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Aus der Elternzeit in die Selbständigkeit : Erst Mutter, dann Unternehmerin

Jaqueline Schwope hat die Agentur „Motherworld“ gegründet

Schon immer habe sie gewusst, dass sie einmal Kinder haben möchte, sagt sie. Schwope wusste aber auch, wie ihre Zukunft auf keinen Fall aussehen sollte. Dabei hatte sie zwei Negativszenarien im Kopf: Einerseits wollte sie nicht zu den Frauen gehören, die mit Mitte 40 nach dem dritten Glas Rotwein ihre Stimmen senken und sagen: "Mir blieb ja gar nichts anderes übrig, als Karriere zu machen", um dann zu sinnieren, wann sie den Zeitpunkt verpasst haben, eine Familie zu gründen oder auch nur einen Mann kennenzulernen, mit dem das möglich gewesen wäre.

Gute Kinderbetreuung ist Voraussetzung für gute Arbeit

Genauso wenig wollte Schwope aber nach der Babypause in ihr altes Unternehmen zurückkehren, um in Teilzeit eine Assistentinnenstelle auszufüllen, wo sie Vollzeit eine Führungsposition innehatte. "Ich wollte Zeit für meine Kinder haben, aber halbtags hätte mein Job nicht funktioniert", sagt sie. Schwope wählte einen dritten Weg. Sechs Monate nach der Geburt ihrer ersten Tochter machte sie sich mit Motherworld, einer Agentur für Kinderbetreuung, selbständig. Ebenso wie bei Karina Bizzi ergab sich auch Jacqueline Schwopes Geschäftsidee aus dem Gefühl eines eigenen Mangels. Gemeinsam mit zwei Freundinnen stellte sie sich die Frage, wie sie Familie und Beruf einmal vereinbaren würden. Immer wieder fiel den drei Karrierefrauen auf, dass das Fehlen qualitativ hochwertiger Kinderbetreuung ein Knackpunkt sein werde - vor allem in der Schweiz, die Schwope in dieser Hinsicht als "Entwicklungsland" beschreibt, aber auch in Deutschland. "Nur wenn Mütter ihre Kinder gut betreut wissen, können sie auch vernünftig arbeiten" ist sie überzeugt.

Ihre Idee begann sie kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes zu verwirklichen, erst gemeinsam mit ihren Freundinnen, dann allein. Während die Tochter schlief, schrieb sie ihren Businessplan, später engagierte sie halbtags eine Tagesmutter. Die Gründung der Agentur finanzierte sie ausschließlich mit Eigenkapital, Gespräche mit Investoren scheiterten. "Ich will selbst bestimmen."

Obwohl sie sich ein Leben als Angestellte nicht mehr vorstellen kann, habe sie zwischendurch öfter überlegt, alles hinzuschmeißen, gibt Schwope zu. "Man muss Durchhaltevermögen haben und gut allein sein können", resümiert sie nach mehreren Jahren Selbständigkeit. Die Geburt ihrer zweiten Tochter sei ein Wendepunkt gewesen: "Ich musste mich entscheiden, ob ich es lasse oder noch einmal richtig durchstarte." Sie entschied sich für die zweite Variante. Mittlerweile gibt es den Service von Motherworld nicht mehr nur im Rhein-Main-Gebiet, sondern in mehreren deutschen Städten, das Angebot wurde ausgeweitet.

Unternehmen werden eigenen Ansprüchen nicht gerecht

Bis dahin hat Ute Vöcking noch einen weiten Weg vor sich. Sie hat gerade erst angefangen, eine Beratung für Unternehmen, die sich sozial engagieren wollen, aufzubauen. Doch eines hat sie schon festgestellt: "Die Selbständigkeit ist ein großer Gewinn an Lebensqualität." Endlich könne sie selbst entscheiden, am Nachmittag zur Theateraufführung ihrer Tochter zu gehen und dafür am Abend weiterzuarbeiten.

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