https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/aussenhandel-starker-export-11642601.html

Außenhandel : Starker Export

Deutschlands Exporte haben im vergangenen Jahr erstmals die Marke von einer Billion Euro überschritten. Das gefällt nicht jedem.

          1 Min.

          Die Billionenmarke ist überschritten. Erstmals hat die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr Waren für mehr als eine Billion Euro exportiert. Stolze elf Prozent betrug das Wachstum. Die hochwertigen Maschinen, Automobile, Chemieprodukte, elektronischen und optischen Geräte „made in Germany“ sind weltweit begehrt, obwohl sie nicht billig sind. Es ist die Qualität, die überzeugt. Besonders aus den Schwellenländern, allen voran aus China, kommt eine riesige Nachfrage. Der Export in die Eurozone hat sich unterdurchschnittlich entwickelt und ist zuletzt sogar geschrumpft. Ganz Südeuropa steckt mittlerweile in der Rezession und versucht mit Sparprogrammen der Schuldenkrise zu entkommen. Das trifft auch den deutschen Export. In der Statistik vom Dezember zeigen sich die Bremsspuren. Dennoch bleiben die Exporteure zuversichtlich, weil sie die Chancen in den Schwellenländern sehen. Der Euroraum ist zwar wichtig - doch Asien, Osteuropa und Lateinamerika werden wichtiger.

          Meldungen über die starke Stellung der Deutschen auf den Weltmärkten lösen nicht überall Freude aus. Vor anderthalb Jahren klagte eine französische Wirtschaftsministerin, die heute den Internationalen Währungsfonds führt, über einen allzu großen deutschen Exportüberschuss. Dieser gehe zu Lasten anderer Länder; es gebe gefährliche Ungleichgewichte. Solche Reden sind mittlerweile verstummt. Ohnehin ist es ein Mythos, dass die deutsche Wirtschaft allein vom Export lebe. Die Binnennachfrage hat mehr zum Aufschwung im vergangenen Jahr beigetragen als die Auslandsnachfrage. Investitionen und privater Konsum waren die Treiber für das Wachstum von rund drei Prozent.

          Der Außenhandelsüberschuss stagnierte bei rund hundertsechzig Milliarden Euro, weil der Import stärker als der Export zugelegt hat. Der Grund dafür ist nicht nur die höhere Rechnung für importiertes Öl und Gas. Angesichts der guten Konjunktur kann sich Deutschland mehr Waren aus dem Ausland leisten. Davon profitiert auch die Wirtschaft der europäischen Nachbarn, die es bitter nötig haben. Inzwischen überschattet die Schuldenkrise die globale Konjunktur, der Welthandel hat sich zum Jahresende merklich abgeschwächt. Die deutschen Exporteure werden kämpfen müssen, um ihren bisherigen Platz an der Sonne zu behalten.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bundeskanzler Scholz am Sonntagmorgen in Buenos Aires.

          Scholz in Südamerika : Freunde in dieser Zeit

          Scholz sucht in Südamerika Partner gegen Russland – und China. Mit ihm reist dafür eine Wirtschaftsdelegation.
          Gentiloni im November 2022 im Europäischen Parlament

          Paolo Gentiloni im Interview : „Wir brauchen neues Geld“

          EU-Wirtschaftskommissar Gentiloni erklärt im Gespräch mit der F.A.Z.: Angesichts hoher Energiepreise, US-Milliardenhilfen für die Industrie und der Konkurrenz aus China muss die EU neue Schulden aufnehmen – und das schnell.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.