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Ruf nach Lohnerhöhung : Physio-Therapeuten werden schlechter bezahlt als Altenpfleger

  • -Aktualisiert am

Ein Patient mit Polio-Erkrankung trainiert vor den Augen des Stationsleiters mit seinem Physiotherapeuten. Bild: dpa

Die Rufe nach besserer Bezahlung von Pflegeberufen machen Schule: Jetzt verlangen auch die Therapeuten mehr Lohn. Interessant ist dabei: Die Politik zeigt Zahlungsbereitschaft.

          3 Min.

          Die Debatte um die bessere Bezahlung von Pflegekräften in Kliniken und Altenheimen zieht Kreise: Jetzt verlangen erste Politiker auch für 200.000 Physio- und andere Therapeuten mehr Geld und eine kostenfreie Ausbildung, wie sie mit der Reform der Pflegeausbildung im vergangen Jahr für Pflegeschüler eingeführt wurde. „Die schon beschlossene Verbesserung der Therapeutenvergütung geht zu langsam und reicht nicht aus“, sagte der CDU-Gesundheitspolitiker Roy Kühne der F.A.Z.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Neben der verabredeten Verbesserung um 2 Milliarden Euro seien bis 2020 weitere Honoraranhebungen von bis zu 1,8 Milliarden Euro notwendig. Viele Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden und Podologen gingen mit weniger als 2200 Euro im Monat nach Hause – das sei weniger, als Altenpfleger im Mittel verdienten.

          Im Krankenhaus ist die Bezahlung besser

          Freiberuflich tätige Therapeuten würden heute in Vollzeit etwa 25.000 Euro im Jahr verdienen. Von den durchschnittlichen Einnahmen von 32 Euro brutto je Therapiestunde müssten sie Personal-, Raumkosten und Anschaffungen finanzieren und Rücklagen bilden. Hingegen würden angestellte Therapeuten in Krankenhäusern und Heimen um 60 Prozent besser bezahlt.

          „Deshalb werden schon heute immer mehr qualifizierte Mitarbeiter aus den ambulanten Praxen abgeworben“, sagt Kühne. Die – auch aus seiner Sicht notwendige – Verbesserung der Lage der Pflegekräfte im Krankenhaus werde dazu führen, dass sich der Trend weiter verschärfe.

          Zudem zeige der Vergleich der Kassenausgaben, dass sich die Honorare für die therapeutischen Berufsgruppen von denen anderer Gesundheitsberufe entkoppelt hätten. Gemessen am Basisjahr 2009, habe die Zuwachsrate der Krankenhauskosten doppelt, die der Ärzte etwa dreimal so stark angezogen. Die in der vorigen Wahlperiode beschlossene Heim- und Hilfsmittelreform reiche nicht aus.

          Zwar seien damals Honorarverbesserungen in Höhe von 2 Milliarden Euro versprochen worden, doch komme das Geld auch wegen der zähen Verhandlungen mit den Kassen auf Landesebene nicht bei den Therapeuten an. „Wir können nicht abwarten, bis die Vergütungsverhandlungen im nächsten Jahr greifen, sondern müssen sofort handeln“, sagt Kühne. Selbst wenn das Geld dann ankomme, reiche es nicht, um mit 42 Euro Bruttostundenlohn den Gehaltsunterschied zu den in Kliniken angestellten Therapeuten auszugleichen.

          Aufwertung der gesellschaftlichen Anerkennung

          „Den freien Praxen droht weiterhin das Aus“, sagte Kühne und verlangt: „Wir brauchen sofort eine deutliche Erhöhung für die rund 200.000 Therapeuten.“ Ihm schwebt dabei ein Betrag von mindestens 850 Millionen Euro vor. „Besser wären 1,8 Milliarden Euro“, sagt der Niedersachse, der selbst aus der Branche kommt.

          Die aus der Debatte um fehlende Pflegekräfte stammende Forderung nach „mehr gesellschaftlicher Anerkennung“ münzt er auf die Therapeuten um: „Die Therapieberufe benötigen dringend eine Aufwertung ihrer gesellschaftlichen Anerkennung.“ Nicht zuletzt aus dem Grund hatte Kühne sich sehr früh gegen eine Senkung der Zusatzbeiträge der Kassen ausgesprochen, er will das Geld lieber für eine Besserstellung der Therapeuten ausgeben. Gespräche in der Koalition und mit Kassen dazu laufen bereits, von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) kämen hoffnungsvolle Signale.

          Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Neugründungen von Therapeutenpraxen im vergangenen Jahr erstmals rückläufig war. Ähnlich wie in der Pflege sind auch in der Physiotherapie Fachkräfte Mangelware. Im Schnitt bleibe eine offene Stelle 151 Tage vakant, der Wert liege 48 Prozent über dem Bundesdurchschnitt für alle Stellen, heißt es im „Heilmittelwirtschaftsbericht“ der Buchner Consulting. Binnen eines Jahres habe sich die Lage deutlich angespannt, die Dauer bis zur Wiederbesetzung einer Stelle sei um 17 Tage gewachsen. Die Autoren deuten die berufsspezifische Arbeitslosenquote von 0,9 Prozent als Beleg für die Diagnose Fachkräftemangel.

          Angehende Therapeuten tragen Ausbildungskosten

          Nicht zuletzt erweise sich die für Therapeuten kostenpflichtige Ausbildung mit Beträgen von bis zu 400 Euro im Monat als Hemmschuh, sagt Kühne. Heilmittelerbringer seien zusammen mit Diätassistenten und veterinärmedizinisch-technischen Angestellten die Einzigen, die ihre Ausbildung mit Schulgeld selbst bezahlen müssten. Angestellte Physio-, Ergo-, Stimm-, Sprech- oder Sprachtherapeuten verdienten im Mittel ungefähr so viel wie Arzthelfer.

          Während die aber die Ausbildung bezahlt bekämen, müssten Heilmittelerbringer dafür überwiegend selbst aufkommen. Krankenpfleger, die teils schon gute Ausbildungsvergütungen erhielten, verdienten später trotzdem deutlich mehr als Therapeuten. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit verdienen Krankenpfleger im Mittel rund 3300 Euro im Monat, Altenpfleger gut 2600 Euro und Therapeuten nur knapp 2200 Euro.

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