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Aus der Elternzeit in die Selbständigkeit : Erst Mutter, dann Unternehmerin

Kein Kredit von der Bank für die junge Mutter

„Wenn die Männer dagegen sind, haben die Frauen kaum Aussicht auf Erfolg“, sagt Stefanie Bathe, die als Betreuerin schon mehrere Frauen in die Selbständigkeit begleitet hat. Ihrer Ansicht nach ist die berufliche Auszeit, die sich die meisten Frauen nach der Geburt eines Kindes nehmen, ein guter Zeitpunkt, um diesen Schritt zu wagen. Schließlich sei die Familiengründung ohnehin eine Zeit des Umbruchs, und während der mehrmonatigen Babypause hätten Frauen im Idealfall Zeit, darüber nachzudenken, wie sie ihre Zukunft gestalten wollen. Bathe rät den Frauen dazu, zunächst darauf zu schauen, was sie wirklich machen wollen, und nicht darauf, was sie vermeintlich am besten können. Er später sollte man die Ideen dann auf ihre Praxistauglichkeit überprüfen. Als größte Gefahr hat sie beobachtet, dass die Frauen sich nach der Geburt ihres Kindes überfordern, weil sie meinen, beweisen zu müssen, dass sie trotz Doppelbelastung noch genauso schnell Karriere machen. "Dabei bekommen Mütter mit der Zeit von allein einen langen Atem - eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Selbständigkeit."

Diese Erfahrung hat auch Karina Bizzi gemacht. Obwohl der Wunsch, mehr Zeit für die Kinder zu haben, ein Grund für die Firmengründung war, seien ihre beiden Töchter in der ersten Zeit zu kurz gekommen, sagt die Unternehmerin. Direkt nach der Geburt ihres ersten Kindes bemühte sie sich um die Finanzierung ihrer Geschäftsidee. Tochter Elena hatte sie sich bei den Bankterminen in einem Tuch vor den Bauch gebunden. Doch mit dem Kredit klappte es erst, als ihr Ehemann sie zu den Terminen begleitete: "Einer jungen Mutter allein wollte keine Bank Geld leihen", sagt sie in einem Tonfall, der die Frustration der Anfangszeit ahnen lässt. Als das erste Eis produziert wurde, schlief ihre jüngere Tochter Tosca in der Autoschale im Nebenraum. Nach Feierabend war die Jungunternehmerin dann meist zu kaputt, um noch mit den beiden Töchtern zu spielen. Das schlechte Gewissen wurde zum ständigen Begleiter. Mittlerweile zwingt sie sich zu festen Arbeitszeiten und sie hat sich im Sommer auch ein paar Wochen Urlaub - allerdings mit Laptop - gegönnt. Trotz der hohen Belastung will sie mit ihren angestellten Freundinnen nicht mehr tauschen: "Ich arbeite selbstbestimmt und muss keinen fragen, wenn ich zu Hause bleibe, weil meine Kinder krank sind."

Angst vor Rückstufung im alten Job

Es ist die Möglichkeit, sich die Zeit frei einteilen zu können, die für junge Mütter den Reiz einer Selbständigkeit ausmacht. Gleichzeitig haben vor allem hochqualifizierte Frauen Sorge, in ihrem alten Beruf zurückgestuft zu werden, nur noch als „Teilzeit-Mami“ zu gelten, und ziehen deshalb die Unternehmensgründung einer Festanstellung vor. Statt über verbaute Karrierewege zu lamentieren, schaffen sie sich selbst neue.

„Ich habe meinen alten Job geliebt, aber mir war von Anfang an klar, dass er mit Kindern nicht zu vereinbaren sein würde", sagt Jacqueline Schwope. Die gebürtige Schweizerin sagt das ohne Bitterkeit. Sie sitzt in einem Frankfurter Café und nimmt langsam einen Schluck von ihrem frischen Pfefferminztee, bevor sie weiterspricht. Sie strahlt die Gelassenheit eines Menschen aus, bei dem es auf fünf Minuten nicht ankommt. Das war früher anders. Bevor sie Mutter wurde, war Schwope für das Marketing bei der Bildagentur Getty verantwortlich. Unter der Woche ständig auf Dienstreise, pendelte sie am Wochenende von München, wo sie arbeitete, nach Frankfurt, wo ihr Mann lebte.

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