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Rücktritt von Uwe Hück : Vom Posten als Porsche-Betriebsratschef in die Politik

Uwe Hück (r.) mit Oliver Blume, Vorstandsvorsitzender von Porsche Bild: dpa

Uwe Hück geht – und zwar sofort. Der bisherige Betriebsrats-Vorsitzende von Porsche legt alle Ämter nieder. Stattdessen strebt er in die Politik und will mit seiner Stiftung Gutes tun. Doch woher das Geld dafür kommt, ist unklar.

          Paukenschlag in Zuffenhausen: Uwe Hück, der weit über das Unternehmen Porsche hinaus bekannt ist, verlässt den Sportwagenhersteller und legt mit sofortiger Wirkung seine Aufsichtsrats- und Betriebsratsämter bei Porsche und Volkswagen nieder. Diese Formulierung aus einer Pressemitteilung von Porsche ist eindeutig.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Sie steht aber so und in dieser Klarheit bemerkenswerterweise erst im fünften Absatz – gut versteckt und unter der Überschrift „Uwe Hück verstärkt sein soziales Engagement.“ Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende der Porsche AG wolle sich künftig auf sein soziales Engagement, seine Stiftung und seine Kinder konzentrieren – sowie sich in der Politik engagieren, heißt es da. Und vor der eigentlichen Nachricht gibt es freundliche Worte für den früheren Profi-Thaiboxer von Wolfgang Porsche und von Porsche-Vorstandschef Oliver Blume – beide zollen Uwe Hück Respekt für seine Entscheidung.

          Geben und Nehmen

          Was also ist passiert? Was treibt einen 56 Jahre alten Betriebsratschef dazu, das Feld zu räumen, das er doch scheinbar so gut bestellt hat? Legendär sind die hohen Boni, die Hück jedes Jahr der Belegschaft verkünden durfte. Zuletzt gab es 9656 Euro für jeden Mitarbeiter.

          Angesichts solcher Wohltaten konnte Hück seinen Kollegen auch viel zumuten, seien es Sonderschichten oder sogar materielle Zugeständnisse für eine große Investition: „Wir haben der Arbeitgeberseite ein Angebot gemacht, das sie nicht ausschlagen konnte“, sagte Hück, nachdem vor gut drei Jahren die Entscheidung für die Elektro-Offensive in Stuttgart fiel.

          Das Geben und Nehmen hat Hück erkennbar perfektioniert. Oder wie Porsche-Chef Blume es beschreibt: „Uwe Hück ist eine Kämpfernatur, ob im Boxring oder am Verhandlungstisch.“

          Das alles wird Uwe Hück nun aufgeben. Ein großer Schritt, für den ihm das Unternehmen ein letztes Mal die ganz große Bühne bereitet und eigens eine Mitarbeiterversammlung einberufen hat. „Ich bin durch und durch Porscheaner“, ruft er seinen Kollegen zu: „Aber nach knapp 35 Jahren bei dieser intergalaktischen Firma will ich mich jetzt ganz meiner anderen Leidenschaft widmen: Gutes mit meiner Lernstiftung tun.“

          Die Frage nach der Geldquelle

          Von welchem Geld Uwe Hück als Betriebsrat diese Lernstiftung gründen konnte, fragt sich mancher seiner Kollegen, wohl wissend, dass Hück nicht aus einer wohlhabenden Familie stammt, sondern im Gegenteil im Heim aufgewachsen ist, was er selbst immer wieder als Antrieb für sein Engagement für Kinder beschreibt.

          Ist es wohl Hücks mitreißende Art, mit der er nicht nur die Herzen öffnet, sondern auch die Geldbörsen? Im Kuratorium seiner 2013 gegründeten Stiftung sitzen immerhin der amtierende und der frühere Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim und auch der Vorstandschef der Sparkasse Pforzheim-Calw. Manche mutmaßen, dass auch der langjährige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking das Anliegen des engagierten Betriebsrats unterstützt haben dürfte, der ihm im Poker um die Macht über Volkswagen treu zur Seite stand, bis das Spiel verloren war.

          Getuschel ums Gehalt

          Andere tuscheln, dass Hück selbst auch unglaublich viel verdient haben soll. Von 400.000 bis 500.000 Euro Jahresgehalt ist die Rede. Das erscheint abwegig für einen, der einmal als Lackierer angefangen hat und seit 1994 freigestellt ist.

          Und so abwegig ist es doch wieder nicht, denkt man an Hücks Pendant in Wolfsburg. Der VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat in seinen besten Jahren sogar 750.000 Euro verdient. Osterloh selbst hat das so im Frühjahr 2017 berichtet. Bestätigt wird bei Porsche auch, dass Hück nicht nur wie bei Porsche üblich einen schnittigen Sportwagen fuhr, sondern dass er auch einen Fahrer in Anspruch nahm.

          Auffallend plötzlich ist die Mitarbeiterversammlung einberufen worden. Auffallend betont ist die Rede davon, dass Hück noch hier und da zu sehen sein wird, beim Mitarbeiter-Sommerfest zum Beispiel. Und ohnehin bleibe er Mitglied im Kuratorium der Ferry-Porsche-Stiftung und der Volkswagen-Belegschaftsstiftung.

          Auffallend ist auch, dass Uwe Hück noch als Nummer 1 auf jener Liste steht, von der die 125 Delegierten der Porsche-Belegschaft nächste Woche die Mitglieder für den Aufsichtsrat wählen sollen. Nun werden sie nicht Hück wählen, sondern dessen persönlichen Ersatzkandidaten Harald Buck, während die Arbeit im Betriebsrat bis auf Weiteres sein bisheriger Stellvertreter Werner Weresch übernimmt.

          Derweil bereitet sich Uwe Hück schon auf ganz andere Wahlen vor. Nachdem er sich mehrfach vergeblich für wichtige Posten in der SPD in Position bringen wollte, versucht er es jetzt einmal mit Kommunalpolitik, und zwar in Pforzheim, wo man ihn und seine soziale Arbeit kennt. Dort tritt er zu den Kommunalwahlen im Mai nicht für die SPD an, sondern mit einer eigenen Liste: „Die Bürger Pforzheims haben was Besseres verdient“, sagte Hück am Montag: „Pforzheim liegt ebenso im Argen wie Porsche, als ich dort Betriebsrat wurde.“

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