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Firmenbeteiligungen : Das saudische Imperium

Das Ritz-Carlton-Hotel in Riad Bild: AFP

In Saudi-Arabien tobt ein Machtkampf zwischen den Eliten. Seit einer Woche sind ein Dutzend Geschäftsleute in Riad eingesperrt. Es geht nicht nur ums Öl.

          2 Min.

          Seit einer Woche dient das noble Ritz-Carlton-Hotel in Riad, der Hauptstadt von Saudi-Arabien, als größtes Luxusgefängnis der Welt. Muhammad Bin Salman, 32 Jahre alt und als Lieblingssohn des regierenden Königs der neue starke Mann im Staat, hat dort auf einen Schlag einen beträchtlichen Teil der wirtschaftlichen Elite unter Arrest stellen lassen. Gleich im Dutzend sehen sich unliebsame Geschäftsleute, schwerreiche Investoren und vermögende Mitglieder des weitverzweigten Königshauses mit dem Vorwurf der Korruption konfrontiert. Das Ritz dürfen sie bis auf weiteres nicht verlassen.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Felix Brocker

          Redakteur für Informationsgrafik.

          Stefan Walter

          Redakteur für Informationsgrafik.

          Dabei haben sie für ihre Geschäfte in den vergangenen Jahren vor allem aus der internationalen Bewegungsfreiheit großen Nutzen gezogen: Den Ölscheichs gehören längst nicht mehr nur die Förderanlagen auf der arabischen Halbinsel und die vielen Tanker, die das dort aus dem Boden gepumpte Erdöl in aller Herren Länder bringen.

          Damit fing der Aufstieg Saudi-Arabiens zur Wirtschaftsmacht zwar an, daher stammt der sagenhafte Reichtum. Doch inzwischen steckt das Geld auch in Unternehmen rund um den Globus, die auf den ersten Blick herzlich wenig mit Petrodollars zu tun haben.

          Zur Rose GroupZur Rose Group

          Schweiz
          Apotheken
          6,25 %
          15 Mio. $

          Four SeasonsFour Seasons

          Kanada
          Hotels
          45 %

          AppleApple

          Vereinigte Staaten
          Technologie
          115 Millionen $

          LyftLyft

          Vereinigte Staaten
          Fahrdienst
          248 Mio. $

          Simit Sarayi
          Simit Sarayi

          Türkei
          Bäckereifilialen
          10 %

          Euro DisneyEuro Disney

          Frankreich
          Freizeitpark
          300 Mio. $

          Mövenpick Hotels
          Mövenpick Hotels

          Schweiz
          Hotels
          33,3 %

          Twitter
          Twitter

          Vereinigte Staaten
          Kurznachrichtendienst
          5,2 %
          965 Millionen $

          Posco
          Posco

          Südkorea
          Stahlproduktion
          38 %
          1,1 Milliarden $

          Lanxess
          Lanxess

          Deutschland
          Chemie (Joint-Venture)
          1,3 Milliarden $

          Citigroup
          Citigroup

          Vereinigte Staaten
          Finanzen
          5 %
          1,9 Milliarden $

          Uber
          Uber

          Vereinigte Staaten
          Fahrdienst
          5,6 %
          3,5 Milliarden $

          Fairmont Hotels & Resorts
          Fairmont Hotels & Resorts

          Kanada
          Hotels
          45 %

          HSBC Holdings
          HSBC Holdings

          Großbritannien
          Finanzen
          3,1 %
          6,6 Milliarden $

          Turk Telekom
          Turk Telekom

          Türkei
          Telekommunikation
          55%
          6,6 Milliarden $

          General ElectricGeneral Electric

          Vereingite Staaten
          Kunststoffsparte (GE Plastics)
          11,7 Milliarden $

          © F.A.Z. / stepmap Ausländische Firmenbeteiligungen privater und staatlicher Investoren aus Saudi-Arabien
          Zur Rose Group

