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Aufsichtsratschef : Der schnelle Schröder

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Der künftige Aufsichtsratschef und sein Freund Bild: dpa/dpaweb

Schröder hat den Vertrag zur Gaspipeline durch die Ostsee an entscheidender Stelle mitausgehandelt. Nun wird er offenbar von seinem Freund Putin mit einem prestigeträchtigen Posten bedacht. Er wird letztlich Befehlsempfänger des russischen Staates.

          Der frühere Bundeskanzler Schröder ist am Wochenende von Politikern aus allen Parteien scharf kritisiert worden, weil er Vorsitzender des Aufsichtsrates des deutsch-russischen Konsortiums Nordeuropäische Gaspipeline (NEGP) werden soll. An dem Konsortium, das die geplante Gasleitung durch die Ostsee betreiben soll, sind der staatlich kontrollierte russische Konzern Gasprom zu 51Prozent und die deutschen Konzerne Eon und BASF zu je 24,5 Prozent beteiligt. Schröder hat das umstrittene Projekt während seiner Amtszeit aktiv unterstützt.

          Gerhard Schröder ist weder Helmut Kohl noch Werner Müller. Sein Vorgänger im Amt des Bundeskanzlers nahm nach seinem Ausscheiden eher randständige wirtschaftliche Mandate wie dasjenige eines Beraters der Großbank Credit Suisse wahr. Der frühere Wirtschaftsminister erarbeitet sich nach einem umstrittenen Wechsel in die Wirtschaft als aktiver Manager und Aufsichtsrat bei RAG und Bahn immerhin eine eigenständige Position.

          Der schnelle Schröder hingegen wird Aufsichtsratsvorsitzender eines Unternehmens, dessen Mehrheit in der Hand des russischen Staatsunternehmens Gasprom liegt. Dies nämlich ist die Lage bei der Betreibergesellschaft für die Gaspipeline durch die Ostsee. Ob überhaupt und gegebenenfalls wieviel Geld Schröder für die Wahrnehmung des Mandats erhält, ist dabei gar nicht die entscheidende Frage.

          Politisch heikles Mandat nicht gerechtfertigt

          Verkürzt und auf den Kern gebracht, ergibt sich folgende Situation: Der frühere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, der den Pipeline-Vertrag an entscheidender Stelle mitausgehandelt hat, wird offenbar von seinem Freund Putin mit einem prestigeträchtigen Posten bedacht. Er wird aber letztlich Befehlsempfänger des russischen Staates.

          Schröder dürfte darauf verweisen, daß er den immer wieder beklagten mangelhaften Austausch zwischen Politik und Wirtschaft verwirklicht. Politisch heikle Mandate sind damit aber noch lange nicht gerechtfertigt.

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