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Ausschreibung gestartet : Freie Fahrt für deutsches Gras

Hanf-Pflanzen Bild: dpa

Seit März 2017 gibt es Cannabis auf Rezept. Doch was Apotheken hierzulande verkaufen, stammt bislang ausschließlich aus dem Ausland. Nun startet ein zweiter Anlauf für Cannabis „Made in Germany“.

          In den Markt für deutsches Cannabis kommt Bewegung. Mehr als ein Jahr nach der Freigabe von Blüten für den medizinischen Gebrauch können sich von nun an wieder Unternehmen um Lizenzen für „Anbau, Verarbeitung, Lagerung, Verpackung und Lieferung von Cannabis in einer gesicherten Inhouse-Plantage in Deutschland“ bewerben. Das gab das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am Freitag bekannt.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ausgeschrieben sind 10,4 Tonnen für den Zeitraum von vier Jahren, also 2,6 Tonnen jährlich, aufgeteilt wiederum in 13 Bieterlose je 0,2 Tonnen. Unternehmen können zwischen einem und fünf Lose erwerben, sodass es von 2020 an mindestens drei staatlich lizensierte Cannabisproduzenten in Deutschland geben wird. Eine Ausschreibung in dieser Form war schon parallel zu der Legalisierung für medizinische Zwecke im vorigen Jahr gestartet. Auf eine kurzfristige Verfahrensänderung hin klagte jedoch einer der 118 Bieter und fand damit beim Oberlandesgericht Düsseldorf Gehör. Das ließ den eigentlich für 2019 vorgesehenen Beginn des deutschen Cannabisanbaus in weite Ferne rücken und trieb den deutschen Markt weiter in die Abhängigkeit von Importen, vorrangig aus Kanada und den Niederlanden.

          Der Punkt, der die letzte Ausschreibung im März diesen Jahres platzen ließ, wurde vom Bundesinstitut nun von Beginn an berücksichtigt. So muss ein Bieter eine mindestens dreijährige Erfahrung im Bereich Anbau, Verarbeitung und Lieferung von Cannabis für medizinische Zwecke vorweisen. Das schränkt den potenziellen Bieterkreis ein: De facto wird er damit auf deutsche Tochtergesellschaften ausländischer Cannabisproduzenten beschränkt. Dazu gehören etwa Spektrum Cannabis, Ableger des kanadischen Marktführers Canopy Growth, oder der deutsche Ableger von Nuuvera, deren Mutterkonzern Aphria ebenfalls aus Kanada stammt.

          Rasant gestiegene Nachfrage

          Dass die nun ausgeschriebene Gesamtmenge von 10,4 Tonnen rund 30 Prozent höher liegt als zuletzt, ist der rasant gestiegenen Nachfrage geschuldet. Kalkulierte das Bundesinstitut im vorigen Jahr noch ausgehend von den rund 1000 Menschen, die mit Sondergenehmigung wegen schwerer Krankheiten wie Aids oder multipler Sklerose auch schon vor 2017 Cannabis konsumieren durften, soll dem größeren Patientenkreis nun Rechnung getragen werden. Konservative Schätzungen auf Grundlage von Krankenkassenabrechnungen kommen auf mittlerweile 12.000 bis 14.000 Patienten, Markteilnehmer halten sogar rund das Doppelte für wahrscheinlich.

          Legt man allerdings einen Tageskonsum von einem Gramm zugrunde – mit ärztlichem Rezept können monatlich bis zu 100 Gramm in Apotheken bezogen werden –, würden die ausgeschriebenen 2,6 Tonnen nur für etwa 7.000 Patienten reichen. Deutschland bliebe damit also weiterhin abhängig von Einfuhren.

          Das gilt auch für die Cannabissorten, deren Anteile an Tetrahydrocannabinol (THC), das eine raschhafte Wirkung entfaltet, und Cannabidiol (CBD), das zu Betäubung und Entspannung führt, stark variieren. Erlaubt und konsumiert sind in Deutschland schon heute deutlich mehr als bloß jene drei Sorten, deren lizensierten Anbau die Ausschreibung vorsieht. Cannabisblüten mit einem THC-Gehalt von unter 5 Prozent können so zum Beispiel auch in Zukunft nur aus dem Ausland bezogen werden.

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