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Wichtige deutsche Branche : Donald Trumps Amerika kauft weiter viele deutsche Maschinen

  • -Aktualisiert am

Im deutschen Maschinenbau ist kein Ende der Talfahrt in Sicht. Der Industriezweig verbuchte im Juni einen Rückgang der Aufträge um fünf Prozent. Bild: dpa

Die deutschen Maschinenbauer mit ihren mehr als eine Millionen Beschäftigten bekommen weiter weniger neue Aufträge. Gerade auf einem wichtigen Absatzmarkt laufen die Geschäfte aber nach wie vor rund.

          Offiziell ist das Wirtschaftsverhältnis zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten derzeit eher angespannt. Der amerikanische Präsident witzelte gerade über neue Zölle auf Autos der Hersteller BMW und Mercedes, während er ein Rindfleisch-Abkommen zwischen der EU und Amerika vorstellte.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Für eine wichtige deutsche Branche gibt es gleichwohl durchaus gute Nachrichten aus Übersee: Die Amerikaner kaufen und bestellen fleißig weiter Maschinen made in Germany. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres exportierten deutsche Maschinenbauer zwölf Prozent mehr in die Vereinigten Staaten, teilte ein Sprecher des Branchenverbandes VDMA gegenüber der F.A.Z. mit; neuere Zahlen liegen noch nicht vor. Und auch in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt führten die deutschen Hersteller mehr aus – das Exportplus betrug hier 3 Prozent.

          Zumindest auf diesen beiden wichtigen Absatzmärkten läuft das Geschäft infolgedessen weiter rund. Es ist ein weiterer Mutmacher neben der soliden Entwicklung im Großanlagenbau.

          Wie sich dieser Teil des Auslandsgeschäfts weiterentwickelt, ist derzeit eine besonders wichtige Frage. Denn in Deutschland und in den europäischen Nachbarländer geht die Nachfrage nach deutschen Maschinen gegenwärtig zurück.

          Von Weltuntergang weit entfernt

          Das bestätigten auch die an diesem Montag mitgeteilten neuen Auftragseingänge: Der als Rückgrat der deutschen Wirtschaft geltende Industriezweig mit mehr als einer Million Beschäftigten verbuchte im Juni mit minus fünf Prozent einen deutlichen Rückgang. Damit verzeichnet der Maschinenbau im siebten Monat nacheinander weniger neue Kunden. Im ersten Halbjahr 2019  sanken die Bestellungen um neun Prozent.

          „Dieser Rückgang geht auf die schwächere Weltkonjunktur, die zahlreichen meist politisch motivierten Verwerfungen und den tiefgreifenden Strukturwandel in der Automobilindustrie zurück“, sagte der VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Während die Inlandsbestellungen im Juni sogar um satte 16 Prozent fielen, stagnierten die Order aus dem Ausland.

          „Überraschend ist die Zahl der Großaufträge aus den Nicht-Euro-Ländern“, sagte Wortmann. Was er damit meinte: Diese  sei im Juni 2018 schon hoch gewesen und nun nochmals gestiegen, so dass sich ein Plus bei den Bestellungen aus den Nicht-Euro-Ländern von zwei Prozent ergab. „Es kommt extrem selten vor, dass ein ohnehin schon hohes Vorjahresniveau bei den Großanlagen gehalten, geschweige denn ausgebaut werden kann“, sagte Wortmann.

          Schon zwei Mal hatte die Kernbranche der deutschen Industrie in diesem Jahr schon ihre Produktionsprognose gesenkt. Ihre Fachleute erwarten in diesem Jahr erstmals seit 2013 wieder einen Rückgang der Produktion.

          Einigermaßen tröstlich ist indes ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise wurden die Maschinenbauer von einem Produktionsrückgang gebeutelt, der 25 Prozent erreichte. Das sei dann doch eine andere Dimension gewesen als die heutige Delle, heißt es. Außerdem sei der Auftragsbestand immer noch recht hoch, ebenso die Auftragsreichweite von mehr als acht Monaten.

          Den Maschinenbauern geht die Arbeit jedenfalls nicht aus. Zwar sei die aktuelle Lage nicht angenehm, und das zurückhaltende Kaufverhalten von Kunden in vielen Schwellen- und Entwicklungsländern enttäuschend, darunter die Türkei, Russland oder Argentinien. Aber die Branche ist Aufs und Abs gewöhnt. Sie wird aus diesem Jahr keinen großen Erfolg mehr machen können, von Weltuntergangstimmung ist sie gleichwohl weit entfernt.

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