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Ausbeutung neuer Gasvorkommen : Bürger rebellieren gegen die Konzerne

  • -Aktualisiert am

Beim sogenannten „Fracking“ wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck in den Boden gepresst, um das Erdgas herauszubekommen. Der Protest gegen diese Form der Förderung nimmt zu. Bild: dapd

Deutschland wagt die Energiewende. Neue Gasvorkommen im Land versprechen ein großes Geschäft. Doch die Bürger widersetzen sich und bringen die Konzerne unter Druck.

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          Markus Rolink deutet auf den Maschendrahtzaun, der den Bohrplatz umgibt. Er macht sich keine Illusionen darüber, dass Exxon-Mobil hier bald mit der Erdgasförderung beginnen wird: „Ich vermute, dass es im Frühsommer losgeht.“

          Was Exxon hier in Lünne im Emsland begonnen hat, wird nicht nur das Leben von Rolink und seinen Nachbarn verändern - es wirkt sich auch auf die deutsche Energieversorgung aus. Mehr noch: Es zeigt der Welt, wie Deutschland mit seinen Ressourcen umgehen will.

          Noch herrscht Stille. Nur ein Kiebitz ruft. Und ein Trecker rattert auf dem Weg an dem betonierten ehemaligen Ackerland vorbei, im Anhänger sind Schweine.

          Es kommt noch kein Erdgas aus dem Boden in Lünne. Doch die Menschen haben sich längst gegen den Konzern und seine Fördermethoden formiert. Sie begehren auf gegen die Erdgasgewinnung mit der Fracking-Methode. Diese ermöglicht es, das Gas aus neuen, sogenannten unkonventionellen Lagerstätten zu fördern. Statt lediglich in die Tiefe zu bohren und Gasvorkommen anzuzapfen, ist der Fracking-Aufwand viel größer: Ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien wird mit Hochdruck in den Boden gepresst, um Risse im Gestein zu erzeugen und das Gas herauszubekommen. So können auch Schiefergasvorkommen und Kohleflözlagerstätten ausgebeutet werden.

          „Wenn toxische Stoffe in den Boden gelangen, ist das Trinkwasser bedroht“

          Diese Technik ermöglicht ein großes Geschäft für die Öl- und Gaskonzerne. Fracking hat in den Vereinigten Staaten das Gasangebot erheblich gesteigert, es gibt eine Gasschwemme, die die Preise stark gedrückt hat. Da Deutschland mitten in der Energiewende steckt, haben Unternehmen wie Exxon großes Interesse daran, hierzulande ebenfalls neue Gasvorkommen zu erschließen. Deshalb ist Exxon auch in die niedersächsische Provinz nach Lünne gekommen.

          Nur wenige hundert Meter von Rolinks Haus hat Exxon einen Bohrplatz zementiert. Die Mitarbeiter haben das Gelände nach den ersten Probebohrungen wieder besenrein hinterlassen. Es ist nicht einmal so groß wie ein Fußballplatz. In der Mitte, wo der Bohrturm stand, ragt das Ende des Bohrschachts heraus, gut verschlossen in einem Käfig aus Metall.

          Exxon ist erst einmal wieder abgezogen, doch der Protest bleibt: Rolink, 38 Jahre alt, Vater von drei Kindern, hat die „Interessengemeinschaft Schönes Lünne“ mitgegründet. Er hat sich sogar in den Gemeinderat wählen lassen, macht Politik. Eigentlich unterrichtet er Achtklässler an einer Förderschule.

          Im Emsland: Markus Rolink wehrt sich gegen Exxon-Mobil in Lünne.

          Sich gegen neue Bahnhöfe, Flughafen-Landebahnen und andere Bauten zu engagieren ist im Trend. Nun wächst auch der Widerstand gegen die Gasförderung. Chemie in den Boden pressen, um Erdgas zu fördern? „Das wollen wir verhindern“, sagt Rolink.

          Es ist Freitagnachmittag, Rolink ist zurück aus der Schule, hat seinen Wagen vor dem Bohrplatz geparkt und steht im Wind: „Wenn toxische Stoffe in den Boden gelangen, ist das Trinkwasser bedroht.“ Der Landwirt neben dem Bohrplatz nutze einen Brunnen, um die Schweine zu versorgen. Zudem sei die Erdbebengefahr groß, „und das Lagerstättenwasser ist oft radioaktiv belastet“.

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