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Auktionen von Staatsanleihen : Spanien und Italien erfreuen die Kapitalmärkte

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank bleibt weiterhin auf dem historischen Rekordtief von 1,0 Prozent Bild: Lisowski, Philip

Die gelungenen Auktionen von spanischen und italienischen Staatspapieren sorgen dafür, dass die Renditen für Staatsanleihen vieler Euroländer fallen. EZB-Präsident Mario Draghi äußerte sich optimistisch, die Bank beließ ihren Leitzins bei 1 Prozent.

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          Sehr viel besser als erwartet ausgefallene Auktionen von Staatspapieren aus Spanien und Italien haben am Donnerstag für gute Laune an den Finanzmärkten gesorgt. Während die Renditen für Staatsanleihen vieler Euroländer deutlich zurück gingen, stiegen die Preise vieler Rohstoffe.

          Am Devisenmarkt gewann der Euro an Wert. Im Nachmittagshandel notierte er bei 1,2810 Dollar. Die Aktienkurse legten anfangs ebenfalls deutlich zu, doch konnten sie nach der Veröffentlichung unerwartet schwacher amerikanischer Konjunkturdaten ihre Gewinne nicht halten.

          Seit mehr als drei Jahren sind die Leitzinsen der wichtigsten Notenbanken der Welt  auf historisch niedrigen Werten

          Die Anleihen Spaniens mit Fälligkeit 2015 und 2016 stießen bei fallenden Renditen auf eine so starke Nachfrage, dass für 10 Milliarden Euro Papiere zugeteilt wurden anstelle der ursprünglich geplanten 4 bis 5 Milliarden Euro.

          Die Renditen spanischer Anleihen sind seit ihrem Hoch im November 2011 deutlich gefallen. Dies gilt vor allem für die kürzeren Laufzeiten. Nach Ansicht der niederländischen Großbank ING ist der Renditeabstand zwischen den spanischen Kurz- und Langläufern in den vergangenen Tagen sogar zu groß geworden.

          Italien plazierte am Donnerstag zwölfmonatige Schatzwechsel im Volumen von 12 Milliarden Euro. Der Zinssatz betrug 2,735 Prozent gegenüber einem Zins von 5,952 Prozent bei der vorangegangenen Auktion im Dezember 2011. Italien will am Freitag mehrjährige Anleihen im Volumen zwischen 3 und 5 Milliarden Euro versteigern. Auch die Renditen in Italien sind seit ihrem Hoch im November 2011 zurückgegangen, wenn auch nicht so stark wie in Spanien.

          Zahlreiche Emissionen neuer Staatspapiere stehen bevor

          Marktteilnehmer machten unter anderem die gute Liquiditätsausstattung der Banken für die starke Nachfrage nach den Staatspapieren verantwortlich. Die von den Banken bei der EZB unterhaltenen Guthaben sind zwischen Dienstag und Mittwoch von 486 auf 471 Milliarden Euro gesunken. Zumindest ein Teil dieser Mittel dürfte für die Käufe von Staatspapieren verwendet worden sein.

          Am Markt wurde aber auch darauf hingewiesen, dass besonders im ersten Quartal 2012 zahlreiche Emissionen neuer Staatspapiere bevorstehen. Außerdem müsse sich noch zeigen, ob die südeuropäischen Länder auch in der Lage seien, Anleihen mit langen Laufzeiten erfolgreich zu plazieren.

          „Auf den Märkten werden die Bemühungen bekannt“

          Vorsichtig optimistisch äußerte sich auch EZB-Präsident Mario Draghi im Anschluss an die Ratssitzung, bei der die Europäische Zentralbank ihren Leitzins bei 1 Prozent beließ. „Auf den Märkten werden nun die Bemühungen der finanzschwachen Staaten, ihre Haushalte in Ordnung zu bringen, erkannt“, sagte Draghi und verwies insbesondere auf die Sparanstrengungen der spanischen Regierung. Es gebe zudem Anzeichen für eine Stabilisierung der Wirtschaft im Euroraum auf niedrigem Niveau.

          Spanische und italienische Staatsanleihen im Vergleich

          Allerdings kämen die ermutigenden Zeichen bislang nur von den Stimmungsindikatoren. Die harten Konjunkturdaten seien immer noch schwach und es gebe große Unsicherheit und erhebliche Abwärtsrisiken für die Konjunktur, relativierte Draghi seine optimistischen Äußerungen. Positiv bewertete er Anzeichen, dass die von der EZB in großem Umfang bereitgestellte Liquidität von den Banken zumindest zum Teil an die Wirtschaft weitergeleitet werde.

          Draghi hält sich alle Optionen offen

          In Bezug auf mögliche weitere Zinssenkungen – in den vergangenen beiden Monaten hatte die EZB den Leitzins jeweils gesenkt – hielt sich Draghi alle Optionen offen. „Die geldpolitische Ausrichtung ist akkommodierend und wird akkommodierend bleiben“, sagte er. Die EZB lege sich jedoch nie im Vorhinein fest, betonte er.

          Die Renditen europäischer Staatsanleihen gingen am Donnerstag um bis zu 60 Basispunkte zurück. Besonders profitieren konnten Papiere aus Portugal, Irland, Spanien, Italien, Frankreich, Belgien und Österreich. Portugal kündigte an, in der kommenden Woche wegen starker Nachfrage von Investoren mit einem Volumen von 2,5 Milliarden Euro mehr Schatzwechsel zu versteigern als beabsichtigt. Die schwierige Lage Griechenlands spielte an den Märkten keine Rolle.

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