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Auktionen : Ein Nobelpreis für bessere Preise

Ökonomen-Dynastie aus Stanford

Mit dieser Herangehensweise betrat er damals Neuland. Und viele andere junge Forscher wollten ihm dabei folgen. Paul Milgrom zum Beispiel erzählte, dass er in den siebziger Jahren nur aus einem Grund die Auktionstheorie als Forschungsgebiet für seine Promotion wählte: „weil ich Bob Wilson als Doktorvater wollte. Er wurde mir von einem seiner Schüler empfohlen. Also habe ich mir ein Thema gesucht, das Bob interessierte.“ Was daraus in den folgenden Jahrzehnten entstand, war die wohl einflussreichste Ökonomen-Dynastie der Gegenwart. Die drei Autoren des zitierten Aufsatzes aus dem Jahr 2002 zum Beispiel wurden für ihre bahnbrechenden Theorien ebenfalls schon mit dem Nobelpreis geehrt – erst Roth im Jahr 2012, weil er unter anderem einen Weg gefunden hat, jenes undurchsichtige System zu reparieren, das Spenderorgane an Patienten verteilt. Dann Holmström vier Jahre später, weil er Rat dazu gab, wie man Boni für Manager so gestaltet, dass die richtigen Anreize entstehen. Und jetzt eben Milgrom zusammen mit Wilson für ihre Arbeit zu Auktionen.

Tatsächlich kommen Auktionen quasi überall zum Einsatz. Wann immer es kompliziert wird, einen Preis für ein Gut oder eine Dienstleistung festzulegen – und das wird es leider sehr oft -, können Auktionen der Ausweg sein. Sie eignen sich für den Verkauf von Kunst und Antiquitäten ebenso wie für die Ausgabe von Staatsanleihen und die Vergabe öffentlicher Aufträge. Auch wenn es um Funkfrequenzen, Strombörsen, Fangquoten für Fische, Landeplätze für Flugzeuge und CO2-Emissionsrechte für die Industrie geht, kommen sie ins Spiel. Auf der Google-Website ist zu nachzulesen: „Für jede Suchanfrage auf Google findet eine Auktion statt, um die Anzeigen, die für die jeweilige Suche geschaltet werden, sowie deren Rang auf der Seite zu ermitteln.“

Die Rolle, die Wilson und Milgrom dabei spielen, könnte kaum größer sein: Sie haben sich das eingesetzte Auktionsformat ausgedacht. „Jeden Tag werden mit ihnen astronomische Werte zwischen Käufern und Verkäufern bewegt“, erklärt die Jury in Stockholm.

Gewinnen kann ein Fluch sein

Als Wilson in den sechziger Jahren begann, sich mit Auktionen zu befassen, betrat er ein weitgehend unerforschtes Gelände. Die Spieltheorie, zu deren wichtigsten Anwendungsgebieten die Auktionstheorie heute zählt, steckte noch in den Kinderschuhen. Der junge Amerikaner erkannte ein Muster und formulierte dazu eine einflussreiche Theorie: Wann immer jemand ein Objekt versteigert, dessen genaue Beschaffenheit die potentiellen Käufer nicht kennen, laufen die Bieter Gefahr, seinen Wert zu überschätzen. Ein Haus zum Beispiel könnte verdeckte Mängel haben. Der Wert eines Landeplatzes für Flugzeuge hängt von vielen Faktoren ab, wie sich in der Corona-Krise gerade eindrücklich zeigt. Der Bieter, der am Ende den Zuschlag bekommt, zahlt also oft zu viel – immerhin hat er das höchste Gebot abgegeben. Zumindest glaubt er, dass er zu viel ausgegeben hat. Wer schon einmal etwas in einer Kunstauktion oder bei Ebay ersteigert hat, kennt dieses Gefühl – Ökonomen nennen es den „Fluch des Gewinners“.

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