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Ausblick auf Realeinkommen : Mehr Geld in der Tasche

Die Prognosen unterscheiden sich im Detail, die grobe Richtung aber ist klar: Die Arbeitnehmer werden im Durchschnitt des nächsten Jahres netto etwas mehr in der Tasche haben. Bild: © Images.com/Corbis

Höhere Löhne, niedrigere Steuern: Das neue Jahr fängt für viele Arbeitnehmer in Deutschland gut an und auch die Aussichten sind durchaus zufrieden stellend. Wenn die Euro-Krise bloß keinen Strich durch die Rechnung macht.

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          Keine schlechte Nachricht zum Start eines neuen Jahres: 2012 haben die Deutschen mehr Geld in der Tasche. Nicht gerade Millionen - aber immerhin 413 Euro pro Kopf. Das jedenfalls hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK Geo-Marketing) ausgerechnet, die jedes Jahr zum Jahreswechsel alle verfügbaren Erkenntnisse und Prognosen auswertet, um die Kaufkraft der Deutschen im neuen Jahr zu ermitteln. Im Vergleich zu früheren Jahren ist das schon ganz ordentlich.

          Die Richtung ist klar

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die meisten Ökonomen, die Gewerkschaften und der Sachverständigenrat der "Fünf Weisen" kommen in der Tendenz zu einem ähnlichen Ergebnis. Im Detail unterscheiden sich die Prognosen, die grobe Richtung aber ist klar: "Die Arbeitnehmer werden im Durchschnitt des nächsten Jahres netto etwas mehr in der Tasche haben, wenn auch nicht viel", sagt Wolfgang Franz, der Vorsitzende des Sachverständigenrates.

          Der wichtigste Grund: Die Löhne und Gehälter in Deutschland sind durch die Tarifabschlüsse im vorigen Jahr, aber auch durch individuelle Vereinbarungen in vielen Betrieben, zum ersten Mal seit langem wieder deutlich gestiegen.

          Die Bruttolöhne dürften weiter zulegen

          Zwar stehen demnächst in mehreren wichtigen Branchen, darunter der Metall- und Elektroindustrie, Tarifverhandlungen mit natürlich unbekanntem Ausgang bevor. Aber die Tarifabschlüsse aus dem vorigen Jahr wie der in der Chemischen Industrie (plus 4,1 Prozent) und der Stahlindustrie (plus 3,8 Prozent) haben das Lohnniveau in Deutschland erstmals seit längerem merklich angehoben. Vieles davon wirkt 2012 weiter - und sorgt dafür, dass die Menschen, aufs Jahr gerechnet mehr verdienen als im vergangenen Jahr, als die Löhne noch nicht so hoch waren.

          Doch das ist nicht alles. Noch stärker als die Tariflöhne sind im vergangenen Jahr die Einkommen der Angestellten gestiegen, die nicht nach Tarif bezahlt werden. Dieser Anstieg werde sich in diesem Jahr vermutlich etwas abschwächen - aber doch noch spürbar sein, meint Hagen Lesch, Tarifexperte des arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln. "Die Entwicklung der Effektivlöhne hängt vor allem davon ab, wie scharf die Unternehmen um Fachkräfte konkurrieren und deshalb bereit sind, höhere Löhne zu zahlen." Insgesamt schätzen Ökonomen, dass die Bruttolöhne im Jahr 2012 um 2,6 Prozent zulegen.

          Grundsicherung steigt

          Mehr Geld bekommen auch die Rentner - und sogar die Hartz-IV-Empfänger. Rentner erhalten von Juli an rund 2,3 Prozent (West) und 3,2 Prozent (Ost) mehr. Hartz IV steigt bereits zum Jahreswechsel, wenn auch nur um zehn Euro.

          Neben den höheren Löhnen sorgt ein zweiter Faktor dafür, dass die Deutschen mehr Geld in der Tasche haben: Es gibt Steuererleichterungen. Auch dabei geht es nicht um ganz große Beträge, aber viele dürften sie trotzdem wahrnehmen. Unter anderem steigt die Werbungskostenpauschale für Berufstätige von 920 auf 1000 Euro. Unter dem Strich können die Arbeitnehmer sich auf bis zu 124 zusätzliche Euro durch die kleinen Steuererleichterungen freuen.

          Steigen die Preise stärker als die Löhne?

          Die große Frage nun ist: Wie viel von dem, was die Deutschen durch höhere Löhne und niedrigere Steuern zusätzlich in der Tasche haben, wird durch die Inflation wieder aufgefressen? Sind nicht zuletzt Lebensmittel von Zucker bis Gemüse sowie Strom und Benzin schrecklich teuer geworden? Sorgte nicht die verstärkte Nachfrage aus China dafür, dass Rohstoffe knapp und teuer wurden?

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