulich die Spülmaschine von Sabine und Thomas repariert, ein Sohn der beiden bekam Gitarrenunterricht, dafür arbeiteten sie immer wieder auf den Höfen der anderen mit. Dank des Tauschrings konnten die Zugezogenen hier ganz gut leben. Etwa fünfzig Menschen nahmen daran teil. Einige boten Honig und Brot an, andere Fleisch und Ziegenkäse, andere Pullover aus Filz, gehäkelte Socken, Saatgut, Obstwein, Keramik, Polnischunterricht, Reiturlaub, Lebensberatung, Bauarbeiten. "Wir haben hier eine gute Überlebenschance", sagte Thomas, Sabines Mann.

          Im Tauschring bestimmten nicht Angebot und Nachfrage den Preis, es gab keinen anonymen Markt, sondern eine Ökonomie, in der man sich in die Augen schaute. Der Wert der Dinge wurde nach der dafür eingesetzten Arbeitszeit bemessen. Auf dem Etikett des Kirschmarmeladenglases, das auf dem Tisch stand, war geschrieben: "Die Herstellung dieser Ware hat mich etwa ½ Stunde meiner Lebenszeit gekostet. Sie hat demnach einen Wert von sechs Uckertalern."

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