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Aus der Elternzeit in die Selbständigkeit : Erst Mutter, dann Unternehmerin

Die Frage, wie sich Familie und Beruf miteinander vereinbaren lassen, beschäftigt die Frau mit der blonden Kurzhaarfrisur und der dunkel gerahmten Brille schon seit dem Studium. Nach dem Abschluss hat sie in einer Agentur unter anderem das Bundesfamilienministerium zu diesem Thema beraten und wurde beim "Verband berufstätiger Mütter"aktiv. Auch bei der Partnerwahl spielte die Möglichkeit der "Vereinbarkeit", wie Vöcking das Miteinander von beidem nur nennt, eine Rolle: "Ich wollte immer einen Mann haben, mit dem ich mir die Kindererziehung teilen kann", sagt sie. Obwohl bei Vöcking die Bedingungen, als Mutter engagiert weiterzuarbeiten, sehr viel besser waren als bei vielen anderen, stieß sie nach der Geburt ihrer Töchter an Grenzen - trotz der Hilfe ihres Mannes und der Arbeit in einer Agentur, die sich auf die Beratung zu Möglichkeiten der "Vereinbarkeit" spezialisiert hat. Doch als Ute Vöcking nach der Geburt ihrer ersten Tochter aus der Elternzeit zurückkehrte, zeigte sich, wie schwer Termindruck und Kundenwünsche auf der einen Seite mit Kindergarten-Abholzeiten und Windpocken auf der anderen Seite zu vereinbaren sind. "Wir haben zwar einen Kita-Platz bezahlt bekommen, aber wenn ich wegen meiner kranken Tochter kurzfristig Termine absagen musste, wurde es problematisch", erinnert sich Vöcking.

Ute Vöcking hat sich in ihrer Elternzeit mit einer Agentur für Social Marketing selbständig gemacht

Dass in vielen Unternehmen Leitbild und Umsetzung immer noch stark auseinanderfallen, hat Vöcking auch in ihrer Verbandsarbeit erlebt. Zwar hätten sich viele Firmen die Förderung von berufstätigen Müttern mittlerweile auf die Fahnen geschrieben. In der Realität würden Frauen jedoch häufig zurückgestuft oder auch gekündigt, sobald sie aus der Elternzeit zurückkehrten. Da sich die Bedürfnisse der Kinder nicht verändern ließen, müssten sich die Arbeitsbedingungen anpassen, fordert Vöcking. "Nicht die Öffnungszeiten der Kindergärten müssen sich ändern, sondern die Arbeitszeiten."

Mit der Entscheidung, von Köln nach Hamburg zu ziehen, kam auch der Entschluss, sich selbständig zu machen. "Mich hat diese Rolle schon immer gereizt, ich hatte aber auch Respekt davor." Vöcking glaubt, dass die Erfahrungen als Mutter ihr auch das Selbstvertrauen gegeben haben, diesen Schritt zu gehen. Mit Kindern lerne man zum Beispiel, klar zu kommunizieren - in der Sache deutlich, im Ton nicht zu dominant. Davon profitiere sie auch im Umgang mit Kunden. Im Moment arbeitet Vöcking von zu Hause aus: vormittags, wenn die Töchter in Schule und Kindergarten sind, und an zwei Nachmittagen. Dann kümmert sich ihr Mann um die Kinder. Trotz fester Regeln sei es manchmal schwer, sich abzugrenzen, hat sie festgestellt. "Wenn man zu Hause arbeitet, wird irgendwie auch immer erwartet, dass man die Hausarbeit nebenbei macht." Dabei sei eine strikte Unterscheidung zwischen Arbeits- und Kinderzeit eine Grundvoraussetzung dafür, dass es mit der Selbständigkeit am heimischen Schreibtisch klappe. Denn kein Bild sei trügerischer, als das einer Frau, die im linken Arm ein Baby halte und mit der rechten Hand die Computermaus bediene. "Gerade als Selbständige müssen Arbeit und Kinder getrennte Bereiche sein", sagt Vöcking. Sonst bleibe das eigene Unternehmen ein bezahltes Hobby.

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