          Schweiz
          Apotheken
          6,25 %
          15 Mio. $

          Four Seasons

          Kanada
          Hotels
          45 %

          Apple

          Vereinigte Staaten
          Technologie
          115 Millionen $

          Lyft

          Vereinigte Staaten
          Fahrdienst
          248 Mio. $


          Simit Sarayi

          Türkei
          Bäckereifilialen
          10 %

          Euro Disney

          Frankreich
          Freizeitpark
          300 Mio. $


          Mövenpick Hotels

          Schweiz
          Hotels
          33,3 %


          Twitter

          Vereinigte Staaten
          Kurznachrichtendienst
          5,2 %
          965 Millionen $


          Posco

          Südkorea
          Stahlproduktion
          38 %
          1,1 Milliarden $


          Lanxess

          Deutschland
          Chemie (Joint-Venture)
          1,3 Milliarden $


          Citigroup

          Vereinigte Staaten
          Finanzen
          5 %
          1,9 Milliarden $


          Uber

          Vereinigte Staaten
          Fahrdienst
          5,6 %
          3,5 Milliarden $


          Fairmont Hotels & Resorts

          Kanada
          Hotels
          45 %


          HSBC Holdings

          Großbritannien
          Finanzen
          3,1 %
          6,6 Milliarden $


          Turk Telekom

          Türkei
          Telekommunikation
          55%
          6,6 Milliarden $

          General Electric

          Vereingite Staaten
          Kunststoffsparte (GE Plastics)
          11,7 Milliarden $

          © F.A.Z. / stepmap Ausländische Firmenbeteiligungen privater und staatlicher Investoren aus Saudi-Arabien

          In der Schweiz haben sich die Saudis bei der Apothekenkette Zur Rose eingekauft, in der Türkei beim Sesamkringel-Bäcker Simit Sarayi, der auch in deutschen Innenstädten Filialen betreibt. Das prominenteste Beispiel dieser reichen Investoren aus dem Morgenland ist zweifellos Prinz Alwaleed Bin Talal, dessen Holding-Gesellschaft an Silicon-Valley-Ikonen wie Apple und Twitter beteiligt ist und am Finanzkonzern Citigroup, aber auch an der Hotelkette Mövenpick und am Vergnügungspark Euro Disney bei Paris. Mit rund 12,5 Milliarden Dollar beziffert die Beteiligungsgesellschaft von Alwaleed Bin Talal selbst den aktuellen Wert aller ihrer Anlagen. Am Ritz-Carlton in Riad, dem neuen Zwangsdomizil des Prinzen, hält sie indes keine Aktien.

          Noch größere Schatullen als die Privatinvestoren haben der saudische Staatsfonds und die staatlich kontrollierten Konzerne Sabic und Saudi Aramco. Auch hier wird die geographische Diversifikation großgeschrieben. So hat sich der Fonds beim Mitfahrdienst Uber in Amerika und beim Stahlkonzern Posco in Südkorea eingekauft. Sabic und Saudi Aramco sind im großen Stil in die Kunststoffproduktion eingestiegen, zum Beispiel durch die Übernahme einer Sparte des amerikanischen Mischkonzerns General Electric und ein Joint Venture mit dem deutschen Hersteller Lanxess.

          Nächstes Jahr soll ein Teil des Ölkonzerns Saudi Aramco an die Börse gebracht werden. Geht alles nach Plan, wird es der größte Börsengang, den die Welt bisher gesehen hat. 100 Milliarden Dollar will Muhammad Bin Salman, der Enkel des Königs, damit einnehmen. Das Geld kann er für seine Infrastrukturprojekte zur Modernisierung der Volkswirtschaft gut gebrauchen. Ob das der richtige Weg ist oder nicht, auch darum geht es in dem aktuellen Konflikt. Wie der Machtkampf ausgeht, wird nicht nur die Zukunft Saudi-Arabiens bestimmen, sondern Folgen für die ganze Welt haben.

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